Bundesliga

Hertha setzt gegen Lasogga und den HSV auf die Heimstärke

In dieser Saison konnte das Team von Trainer Luhukay nur zu Hause gewinnen. Gegen Rückkehrer Lasogga und den HSV setzt Hertha auf die eigenen Fans und will die Mini-Siegesserie daheim weiter ausbauen.

Foto: City-Press / picture alliance / City-Press Gb

Wie positiv sich ein Trainerwechsel auswirken kann, hat Hertha BSC erst am vergangenen Sonnabend leidvoll erleben müssen. In Gelsenkirchen trafen die Berliner auf Schalke 04 samt neuen Coach Roberto Di Matteo. Dessen Handschrift, eine akribische Grundordnung, war schon in seinem ersten Spiel auf der Trainerbank klar zu erkennen – und stellte Herthas Angreifer vor unlösbare Probleme. Auf einen Torerfolg warteten die Blau-Weißen vergeblich (0:2).

Am Sonnabend (15.30 Uhr, Sky und im Liveticker bei immerhertha.de) trifft Hertha nun erneut auf einen Klub, bei dem der Trainerwechsel zu fruchten scheint. Joe Zinnbauer heißt der Mann, der den Fast-Absteiger der Vorsaison zuletzt wieder zurück auf Kurs gebracht hat. Bei seinem Debüt gelang dem 44 Jahre alten Ex-Profi das Kunststück, dem übermächtigen FC Bayern ein torloses Remis abzutrotzen.

Die jüngste Bilanz: ein Sieg gegen Borussia Dortmund und ein Unentschieden gegen den Tabellendritten Hoffenheim aus. Kurzum: Der Bundesliga-Dino ist momentan weitaus stärker einzuschätzen, als es sein 16. Tabellenplatz vermuten lässt.

Für Hertha-Coach Jos Luhukay ging der Erkenntnisgewinn auf Schalke natürlich weit über den erwähnten „Trainer-Effekt“ hinaus. Eine Unzulänglichkeit hatte der Niederländer vor dem gegnerischen Tor ausgemacht, wo es Hertha an Durchschlagskraft fehlte; eine weitere in der Defensive, wo die Innenverteidiger Fabian Lustenberger und John Heitinga bei den beiden Gegentoren nicht entschieden genug zu Werke gingen. Es komme nun mal auf die Details an, sagte Luhukay. Um die „letzte Abgeklärtheit“ und den Willen, auch den letzten Zweikampf noch gewinnen zu wollen. Nuancen, die Hertha auf Schalke fehlten.

Fehlende Durchschlagskraft

Trotz 16 Torschüssen blieben die Berliner ohne Treffer. Einerseits, weil Stürmer Salomon Kalou nach seinen Länderspiel-Einsätzen für die Elfenbeinküste etwas kraftlos wirkte. Andererseits, weil es den Zuspielen in die Spitze an Genauigkeit fehlte.

Als Vorlagengeber ist vor allem das Mittelfeld-Trio um Änis Ben-Hatira, Valentin Stocker und Roy Beerens vorgesehen. Der Niederländer war auf Schalke der auffälligste Herthaner, doch auch ihm fehlte es an der nötigen Präzision. Ein Manko, das seinem Pendant Ben-Hatira noch weitaus stärker anhaftete. Der Deutsch-Tunesier erlaubte sich zu viele Ballverluste und wurde als erster Berliner ausgewechselt.

Bleibt Valentin Stocker. Herthas Mann im Zentrum absolvierte mehr „intensive Läufe“ als jeder andere Berliner (67). Dieses gute Fleiß-Zeugnis war jedoch das Positivste, was man über seine Leistung sagen konnte. Dennoch: Weil Luhukay zuletzt „Automatismen“, „Sicherheit“ und „Selbstvertrauen“ gesehen hat, wird er wohl gegen den HSV einen Großteil der Startelf vom Schalke-Spiel erneut aufbieten.

57.000 Zuschauer werden erwartet

Auf der Pressekonferenz am Donnerstag gab sich der 51-Jährige betont optimistisch. Seine Zuversicht zog er dabei aus den vergangenen Heimspielen. An die Siege zuletzt gegen Wolfsburg (1:0) und Stuttgart (3:2) denke er immer noch gerne zurück, gab er unvermittelt zu, und richtete den Blick sogleich nach vorne. „Wir können uns auf eine fantastische Kulisse freuen“, sagte Luhukay. „Von der Unterstützung der Fans haben wir zuletzt viel profitieren können.“ Gegen Hamburg erwartet Hertha 57.000 Zuschauer.

In einer Spielzeit, die bislang von zu vielen Aufs und Abs geprägt ist, scheinen die Herthaner den Schlüssel zu mehr Beständigkeit am ehesten im Olympiastadion zu finden. An Auswärtserfolge können sich die Hertha-Fans schließlich kaum noch erinnern. Der letzte, ein 2:1 in Stuttgart, liegt acht Monate zurück – im Fußball eine Ewigkeit.

In dieser Saison sind sie auf fremden Plätzen noch ohne Sieg und stellen mit nur einem Punkt aus vier Partien das zweitschlechteste Auswärtsteam der Liga. Vor heimsicher Kulisse dagegen läuft es deutlich besser. Gegen Wolfsburg und Stuttgart gewannen die Berliner zuletzt zweimal in Folge. Im Olympiastadion holte Luhukays Team aus vier Heimspielen bisher sieben Punkte. Und genau das macht Hertha gegen den HSV nun Hoffnung.

Keine Sorgen wegen Lasogga

Nun sind die Blau-Weißen aber nicht die einzigen, die den Auftritt in Berlin als Heimspiel empfinden: Pierre-Michel Lasogga trägt zwar seit über einem Jahr das Trikot des HSV, bezeichnet die Hauptstadt aber immer noch als sein Zuhause. „Pierre ist inzwischen wieder bei 100 Prozent“, sagte Herthas Manager Michael Preetz, „und ein Lasogga mit 100 Prozent ist für jeden Gegner gefährlich.“ Befeuern wollte er das Wiedersehen mit dem Ex-Herthaner freilich nicht. Das sei eine schöne Geschichte für Journalisten, befand der Manager, für Hertha jedoch nicht.

Luhukay macht sich Gedanken über Lasogga, aber ausdrücklich „keine Sorgen“. Er vertraut weiterhin dem zuletzt ungewöhnlich schwächelnden Innenverteidiger Lustenberger. Neben dem Schweizer könnte der hochgewachsene John Anthony Brooks (1,93 Meter) eine neue Chance bekommen. Dem kräftigen Lasogga (1,89 Meter) könnte der 21-Jährige physisch am besten Paroli bieten. Für ihn müsste dann der bisher kaum überzeugende John Heitinga auf die Ersatzbank.

Das letzte Mal, als Hertha drei Heimspiele in Folge für sich entscheiden konnte, spielten die Berliner noch in der Zweiten Liga. Der 9. Spieltag wäre ein guter Zeitpunkt, um diese Serie in der Bundesliga zu wiederholen.