Testspiel

Hertha kann auch gegen Cottbus nicht gewinnen

Im Vergleich zur Niederlage gegen Halle zeigt sich Hertha merklich verbessert – gegen Cottbus trifft allerdings einzig John Heitinga. Unerfreulicher als das Remis war jedoch eine andere Nachricht.

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So richtig laut wurde es im Amateurstadion nur in der 56. Minute. Da hatte der Sprecher das 1:1 von Hertha BSC vermeldet und als Torschützen Sandro Wagner angegeben. „Das gibt’s doch nicht“, brüllte John Heitinga in voller Lautstärke Richtung Stadionsprecher. Woraufhin der sich rasch korrigierte: „Den Ausgleich für Hertha hat natürlich unsere Nummer 5, John Heitinga, erzielt.“ Der Niederländer hob den Daumen, als wollte er sagen: „Geht doch“.

Unter dem Strich jedoch war die Ausbeute aus dem zweiten Vorbereitungsspiel zu wenig. 1:1 (0:0) trennte sich Hertha BSC vor 400 Zuschauern von Energie Cottbus. Wie schon zwei Tage zuvor gegen den Halleschen FC (1:3) vermochte der Bundesligist erneut keinen Sieg gegen einen Drittligisten einzufahren.

Cotrainer Markus Gellhaus, der erneut den erkrankten Chef Jos Luhukay vertrat, war mit dem Resultat nicht zufrieden: „Gegentore nerven immer.“ Besonders vor dem Hintergrund, dass Hertha für die Rückrunde (ab 1. Februar in Bremen) sich fest vorgenommen hat, die defensiven Schwächen abzustellen.

Hertha belohnt sich nicht

Zur Leistung sagte Gellhaus: „Es war eine deutliche Steigerung gegenüber dem Halle-Spiel. Wir haben uns eine große Zahl an Chancen herausgespielt, uns aber leider zu wenig belohnt für den Aufwand.“

In der Tat trat Hertha gegen den FC Energie wesentlich dominanter auf. Torwart Thomas Kraft hatte so gut wie keine Gelegenheit sich auszuzeichnen, weil die Vorderleute – diesmal stellten Heitinga und Sebastian Langkamp die Innenverteidigung – kaum etwas durchließen. Beim Gäste-Tor, einer Direktabnahme von Tim Kleindienst, gab es für Kraft nichts zu halten (55.).

Hertha gelang im nächsten Angriff postwendend der Ausgleich, als Heitinga eine Freistoßflanke von Ronny ins lange Eck des Gästetores köpfte.

Keine Pluspunkte konnte Jens Hegeler sammeln. Nachdem er zwei Tage zuvor im Mittelfeld auf der Position 8 gespielt hatte, kam er diesmal auf der 10, also als Spielmacher, zum Einsatz. Aber erneut fehlte es an Tempo, Dynamik und kreativen Ideen.

Bedarf im zentralen Mittelfeld

Die Testspiele unterstreichen, was auch in der Hinserie öfter zu beobachten war: Hertha hat Bedarf an einem starken zentralen Mittelfeldspieler. Die sportliche Leitung sondiert den Markt, das Transferfenster ist bis zum 2. Februar geöffnet.

Im Aufschwung befindet sich Valentin Stocker. Der darf endlich auf seiner angestammten Position auf der linken Außenbahn ran. Der Schweizer Nationalspieler erarbeitete sich mehrere Hochkaräter. Im schönsten Spielzug des Nachmittags spielte Sandro Wagner Stocker frei, der den Ball aber über den gegnerischen Torwart und das Tor hob (83.).

Bei Cottbus bot Torsten Mattuschka, der ehemalige Unioner, eine unauffällige Vorstellung. Der Ex-Herthaner Fanol Perdedaj ging gegen Fabian Lustenberger und Nico Schulz betont aggressiv zu Werke und kassierte die einzige Gelbe Karte dieses Freundschaftsspiels.

Ben-Hatira verpasst Trainingslager

Lustenberger und Schulz spielten sehr aufmerksam auf der Doppel-Sechs. Ein Manko im Vorwärtsgang bleibt aber die fehlende Präzision bei den Zuspielen, die Fehlpass-Quote beim Erstligisten war erstaunlich.

Für Hertha bleibt die personelle Situation angespannt. Änis Ben-Hatira kann derzeit wegen seines maladen Zehen-Gelenks keine Fußballschuhe anziehen. Er fährt am Sonntag nicht mit ins Trainingslager nach Belek/Türkei, sondern macht Reha in Berlin. Roy Beerens hat nach wie vor Probleme an seinem Sprunggelenk und pausiert derzeit. Der Niederländer reist aber mit in die Türkei.

Per Skjelbred und Sascha Burchert holten gestern den Laktattest nach, sie sind in Belek ebenso dabei wie der erst 17-jährige Maximilian Mittelstädt. Hertha fliegt am Sonntag und nimmt vor Ort an einem Mini-Turnier teil. Es geht gegen Young Boys Bern und entweder Greuther Fürth oder den FC Thun.