Bundesliga

Geduld soll sich für Herthas Rückkehrer Ndjeng auszahlen

Nach acht Wochen Verletzungspause kehrt Marcel Ndjeng ins Mannschaftstraining zurück. Im Interview spricht der Berliner Allrounder über seine Leidenszeit und verrät, was er besonders vermisst hat.

Foto: Foto RAUCHENSTEINER / picture alliance / Augenklick/Ra

Beim 6:1 gegen Frankfurt am ersten Spieltag stand Marcel Ndjeng noch in Herthas Startelf. Doch dann stoppte den 31 Jahre alten Allrounder ein Knochenmarködem am rechten Fuß. Heute kehrt er ins Mannschaftstraining zurück. Im Interview spricht Ndjeng über den Umgang mit der Verletzung und die Sehnsucht nach dem Ball.

Berliner Morgenpost: Herr Ndjeng, haben Sie während Ihrer Verletzungspause Geduld gelernt? Zuerst hieß es, Sie müssten drei Wochen pausieren. Nun wurden es acht.

Marcel Ndjeng: Das war die erste Diagnose. Noch ohne Bild vom Fuß. Das wurde dann ganz schnell revidiert. Aber natürlich muss man Geduld haben. Der Verein hat mich gut aufgefangen. Vom Zeitraum war das insgesamt keine neue Erfahrung. Aber es war so unüberschaubar, dass es das mental nicht einfach gemacht hat. Wenn man einen Termin hat, ist das klar. Da heißt es: Nach vier Wochen wieder laufen, nach fünf Wochen wieder mit dem Ball und nach sieben Wochen wieder zur Mannschaft. Dann ist es viel einfacher, als wenn es in der sechsten Woche heißt: Wir schauen einmal. Oder nach der siebten Woche: Da müssen wir mal gucken. Das ist nichts Halbes und nichts Ganzes. Dieses Wischiwaschi ist nicht so meine Art.

Wie muss man sich das vorstellen? Liegen Sie auf der Couch und grübeln?

Nein, so darf man sich das nicht ausmalen. Ich war die ganze Zeit in der Reha und hatte eigentlich immer einen langen Tag. So viel Zeit auf der Couch blieb da nicht. Und wenn, dann nur zur Erholung. Richtig gegrübelt habe ich nicht. Ich will einfach topfit zurück kommen und nicht die Mannschaft beim Training mit schlechten Eindrücken herunterziehen. Ich glaube, dass sich meine Geduld auszahlen wird.

Wie schwer fiel es Ihnen, in diesem schnelllebigen Geschäft Profifußball die Geduld zu bewahren? Schließlich konnten Sie sehen, wie Ihr Stammplatz verloren ging?

Natürlich will man schnell auf den Platz und spielen. Aber so lange die Ärzte oder Physiotherapeuten nicht das Okay geben, warte ich. Da bin ich aber kein Einzelfall. Alexander Baumjohann geht es mit seinem Kreuzbandriss doch auch so. Er würde am liebsten sofort auf dem Platz stehen.

Geht man als erfahrener Profi eigentlich leichter mit solchen Verletzungen um, als ein junger Spieler?

Physisch ist es für jüngere Spieler leichter, wieder heranzukommen. Der Körper regeneriert einfach schneller. Mental macht es keinen Unterschied, ob man jung oder alt ist. Da wird jeder nach kurzer Zeit unruhig. Dann juckt es in den Füßen und man möchte einfach nur mit voller Wucht gegen einen Ball treten.

Haben Sie den Kontakt zum Team vermisst?

Ja, in den ersten Wochen ist man erst einmal mit der Reha beschäftigt. Irgendwann freut man sich, zur Mannschaft zurückzukommen. Da gibt es dann ein besseres Gefühl. Ich habe nach dem ersten Tag mit dem Team (leichtes Lauftraining, Anm. d. Redaktion) zu Johannes van den Bergh gesagt, dass es wieder richtig gut tut, dabei zu sein. Ohne die Jungs fehlen mir die Abläufe und auch der selbstverständliche Umgang mit Sprüchen in der Kabine.

Wie bewerten Sie die vergangenen Wochen bei Hertha? Erst wurde der beste Bundesligastart bejubelt, dann von Krise gesprochen und jetzt ist wieder alles gut...

Man muss eben mit allen Einflüssen von außen umgehen können. Egal ob positiv oder negativ. Wenn wir eine gute Phase haben, schreiben und reden die Leute auch positiv über uns. Dann darf man nicht abheben und die Realität aus den Augen verlieren. Und genau so ist es auch umgekehrt. Viele Schulterklopfer machen mich auch nicht nervös, denn ich weiß, wie schnell es gehen kann. Wir sind gerade in einer ordentlichen Position, aber wir sind auch keine Überflieger. Wir arbeiten daran, uns im Mittelfeld zu stabilisieren. Wir dürfen uns nicht solche Gefühlsschwankungen erlauben: Einmal wird von Krise geredet und in der nächsten Woche ist wieder alles gut.

Mit Gladbach, Bayern und Schalke warten nun starke Gegner auf Sie und Ihre Kollegen. Braucht auch Hertha nun Geduld?

Wir dürfen nicht denken, dass wir in den Spielen ruhig verlieren können, weil wir ja von vorneherein keine Chance haben. Denn ich finde gar nicht, dass wir punktemäßig so überragend dastehen. Wir hätten in Nürnberg zwei Punkte mehr holen können. Oder ganz bitter zu Hause die Niederlage gegen Stuttgart. Wir haben mindestens zwei bis drei Punkte liegen gelassen. Deswegen müssen wir daran festhalten, was wir gerade machen. Aber zum Thema Geduld: Wir haben eine vernünftige Position, in der wir arbeiten können, ohne unser Ziel Klassenerhalt aus den Augen zu verlieren.