Bundesliga

Hertha verliert unglücklich 0:1 zum Start in die Rückrunde

Durch einen Patzer von Per Skjelbred unterlag Hertha im ersten Spiel der Rückrunde bei Eintracht Frankfurt mit 0:1. Für Aufregung sorgte ein nicht gegebener Elfmeter gegen Stürmer Adrian Ramos.

Foto: Daniel Reinhardt / dpa

Details, hatte Jos Luhukay in den vergangenen Wochen immer wieder gesagt. Es werde auf Details ankommen, ob Hertha erfolgreich in die Bundesliga-Rückrunde startet oder eben nicht. Der Cheftrainer der Berliner sollte recht behalten.

Hertha verlor am Sonnabend die Auftakt-Partie zur Rückserie bei der abstiegsbedrohten Eintracht Frankfurt mit 0:1 (0:1), weil das Luhukays Team in einem einzigen Moment unachtsam war. Durch ein Tor von Alexander Meier (36. Minute) musste die Luhukay-Elf nach vier Spielen ohne Niederlage und drei Siegen in Folge erstmals wieder eine Pleite einstecken. Frankfurt gelang damit die Revanche für die 1:6-Hinspiel-Pleite und der 400. Bundesliga-Heimsieg der Vereinsgeschichte.

Das Spiel begann mit einer Schrecksekunde: Herthas Stürmer Adrian Ramos blieb nach einem Zweikampf mit Frankfurts Constant Djakpa im Rasen hängen und krümmte sich am Boden. Der Kolumbianer, der zuvor elf Mal für die Berliner in dieser Saison getroffen hatte, musste am Knie behandelt werden, konnte aber weiterspielen.

Peter Niemeyer ersetzt Tolga Cigerci

Bis auf Tolga Cigerci konnte Luhukay auf seine Stammelf der Hinrunde zurückgreifen. Den Deutsch-Türken im zentralen, defensiven Mittelfeld ersetzte Peter Niemeyer, der in der Vorbereitung auf die Rückrunde einen starken Eindruck hinterlassen hatte. Damit kam der Kapitän der Vorsaison zu seinem Startelfdebüt in dieser Spielzeit.

Hertha begann ballsicher und angriffslustig. Frankfurt wirkte von Beginn an nervös und leistete sich zahlreiche Fehlpässe im Spielaufbau. Nach 13 Minuten fing Per Skjelbred eines dieser verirrten Zuspiele ab, lupfte den Ball in den Strafraum der Frankfurter, aber Sami Allagui kam nur noch mit der Fußspitze dran. Vorbei. Keine zwei Minuten später tauchte Allagui, der im Hinspiel noch zwei Mal getroffen und einen Treffer vorbereitet hatte, vor dem Eintracht-Tor auf, sein Flachschuss aber strich knapp am Pfosten vorbei.

Mit Zambrano wird es ruppig

Kurz wurde es ruppig, als erst Frankfurts Abwehrchef Carlos Zambrona Herthas Hajime Hosogai umtrat und dafür von Schiedsrichter Dr. Jochen Drees die Gelbe Karte sah (21.). Ramos zeigte Zambrano wenig später, dass so etwas wehtun kann, als er an der Seitenlinie den Fuß drüber hielt und auch Gelb sah (27.).

Es war der Berliner Bundesliga-Aufsteiger, der hier im ersten Durchgang dominierte, ohne sich allerdings viele Chancen herausspielen zu können. Frankfurt, der Europa-League-Teilnehmer, dem vor eigenem Publikum in dieser Saison zuvor noch kein einziger Sieg gelang, wirkte gehemmt.

Skjelbreds Fehler lässt Frankfurt jubeln

Dass die Hessen plötzlich trotzdem führten, hatten sie maßgeblich einem kapitalen Fehler der Berliner zu verdanken: Skjelbred schlug nach einem Missverständnis mit Sebastian Langkamp kurz hinter der Mittellinie an einem hohen Ball vorbei, die weit aufgerückte Hertha-Abwehr war plötzlich entblößt, und Alexander Meier hatte keine Mühe, allein gegen Kraft zum 0:1 einzuschießen (36.). Es war der neunte Saisontreffer des Frankfurter Publikumslieblings und einer, der den Spielverlauf verhöhnte. Kopfschüttelnd stapften die Hertha-Elf in die Halbzeitpause. „Das war mein Fehler. Schade, dass wir durch so ein Scheißtor verlieren“, nahm Skjelbred die Schuld auf sich.

So wie der erste Durchgang endete, begann der zweite: mit einem Aussetzer der Herthaner. Kapitän Fabian Lustenberger ließ einen Pass hinter dem Rücken durchlaufen, Frankfurts Takashi Inui nahm ihn auf und war plötzlich durch, doch der gute Sebastian Langkamp fing den Japaner noch ab. Luhukay hatte genug gesehen: Er nahm den schwachen Nico Schulz vom Feld und schickte den Brasilianer Ronny in die Partie (55.). Das hatte eine Systemänderung zur Folge: Statt 4-1-4-1 ging es nun in der 4-2-3-1-Formation mit Ronny auf der Zehner-Position weiter.

Aufregung im Strafraum nach Zambranos Attacke

Für Aufregung sorgte immer wieder Zambrano mit seiner grenzwertigen Zweikampfführung. Auch in der zweiten Hälfte, als er Ramos im Strafraum mit der Hand im Gesicht traf. Schiedsrichter Jochen Drees entschied allerdings nicht auf Elfmeter. „Ich glaube, dass ich meine Ellenbogen nur gegen seinen Hals geschoben habe, um ihn abzuwehren“, sagte Zambrano. Auch das wäre strafstoßwürdig gewesen. „Zu diesem Spieler muss man nichts mehr sagen“, sagte Verteidiger Langkamp wütend, „jeder weiß, dass er zu solchen Mitteln greift.“

Jos Luhukay konnte die Entscheidung des Referees nicht nachvollziehen: „Das geht gar nicht. Erst schlägt Zambrano mit der linken Hand und dann auch noch mit der rechten. Das war ein hundertprozentiger Elfmeter. Das hätte man sehen müssen.“ Die Niederlage wollte der Trainer aber nicht an der Entscheidung festmachen. „Manchmal gewinnt man dadurch. Heute haben wir verloren. Wir versuchen, das nächste Woche wieder geradezuziehen.“