Bundesliga

Hertha BSC mit Turbulenzen nach der Niederlage in Frankfurt

Nach der unglücklichen Pleite zum Auftakt der Rückrunde bei Eintracht Frankfurt wollen die Berliner keine Selbstzweifel aufkommen lassen. Torjäger Adrian Ramos aber muss vorerst pausieren.

Foto: Dennis Grombkowski / Bongarts/Getty Images

Der Sonntagvormittag begann für die Profis von Hertha BSC ebenso unerfreulich wie der Vorabend geendet hatte. Da hatte das Team von Trainer Jos Luhukay nach der 0:1-Niederlage bei Eintracht Frankfurt zwei Stunden lang auf dem Autobahn-Ring im Stau festgesteckt. Nun, 13 Stunden später, mussten die Berliner auf dem Frankfurter Flughafen 45 Minuten ausharren, weil sich die Maschine verspätet hatte.

Und als wäre das noch nicht genug der Unannehmlichkeiten, schüttelten auch noch ein paar unschöne Turbulenzen die Mannschaft während des Rückfluges durch, dass die Laune endgültig im Keller war.

Als sein Team am Sonntagmittag dann endlich zum obligatorischen Auslaufen auf dem Schenckendorffplatz ankam, versuchte Luhukay den Eindruck zu vermeiden, dass auch die unglückliche Pleite gegen die abstiegsbedrohten Hessen zum Start der Rückrunde für größere Erschütterungen bei den Blau-Weißen sorgen könnte: „Es war eine bittere Niederlage, denn sie war eigentlich vermeidbar“, sagte der Niederländer und fügte sogleich an: „Verunsichern wird uns das aber nicht.“

Slapstick und Fehlendscheidung

In der Tat hatte Luhukay ja einige gute Argumente auf seiner Seite, warum die erste Niederlage nach drei Siegen in Folge vor der Winterpause ohne Anflüge von Selbstzweifeln zu verkraften ist. Schließlich stehen die zuvor eingesammelten 28 Punkte immer noch beruhigend schüttelfest auf dem Konto des Aufsteigers.

Und dann hatte die Partie selbst ja einen Verlauf genommen, der letztlich nur unter der Slogan „Wenn du kein Glück hast, kommt auch noch Pech dazu“ abzuheften war. Erst hatte der Norweger Per Skjelbred in Slapstick-Manier über das Spielgerät getreten und so dafür gesorgt, dass die bis dahin deutlich dominanteren Berliner durch das Tor von Alexander Meyer 0:1 in Rückstand gerieten (36. Minute).

Skjelbred war übrigens auch am Tag danach noch untröstlich: „Die Szene war die ganze Nacht in meinem Kopf“, sagte der Mittelfeldspieler. „Aber das ist passiert, und ich muss jetzt versuchen, das wieder zu vergessen.“

Die Durchschlagskraft fehlt

Schließlich verweigerte Schiedsrichter Dr. Jochen Drees den Herthanern auch noch einen klaren Elfmeter, als Frankfurts Carlos Zambrano im Strafraum gegen Adrian Ramos rüpelhaft mit dem Ellenbogen zu Werke ging. Für Luhukay war dies „eine spielentscheidende Szene, denn wir hätten nicht nur die Chance zum Ausgleich bekommen, sondern auch in Überzahl weiterspielen müssen, weil Zambrano mit Gelb-Rot vom Platz gehört hätte“.

Dass Armin Veh, Frankfurts Chefcoach, nach Spielende die Formulierung „schmutziger Sieg“ wählte, ist auch in diesem Zusammenhang zu verstehen.

Doch so ungerecht der Fußball auch so manches Mal sein mag, oft steckt ja dann doch ein bisschen tiefere Wahrheit darin. Denn die Berliner verloren nicht nur, weil sie sich ein Mal den Ball quasi selbst ins eigene Tor geschossen hatten und ein anderes Mal krass benachteiligt wurden.

Sie verloren auch, weil ihnen nicht gelang, was noch in der Hinrunde meist vorzüglich klappte: sich vielversprechende Torgelegenheiten herauszuspielen. Viel zu wenig Gefahr ging von den Flügeln aus. Kaum einmal bekam der bemühte Ramos in der Sturmspitze verwertbare Anspiele. Und wenn doch einmal die Gelegenheit günstig zu sein schien, wurde sie durch Ungenauigkeit im finalen Zuspiel wieder verscheucht.

„Wir hatten nicht die letzte Entschlossenheit“, gab Luhukay zu. Aber es sei für seine Mannschaft eben keine Selbstverständlichkeit, sich in jeder Partie unzählige Chancen herauszuspielen. „Das hängt auch von der Tagesform ab“, sagte der Niederländer, dem es sichtlich stank, sich rechtfertigen zu müssen.

Trainer Luhukay bleibt zuversichtlich

„Wir sollten jetzt nicht alles infrage stellen, denn dafür haben die Jungs schon zu viel geleistet“, so Luhukay. Zu den Ungerechtigkeiten des Fußballs gehört nämlich auch das rasche Mitwachsen der Erwartungen, wenn diese zuvor schon einmal übertroffen wurden.

Luhukay erinnerte deshalb daran: „Wir sind Hertha. Für uns ist es normal, dass wir uns auch einmal nicht durchsetzen können. Mal gelingt es uns, mal nicht. Deswegen müssen wir jetzt nicht negativ denken und an uns zweifeln.“

Die Niederlage gegen Frankfurt zum Auftakt der Rückrunde ist trotz der berechtigten Feststellung spielerischer Ideenlosigkeit in jenen 90 Minuten nicht als Turbulenz zu verstehen, die gleich unweigerlich zum Sinkflug führt. Sie ist vielmehr eine Turbulenz, die den eingeschlagenen Kurs vorerst nicht beeinträchtigen wird.

Ramos erleidet Fleischwunde

„In unserer Situation“, sagte Mittelfeldspieler Peter Niemeyer und meinte damit die 28 erspielten Punkte, „ist die Niederlage zu verkraften“. Zwar sei gegen Frankfurt mehr drin gewesen, „aber wir können nicht davon ausgehen, dass wir plötzlich jedes Spiel gewinnen.“

Echte Turbulenzen, die bei Luhukay ein flaues Gefühl in der Magengegend hervorrufen dürften, würden erst dann auftreten, wenn Adrian Ramos länger ausfallen sollte als die erwarteten drei bis vier Tage. Der Stürmer hatte sich gegen Frankfurt eine fünf Zentimeter lange Fleischwunde am Knie zugezogen, die während des Spiels getackert werden musste. Am Sonntag wurde sie genäht. Ramos’ Ausfall gegen Nürnberg in sieben Tagen wäre kaum zu kompensieren.