Bundesliga

Jetzt ist Hertha am Zug - Gesucht wird ein neuer Hauptsponsor

Nach dem Ausstieg der Bahn hofft Hertha auf einen besser dotierten Vertrag mit einem neuen Trikotsponsor. Die Forderung an das Team: Je früher Hertha den Bundesliga-Erhalt sicher hat, desto besser.

Foto: Herbert Rudel / picture alliance / Herbert Rudel

Ein stabiles Nervenkostüm ist bei Hertha BSC für die kommende Monate gefragt. Und das auf mehreren Ebenen. Sportlich muss die Mannschaft von Trainer Jos Luhukay beweisen, dass sie den Kampf um den Bundesliga-Klassenerhalt erfolgreich gestalten kann. Vor dem Start in die Rückrunde liegen die Blau-Weißen auf Platz 13, lediglich einen Punkt vor den Abstiegsrängen. Parallel befindet sich Herthas Finanzgeschäftsführer Ingo Schiller mit Vermarkter Sportfive auf der Suche nach einem Hauptsponsor.

Die Deutsche Bahn wird nach neun Jahren den im Juni auslaufenden Vertrag als Brustsponsor nicht verlängern. Das hatte die „Bild“ am Mittwoch berichtet. Joachim Stauss, Pressesprecher der Deutschen Bahn bestätigte der Berliner Morgenpost: „Ja, wir werden von der ersten in die zweite Reihe rücken und uns künftig als Exklusivpartner bei Hertha engagieren.“

Die Bahn wird bis 2017 Exklusiv-Partner

Der aktuelle Hauptsponsor-Vertrag ist mit vier Millionen Euro pro Jahr dotiert. Als Exklusivpartner wird die Bahn noch eine Million Euro an Hertha zahlen. Dieser Vertrag ist zunächst bis 2017 befristet.

Zunächst gab es nur freundliche Worte zu hören. „Es war eine gute Zeit“, sagte Stauss über die Zusammenarbeit, die im Jahr 2006 begonnen hatte, damals vorgestellt von Dieter Hoeneß als Hertha- und Hartmut Mehdorn als Bahn-Chef. „Wir haben Höhen, aber auch schwierige Zeiten zusammen erlebt.“ Damit sind die beiden Abstiege in die Zweite Liga 2010 und 2012 gemeint. Zur Erleichterung des Profi-Klubs stand der Sponsor auch in jenen schwierigen Tagen zu Hertha. „Wir sind damals dabei geblieben, um unsere Verbundenheit mit der Stadt zu zeigen“, sagte Stauss. „Berlin ist der Hauptsitz der Bahn.“

Preetz bedankt sich bei der Bahn

Herthas Geschäftsführer Sport Michael Preetz bedankte sich: „Gerade in der heutigen Zeit, gerade im Fußball ist eine über neun Jahre andauernde Zusammenarbeit etwas Besonderes. Wir sind dankbar, dass wir dies mit Deutschen Bahn erlebt haben und sind gleichzeitig froh, dass dies künftig auch so bleibt.“ Herthas Finanzchef Schiller sagte: „Der Deutschen Bahn gilt großer Dank für eine hervorragende Zusammenarbeit.“

Das Ende des Trikotsponsorings hat mehrere Gründe. Die Bahn hat im Fernverkehr durch die Konkurrenz der Fernbusse Verluste eingefahren. Dazu hat sich das Unternehmen ein Investitionsprogramm verordnet, mit einem Umfang von 28 Milliarden Euro). Da stand unter anderem das Sponsoring auf dem Prüfstand. Die Leitung um Bahnchef Rüdiger Grube entschied, die Ausgaben im Fußball reduzieren. Auch bei Eintracht Frankfurt deutet sich eine ähnliche Entwicklung an. Dort ist die Bahn seit 2002 Premiumpartner, auch hier endet der Vertrag. Bahn-Sprecher Stauss sagte: „Dazu möchten wir uns im Moment nicht äußern.“

Der Bahn-Ausstieg als Chance

Für Hertha war, wie für die meisten anderen Bundesligaklubs auch, der Vertrag mit dem Hauptsponsor über lange Jahre der wichtigste überhaupt. Mit dem Einstieg von strategischen Partnern wie dem Investor KKR, der im Januar 2014 insgesamt 61 Millionen Euro bei Hertha investiert hat, hat sich das geändert. Aber weiter gilt: Der Hauptsponsor-Vertrag ist ein Schlüsselbaustein für das jährliche Budget.

Die vier Millionen Euro, die Hertha aktuell von der Deutschen Bahn erhält, waren eine gute Dotierung für einen Aufsteiger. Schon seit Längerem war intern im Verein aber kalkuliert worden, dass der nächste Brustsponsor-Vertrag deutlich besser bezahlt sein müsse. Deshalb sagte eine mit der Sache vertraute Person der Morgenpost: „Der Ausstieg der Bahn ist eine Riesenchance für Hertha.“

Sportfive steht nun in der Pflicht

Der Verein geht die Herausforderung zuversichtlich an. Zum einen soll das internationale Netzwerk helfen von Investor KKR, einem Private Equity-Unternehmen mit Sitz in New York. Vor allem aber setzt Hertha auf Vermarkter Sportfive, dessen Kerngeschäft seit über 20 Jahren die Vermittlung solcher Deals ist.

Nun ist die Suche von Trikot-Sponsoren jedoch kein Wunschkonzert. Grundsätzlich, so ist von Sportfive zu hören, habe sich der Markt dahingehend entwickelt, dass Unternehmen sich bei diesen großen Verträgen mittlerweile nicht mehr im ersten Quartal eines Jahres festlegen, sondern erst im April, Mai, Juni.

Klub hofft auf mehr Geld

Die Gründe liegen auf der Hand: Weil erst dann klar ist, wohin die sportliche Reise letztlich geht. Hertha steckt als Dreizehnter der Bundesliga gemeinsam mit acht anderen Vereinen mitten im Kampf um den Klassenerhalt. Im Moment kann niemand sagen, wann in der Rückrunde Hertha den Liga-Erhalt sicher haben wird. Der letzte Spieltag der Saison wird am 23. Mai gespielt.

Aus Hertha-Sicht geht es aber nicht ausschließlich ums Geld. Der noch zu findende Trikotsponsor soll auch zum Verein und zur Stadt passen. Schon 2013, als die Deutsche Bahn letztmalig ihr Engagement verlängerte, hatte ein Wettanbieter auf die Brust von Hertha mitgeboten. Diese Offerte war damals dankend abgelehnt worden.

Die Entscheidung der Bahn war seit Anfang Dezember bekannt

Vor diesem Hintergrund ist die Suche nach einem millionenschweren Hauptsponsor eine Herausforderung. Bei Hertha wussten sie seit Anfang Dezember, dass die Bahn das Trikotsponsoring beenden wird. Die Klubführung und Sportfive haben die Suche nach einem Nachfolger vorbereitet, aber bisher nicht aktiv angegangen, um den Noch-Partner Bahn nicht zu beschädigen. Dadurch, dass der Ausstieg der Deutschen Bahn nun öffentlich wurde, heißt die Botschaft für die interessierten Werbewirtschaft: Hertha ist ab dem Sommer zu haben.