Das Geklopfte brachte ihn nicht aus der Ruhe. Fabian Holland stand ruhig, sprach ruhig und sah ziemlich ruhig aus, als er über seine unverhoffte Rückkehr in Herthas Anfangself gegen Mainz parlierte. Der kleine Bus, der gerade hinter ihm vorbeifuhr, hatte eine Hand voll Viertklässler an Bord, und die hämmerten nun an die Fensterscheiben, als sie Holland erblickten.

Vielleicht dachte Herthas Linksverteidiger, dass er gar nicht gemeint war. Und vielleicht hatten die Bengel den 23-Jährigen in seinem blauen Hertha-Trainingsanzug auch tatsächlich verwechselt. Denn allzu oft sahen sie ihn in der letzten Zeit schließlich nicht auf dem Spielfeld.

Erstmals seit dem 2. Spieltag hatte der Berliner Cheftrainer Jos Luhukay den Linksfuß gegen Mainz in die Startelf gestellt. Nicht einmal er selbst hatte damit gerechnet: „Ich war schon ziemlich überrascht, als die Aufstellung an der Tafel stand“, sagte Holland. Seit dem 4. Spieltag stand er kein einziges Mal überhaupt im Kader und musste zumeist im Regionalligateam der Berliner aushelfen.

Angebote in der Winterpause abgelehnt

Mit der Zweitligasaison zuvor hatte der Aufstieg des Abwehrmanns aus der eigenen Jugend begonnen, der Abstieg sich allerdings bald auch angekündigt. Fast die komplette Hinrunde setzte Luhukay auf Holland hinten links.

Und weil das ja genau das ist, was die Blau-Weißen sich als Philosophie erdacht haben – Spieler aus dem eigenen Nachwuchs bei den Profis zu etablieren –, wurde Hollands Vertrag vorzeitig bis 2016 verlängert. Die Rückrunde schaute sich Holland dann aber zumeist von draußen an. Weil sich das auch in der Bundesliga nicht änderte, spielte er mit dem Gedanken, eines der Angebote aus Braunschweig oder Cottbus in der Winterpause anzunehmen.

Herthas Manager Michael Preetz untersagte den Wechsel und sieht sich nach Hollands guter Leistung gegen Mainz nun bestätigt: „Fabian hat das richtig erwachsen gespielt. Er ist hingegangen und hat nicht zurückgezogen“, sagte Preetz.

Luhukay lobt den Linksfuß

Auch Luhukay war zufrieden – mit dem Gesehenen links in der Viererlette und mit der Art und Weise, wie Holland in den vergangenen Monaten mit seiner Nichtbeachtung umging: „Die Leistung freut mich für den Jungen, weil er einen unglaublich guten Charakter hat“, sagte er.

Gut gefallen werden Luhukay auch Sätze wie dieser von Holland: „Für diese Momente trainiere ich Woche für Woche hart, um dann, wenn ich gebraucht werde, auf den Punkt fit zu sein.“

Es ist eher unwahrscheinlich, dass Holland in dieser Saison noch sehr oft gebraucht wird. Sein Weg von der Tribüne in die Startelf wird aller Voraussicht nach wieder zurück auf die Tribüne führen. Mit Johannes van den Bergh und Peter Pekarik, der als Rechtsverteidiger mehrfach nach links versetzt wurde, hat Holland mächtig Konkurrenz.

Signalwirkung an das Team

Doch seine Berücksichtigung gegen Mainz habe für Holland dennoch eine Signalwirkung – ebenso wie für das gesamte Team –, findet Preetz: „Der Trainer macht immer wieder Gebrauch von der Tiefe des Kaders“, sagte Preetz.

„Die Aufstellung Fabians ist nicht nur ein Signal an den Jungen, sondern auch an die anderen, die im Moment hinten dran sind.“ Luhukay sei jemand, der gute Trainingsleistungen belohne und den Spielern immer neue Chancen gewähre.

Sechs Monate, 21 Spiele, musste Fabian Holland auf seine neue Chance warten. „Ich hoffe, dass es nicht wieder 21 Spiele dauert, bis ich das nächste Mal dabei bin“, sagte er. Er stand ruhig, sprach ruhig und sah ziemlich ruhig aus.