Fußball

Herthas Dirigent Peter Niemeyer zeigt wieder seine Stärke

Peter Niemeyer hat sich lange gedulden müssen, viel Zeit verbrachte er fernab des Spielfelds. Gegen den HSV zeigte er Biss und sein Geschick im Koordinieren. Luhukay lobt seine „Winner-Mentalität“.

Foto: Oliver Mehlis / picture alliance / ZB

Er stand keine 60 Sekunden auf dem Platz, da war wieder alles so wie immer. Peter Niemeyer dirigierte die Kollegen, ruderte mit den Armen, sie sollten hinten entschlossener aus der Abwehr rausrücken. Nach dem Abpfiff streckte er beide Hände in die Höhe: Sieg. Und Niemeyer genoss es, ein Teil des Ganzen zu sein. „Es ist ein tolles Gefühl, dass ich meinen Teil zum Erfolg beitragen konnte“, sagte Niemeyer nach dem 1:0 gegen den Hamburger SV.

Niemeyer hat harte Wochen hinter sich. Es dauerte bis zum dritten Spieltag der Bundesliga-Saison, ehe der defensive Mittelfeldspieler erstmals zum Einsatz kam. Trainer Jos Luhukay hatte entschieden, dass Niemeyer, Kapitän und Leistungsträger der Vorsaison, seine Kapitänsbinde an Fabian Lustenberger abtreten musste. Der Schweizer übernahm nicht nur das Amt, sondern auch die Position von Niemeyer.

„Die Mannschaft hat ihn gebraucht“

Sowohl beim Pokalspiel in Neumünster (3:2 n.V.) musste Niemeyer den Leitwolf im Wartestand geben wie auch in den ersten beiden Liga-Partien. Doch gestern hatte Trainer Jos Luhukay nach 10, 15 Minuten genug gesehen. Er schickte Niemeyer zum Warmlaufen und wechselte ihn nach 23 Minuten für John Brooks ein. Der Innenverteidiger sei nicht gut ins Spiel gekommen, auch taktisch habe es ihm nicht gefallen, begründete Luhukay seinen Wechsel.

„Peter hat eine schwierige Zeit hinter sich, er musste sich gedulden. Aber gegen den HSV hat die Mannschaft Peter gebraucht, mit seiner Einstellung, seiner Zweikampfstärke und seiner Winner-Mentalität“, sagte Luhukay.

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Niemeyer war sofort in der Partie. Seine Zweikampf-Quote mit 47 Prozent gewonnenen Duellen war normal. Wichtiger war seine Laufbereitschaft. Obwohl er „nur“ 67 Minuten auf dem Platz stand, rannte Niemeyer 9,2 Kilometer, brachte 71 Prozent seiner Pässe zum Mitspieler. Luhukay war zufrieden: „Peter hat das sehr gut gemacht.“ Zumal ihm die Einwechselung von Niemeyer erlaubte, Lustenberger auf eine Innenverteidiger-Position zurückzuziehen. „Fabian ist besser darin, nach vorne durchzuschieben und Rafael van der Vaart zu attackieren.“

Zuhause ungeschlagen

Vom HSV-Star war außer seinen gefährlichen Standards nicht viel zu sehen. Einfach, weil er keinen Platz fand, um sich zu entfalten. Ob Niemeyer oder Hosogai oder eben Lustenberger, ständig machte ein Herthaner dem HSV-Kapitän das Leben schwer.

Von Lob wollte Niemeyer danach nichts wissen. „Ich habe meine Job gemacht. Wir sind zu Hause ungeschlagen und ich freue mich über die sieben Punkte, die wir jetzt sicher haben.“

So zurückhaltend er sich nach der Begegnung vor den Medien präsentierte, unter der Woche hat er intern eine seiner großen Qualitäten ausgespielt. Da übernahm der Ex-Kapitän eine wichtige Rolle bei der internen Aussprache mit der gesamten Mannschaft, die Manager Michael Preetz wegen der Turbulenzen kurzfristig anberaumt hatte. Niemeyer gab sich bei der Zusammenkunft sehr kämpferisch und beschwor die Mannschaft ungeachtet aller Schwierigkeiten zusammenzustehen und als Einheit aufzutreten. Gestern gegen den Hamburger SV ging Niemeyer selbst mit gutem Beispiel voran.