Vertragsverlängerung

Nationalelf-Nominierung steigert Wert von Herthas Lasogga

Noch ist unklar, ob der an den HSV ausgeliehene Stürmer seinen Vertrag in Berlin verlängern will. Sollte er ablehnen, könnte Hertha BSC immerhin von seiner Berufung ins DFB-Team profitieren.

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Als am Donnerstag der Anruf von Joachim Löw kam, musste Pierre-Michel Lasogga erst einmal schlucken. Der Bundestrainer persönlich wollte dem überraschten 22-Jährigen mitteilen, dass er ihn für das Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft am kommenden Mittwoch gegen Chile in Stuttgart nominiert hat. „Ich kannte die Nummer überhaupt nicht“, gestand Lasogga in einem Interview mit dem „Hamburger Abendblatt“ später.

Erstmals überhaupt wird der Stürmer, der von Hertha BSC bis Saisonende zum Hamburger SV ausgeliehen ist, bei der A-Mannschaft der DFB-Auswahl dabei sein. „Es ist sehr schön, für die Nationalmannschaft nominiert zu werden. Es freut mich riesig, dass ich dabei sein darf“, sagte Lasogga am Freitag. Ein Traum sei für ihn wahr geworden. Neben Lasogga nominierte Löw auch überraschend den Defensivallrounder Matthias Ginter, 20, vom SC Freiburg, Shkodran Mustafi, 21, der bei Sampdoria Genua in der italienischen Serie A verteidigt, und Offensivakteur André Hahn, 23, vom FC Augsburg.

Eine „Alternative für den Ernstfall“

Löw begründete die erstmalige Berufung des Quartetts so: „Viele Spieler, darunter auch Leistungsträger, sind noch angeschlagen und verletzt oder gerade erst zurückgekommen und noch nicht wieder im Rhythmus. Wir haben jetzt die Möglichkeit, zu agieren und an Lösungen und Alternativen für den Ernstfall zu arbeiten“, sagte der 54-Jährige. „Daher haben wir uns entschieden, neue Gesichter zu uns zu holen, die in den vergangenen Wochen und Monaten in ihren Vereinen konstant gute Leistungen gezeigt haben.“ Lasogga habe seine Nominierung ebenso wie die anderen drei Neulinge „absolut verdient“, so Löw.

Lasogga, der zuvor elf Mal für die deutsche U21-Auswahl auflief (vier Tore), ist gegen Chile neben Miroslav Klose (Lazio Rom) der zweite Stürmer im Kader der Nationalelf. Denn Löw verzichtete nicht nur auf den gerade wiedergenesenen Mario Gomez (AC Florenz), sondern auch auf Max Kruse, der bei Mönchengladbach in einem Formtief steckt.

Lasogga dagegen ist derzeit in bestechender Form: Ende August verlieh ihn Hertha ohne Kaufoption an den HSV, weil ihm hinter Adrian Ramos im Ein-Stürmer-System von Trainer Jos Luhukay die Bank drohte. Seitdem erzielte der wuchtige Angreifer in 18 Partien (16 Liga-, zwei Pokalspiele) beachtliche zwölf Tore. Zuletzt war er maßgeblich mit einem Treffer und einer Vorlage am überraschenden 3:0 gegen Dortmund beteiligt.

Auf den Spuren von Arne Friedrich

Mit seinem A-Länderspiel-Debüt gegen Chile wäre Lasogga Herthas 28. deutscher Nationalspieler und der allererste, seit Arne Friedrich Berlin 2010 Richtung Wolfsburg verlassen hat. Ausgeschlossen zumindest ist nicht, dass Lasogga auch in Friedrichs Fußstapfen als WM-Fahrer treten könnte, wenn Löw am 2. Juni den endgültigen Kader für die Endrunde in Brasilien benennt. Das Chile-Spiel ist der letzte Test vor der Benennung des vorläufigen Kaders Anfang Mai.

„Wir freuen uns, dass Pierre-Michel Lasogga für das DFB-Team nominiert worden ist“, sagte Herthas Manager Michael Preetz am Freitag. „Diese Nominierung hat er sich aufgrund seiner konstant guten Leistungen in dieser Saison verdient. Angesichts der momentanen Situation im deutschen Sturm hat Pierre berechtigte Hoffnungen, mit nach Brasilien zu fahren und als WM-Teilnehmer im Sommer nach Berlin zurückzukehren.“

Lasoggas Vertrag bei Hertha läuft nur noch bis 2015. Preetz will mit ihm verlängern. Das Angebot liegt seit Wochen vor. Eine Frist, bis wann sich der Stürmer entscheiden muss, gibt es nicht. Aber selbst wenn Lasogga Hertha verlassen will: Die Nominierung ins DFB-Team macht ihn teuer für Interessenten.