Bundesliga

Skjelbred ist der Gentleman-Kicker von Hertha BSC

Mit dem Saisonende lief Per Skjelbreds Leih-Beschäftigung in Berlin aus. Dann kam das Gerangel mit dem HSV, wobei sich der Norweger stets zurückhielt. Nun steht er in Herthas Startelf gegen den HSV.

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Per Skjelbred ist höflich. „Ja, gegen den HSV, das ist ein besonderes Spiel.“ Doch bei der nächsten Frage fällt er dem Fragesteller ins Wort: „Bitte um Verständnis, ich möchte vor dem Spiel nichts sagen.“ Spricht es, schwingt sich den Träger mit den sechs Trinkflaschen über die Schulter und verschwindet in Richtung Kabine. Natürlich ist die Partie zwischen Hertha BSC und dem Hamburger SV am Sonnabend kein normales Pflichtspiel für Skjelbred (15.30 Uhr, Olympiastadion). Da stehen sich die Klubs gegenüber, für die er in Deutschland gespielt hat. Wenn es eines Beweises bedarf, wie ein Profi eine schwierige Situation meistern kann, waren es die zurückliegenden Monate von Skjelbred.

Mit dem Saisonende im Mai lief Skjelbreds Leih-Beschäftigung in Berlin aus. Der norwegische Nationalspieler profitierte davon, dass Hertha-Trainer Jos Luhukay ihm vertraute (28 Saison-Einsätze). Längst hatte Skjelbred, 27, seine Familie in die Hauptstadt nachgeholt, die Zöglinge Jonathan und Elina hatten Plätze in einer Kita. Doch nun musste der Papa zurück nach Hamburg, sein Vertrag beim HSV war bis 2015 datiert.

Faustpfand im Ringen um Lasogga

Ohne sein Zutun wurde Skjelbred zum Faustpfand. Der HSV dachte, dass man den umworbenen Stürmer Pierre-Michel Lasogga, den die Hamburger von Hertha wollten, gegenrechnen könne gegen Skjelbred. Der Mittelfeldspieler ließ sich nicht beeindrucken. Er arbeitete unter dem damaligen Trainer Mirko Slomka. Der behauptete zwar, er fände Skjelbred eine interessante Alternative. Das meinte er aber nicht wirklich ernst. Ob Mitspieler, Journalisten oder Fans – Skjelbred wurde in diesem Sommer oft gefragt, ob er nicht in Hamburg bleiben wolle.

Über drei Monate ging die Prozedur. Aber Skjelbred ließ sich nicht locken. Er wiederholte die stets gleiche Botschaft: „Ich habe mich in Berlin wohlgefühlt. Aber ich habe einen Vertrag in Hamburg. Ich bin Profi. Ich trainiere hart, um in Form zu kommen.“ Die Personalie Lasogga war Anfang Juli entschieden.

Doch Skjelbred musste zahlen für die unklaren Machtverhältnisse an der Elbe – wer hatte da zu welchem Zeitpunkt was zu sagen? Das Zeitfenster wurde immer kleiner. Der HSV wollte ihn nach Bremen transferieren, Skjelbred winkte das Angebot durch. Am letzten Tag der Transferperiode, am 1. September, war es endlich so weit: Der Norweger erhielt einen Drei-Jahres-Vertrag bei Hertha. 1,5 Millionen Euro überwies Hertha an Ablösesumme.

Von Skjelbred gab es über ein Vierteljahr keinen einzigen negativen Kommentar zu wem auch immer zu hören. Er kann allen Beteiligten in die Augen blicken. Und wird gegen den HSV in der Hertha-Startelf stehen.