Erste Liga

Hertha hat den finalen Schritt in der Bundesliga vor Augen

Aufsteiger Hertha kann gegen Hannover den vorzeitigen Klassenerhalt perfekt machen. Dazu muss aber die temporäre Heimschwäche überwunden werden. Zudem hat Trainer Jos Luhukay einen Ausfall zu beklagen.

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Vielleicht war es die fehlende „Strebigkeit“, die zuletzt verantwortlich dafür war, dass Hertha drei Spiele in Folge zu Hause nicht mehr gewinnen konnte, sagt Sebastian Langkamp. „Strebigkeit“ ist eine Vokabel, die Langkamps Trainer Jos Luhukay in niederländerischer Abwandlung des Wortes Zielstrebigkeit gern verwendet, wenn er „den letzten Biss“ meint.

„Strebigkeit“ sagt nun auch Langkamp, der Berliner Innenverteidiger, was ja letztlich dafür spricht, dass ihm Luhukays Ausführungen nachhaltig im Gedächtnis geblieben sind.

„Das ist wie ein Ohrwurm für mich“, sagt der 26-Jährige und grinst. Irgendwo da im Ohr des Abwehrspielers verweilen aber auch noch die Pfiffe, die nach dem bisher letzten Auftritt der Blau-Weißen im Olympiastadion – beim 0:0 gegen Freiburg – erstmals in dieser Saison den Unmut der eigenen Zuschauer ausdrückten. Langkamp sagt, er könne das verstehen: „Wir wollen unseren Fans natürlich etwas bieten. Das ist uns in der Hinrunde gelungen, und deswegen sind sie in Anführungsstrichen vielleicht auch ein bisschen verwöhnt.“

Ein Blick in die Statistik

Langkamp und seine Kollegen haben sich vorgenommen, die Erwartungen der eigenen Anhängerschaft am Sonnabend mal wieder zu erfüllen. Dann wird Hannover 96 im Olympiastadion gastieren (15.30 Uhr), das auswärtsschwächste Team der Liga. Ein Sieg würde das Gerede von der Heimschwäche und der Auswärtsstärke vorerst beenden – Hertha ist das drittbeste Auswärtsteam der Bundesliga, in der Heimtabelle stehen die Berliner dagegen auf Platz elf.

Die ersehnten drei Punkte hätten zudem einen noch viel größeren Wert: Gewinnt Hertha gegen die Niedersachsen und holt die Punkte 37, 38 und 39, dann ist das Saisonziel bereits am 25. Spieltag erreicht: der Klassenerhalt. Seit der Einführung der Drei-Punkte-Regel zur Spielzeit 95/96 ist nie ein Team abgestiegen, das 39 oder mehr Zähler hatte.

Den Karlsruher SC erwischte es 97/98 mit 38 Punkten. Allerdings nur, weil Borussia Mönchengladbach mit ebenfalls 38 Zählern die bessere Tordifferenz besaß. Langkamp hat ebenso errechnet, welche Chance sich für Hertha bietet: „Das muss unser nächster Schritt sein. Im Heimspiel den Klassenerhalt perfekt zu machen, ist ein riesengroßer Ansporn.“

Marcel Ndjeng fällt aus

Dass Hertha den finalen Schritt schon neun Spieltage vor Schluss machen kann, habe er nicht erwartet, als er im Sommer aus Augsburg kam, sagt Langkamp. „Wenn wir das jetzt schaffen, könnte sich die Mannschaft auch mal zusammensetzen und sagen: Das haben wir. Geht vielleicht noch mehr?“ Ein neues Saisonziel wäre denkbar.

Jos Luhukay hat stets versucht, alle Wünsche nach mehr als dem Klassenerhalt zu ignorieren, ohne dabei den Eindruck zu erwecken, die Qualifikation für die Europa League für unmöglich zu halten. „Wir müssen nicht nach unten schauen und sollten nicht nach oben schauen“, sagt der Niederländer.

Gegen Hannover muss Luhukay seine Mannschaft umbauen: Mittelfeldspieler Marcel Ndjeng laboriert an einer Wadenverhärtung und fällt gegen 96 aus. Damit dürften die Chancen für Ronny steigen, erstmals seit vier Spielen wieder in der Startelf zu stehen. Langkamp ist ohnehin gesetzt, was jedoch nicht bedeutet, dass Luhukay zufrieden mit ihm ist.

Luhukay wünscht sich ein Tor von Langkamp

Zufrieden wäre der Trainer erst, wenn Langkamp, den er bereits beim FC Augsburg im Team hatte, endlich sein erstes Tor für Hertha erzielen würde. „Ich bin mit ihm in einer kleinen Konklave“, sagt Luhukay.

Es könne ja nicht sein, dass sich Langkamp nur aufs Tore-Verhindern konzentriere. Schließlich hatte er unter Luhukay in Augsburg 2011/12 vier Treffer erzielt. „Da habe ich wohl eine Erwartung beim Trainer geweckt“, sagt Langkamp. Zuletzt hatte ihn Luhukay im Training aufgezogen, wenn er wieder mal das Tor verfehlte. „Jetzt muss einfach mal wieder so ein Ding rein“, sagt Langkamp.

Gelingt ihm das, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Hertha diese erste Saison nach dem Wiederaufstieg schon nach 25 Partien als sehr gelungen bezeichnen kann.