Bundesliga

Hertha BSC steckt Niederlage auf Schalke ein

Die Berliner kämpften selbstbewusst und in derselben Aufstellung wie beim Sieg gegen den VfB Stuttgart. Doch am Ende reichte die Kraft gegen Schalke nicht. An der Spitze setzte Kalou keine Akzente.

Foto: INA FASSBENDER / REUTERS

Roberto Di Matteo ballte freudestrahlend die Fäuste, Herthas Trainer Jos Luhukay schüttelte den Kopf. Es bleibt dabei: Für Hertha ist auf Schalke nichts zu holen. Der Hauptstadt-Klub kassierte beim Einstand des neuen Schalker Trainers seine mittlerweile 20. Niederlage in Gelsenkirchen. In der mit 61.973 Zuschauern ausverkauften Arena unterlag Hertha beim Champions-League-Teilnehmer mit 0:2 (0:1).

Die Berliner unterstrichen damit ihre Auswärtsschwäche. Nach vier Partien in der Fremde steht bei Hertha nur ein Punkt zu Buche. Di Matteo sagte: „Das war kein superspektakuläres Spiel. Hertha hat eine sehr gute Spielweise, die uns Probleme gemacht hat. Wichtig war, dass wir drei Punkte geholt haben.“ Luhukay sagte: „Schalke hat verdient gewonnen, sie haben aus wenig viel gemacht. Wir haben aus unserem Vielen kaum etwas gemacht.“

Nachdem in den Minuten vor dem Anpfiff ausschließlich Di Matteo im Mittelpunkt gestanden hatte, übernahmen im Spiel die Gäste die Initiative. Hertha, erstmals ganz in Orange gekleidet, verteidigte weit vor dem eigenen Tor und versuchte den Spielaufbau des Gegners früh zu unterbinden. Das gelang weitgehend ordentlich. Doch die gefährlichen Szenen hatten die Hausherren.

Boateng durfte als Schalkes Spielmacher ran

In Minute acht schickte Schalkes Kevin Boateng, der wieder auf seiner bevorzugten Rolle als Spielmacher ran durfte, Atsuto Uchida auf der rechten Außenbahn. Der Japaner flankte sofort quer durch den Hertha-Strafraum, Klaas Jan Huntelaar schob den Ball aus fünf Metern am linken Pfosten vorbei, Glück für Hertha (8.).

Das war aufgebraucht, als Julian Draxler von der linken Seite einen hohen Ball in den 16er spielte. Huntelaar schob Hertha-Verteidiger John Heitinga kräftig beiseite, der Holländer rutschte aus und konnte Huntelaar nicht mehr am Kopfball hindern – hoch im rechten Eck schlug der Ball ein, 0:1 (19.). Sieht das Schiedsrichter-Gespann die Szene, gibt es Freistoß für die Berliner, so lagen die Gäste jedoch zurück. Huntelaar sagte zu der Szene: „Heitinga wollte Kontakt mit mir, aber ich wollte keinen Kontakt mit ihm. Deshalb habe ich ihn weggeschoben. Die Flanke war super, da habe ich den Ball ins lange Eck geköpft.“

Dabei hatte der Hauptstadt-Klub kurz zuvor die Führung auf dem Fuß. Eine scharfe Eingabe von der linken Seite konnte Torwart Ralf Fährmann nur nach vorne abklatschen. Herthas Peter Pekarik rauschte heran und zog ab, doch der Ball wurde von Roman Neustädter zur Ecke abgelenkt (14.).

Luhukay ärgert sich über Lustenberger

Nach dem Rückstand blieb die Rollenverteilung: Das Auswärtsteam war feldüberlegen. Auf der rechten Seite konnte Roy Beerens sich durchsetzten, auf der linken kurbelten Nico Schulz das Spiel an. Allein im Zentrum vor dem gegnerischen Tor gab es kein Durchkommen. Salomon Kalou und auch Valentin Stocker konnten sich nicht entscheidend durchzusetzen.

Von Schalke war im zweiten Durchgang 20 Minuten nichts zu sehen. Dafür landete aber gleich der erste Schuss im Hertha-Netz. Draxler profitierte davon, dass ein Tackling von Nico Schulz gegen Choupo-Moting in den Beinen des deutschen Nationalspielers landete. Draxler lief zwei, drei Schritte, sein Schuss wurde von Fabian Lustenberger abgefälscht – und flog vorbei an Torwart Thomas Kraft ins rechte Eck, 0:2 (65.). Entnervt streckte der Hertha-Kapitän die Hände in den Abendhimmel. Und wurde gegen John Brooks ausgetauscht (66.). Der Hertha-Trainer war sauer. „Fabian hat um eine Auswechslung gebeten, weil er schlapp war. Er hat die letzten zwei Wochen nicht am Mannschaftstraining teilnehmen können, weil er mit der Schweiz unterwegs war. Dort hat er nicht gespielt. Er hätte besser die Woche bei uns verbringen können, weil wir hart trainiert haben.“

Hertha-Coach kritisiert Nationaltrainer

Damit nicht genug. Ohne den Namen zu nennen, kritisierte der Hertha-Coach den Schweizer Nationaltrainer Vladimir Petkovic. „Wenn man ihn nicht einsetzt, verstehe ich nicht, warum so ein Spieler eingeladen wird“, so Luhukay. „Ein 100 Prozent fitter Fabian Lustenberger lässt das 0:2 nicht zu.“

Trotz des Rückstandes gab Hertha nicht auf. Doch Schalke-Torsteher Fährmann boxte einen gefährlichen Beerens-Schuss über die Latte (76.).

Herthas linker Verteidiger, Nico Schulz, sagte: „Wir haben in der ersten Hälfte ein gutes Spiel gemacht, das Heft in die Hand genommen. Schalke macht mit der ersten Chance die Führung. Dann war es schwer. Wenn du vorn das Tor nicht machst, kannst du halt nicht gewinnen.“

Hertha rutschte nach der vierten Saisonniederlage auf Rang 13 ab, nächster Gegner im Olympiastadion ist am kommenden Sonnabend der HSV.