Bundesliga

Warum Hertha-Coach Luhukay sein Team nicht in der Krise sieht

Mit Mainz 05 empfängt Hertha BSC einen ebenfalls schwächelnden Gegner. Von einem Krisengipfel will Jos Luhukay zwar nichts wissen, nimmt für den Erfolg aber seine Rotation zurück.

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Es gibt Momente, da könnte man vermuten, dass Jos Luhukay am liebsten einfach mit der flachen Hand auf den Tisch schlagen würde, um Themen zu beenden. Etwas mehr die Basta-Mentalität zeigen, die vor Jahren Gerhard Schröder als Kanzler nach Berlin brachte. Doch der Niederländer lässt sich nicht so einfach locken. Auch nicht vor der Partie am Sonnabend gegen Mainz 05 (15 Uhr, Olympiastadion, im Liveblog bei „Immer Hertha“), die als kleiner Krisengipfel für Hertha die englische Woche abschließt. Beide Teams sind in der Liga seit drei Partien sieglos und wurden im DFB-Pokal von Zweitligisten aus dem Wettbewerb geworfen.

Statt mit einem Machtwort das Thema Krise für Hertha abzuschließen, weil es für ihn nicht auf der Tagesordnung steht, begründet Luhukay seinen Standpunkt. Die Geste des Machtworts liegt dem Niederländer nicht. Schon gar nicht in Angelegenheiten, von denen er weiß, dass sie durch seine Worte allein nicht verschwinden werden. Angesichts Tabellenplatz zehn sagt der Trainer: „Ich sehe überhaupt keinen Krisengipfel gegen Mainz. Das ist nicht die Realität. Wenn wir das Pokalspiel weglassen, brauchen wir erst recht nicht von Krise sprechen. Das ist lachhaft.“

Wer wäre hier in der Krise?

Für den Trainer ist die Betrachtungsweise kurzsichtig, nur den mittelmäßigen Auftritt beim 1:1 in Freiburg im letzten Bundesligaspiel und das 1:3 beim Pokal-Aus in Kaiserslautern zu sehen. Diese rationale und kühle Betrachtungsweise hilft dem Niederländer sicher, die teils heftigen medialen Reaktionen nach dem Ausscheiden einzuordnen. Doch die positive Tendenz des Saisonstarts mit dem Weiterkommen in der ersten Pokalrunde, sowie zwei Siegen und einem Unentschieden in der Bundesliga scheint wie weggewischt. Zu frisch und dominant wirken die Erfahrungen von zuletzt vier sieglosen Spielen in Folge.

„Eine Krise ist das erst, wenn wir über Wochen keine Chance haben, Spiele verlieren und dabei deutlich schwächer als der Gegner sind“, will sich der Trainer nicht von der negativen Betrachtungsweise anstecken lassen. Für den Niederländer zählt, dass Hertha in den ersten fünf Ligaspielen dominant auftrat, sich Chancen erarbeitete. Die zuletzt mangelhafte Verwertung der Tormöglichkeiten und auch der in der letzten Saison noch so starken Standards geht wieder, ist sich Luhukay sicher und stellt die provokante Frage: „Wenn wir hier von Krise sprechen, was soll denn dann Mainz sagen?“

Herthas Gegner startete noch besser als die Berliner in die Saison. Die Mannschaft von Thomas Tuchel gewann die ersten drei Ligapartien und stand gleichauf mit Leverkusen, Dortmund und dem FC Bayern. Es folgten vier Niederlagen am Stück. Ebenso wie Hertha verloren auch die Mainzer im Pokal. Tuchel versuchte die Wende herbeizuführen, gab am Dienstag fieberkrank von der Tribüne aus Anweisungen an seinen Co-Trainer Arno Michels. Köln gewann 1:0.

Keine öffentlichen Treueschwüre

Während Luhukay von der Spielweise seines Teams größtenteils überzeugt ist, zog der Mainzer Coach nach dem Pokal-Aus ein schockierendes Fazit: „Wir haben keine klare Linie in allen Bereichen, Defizite in der Körpersprache und im Umgang mit Rückständen. Wir haben Zweikampfwerte, die schmerzen.“ Der abrupte Absturz hinterlässt Verunsicherung, so dass Manager Christian Heidel klarstellen musste: „Das Vertrauen in die handelnden Personen, insbesondere in unseren Trainer und sein Team, ist grenzenlos. Ich bin auch zu hundert Prozent sicher, dass wir wieder in die Spur kommen.“

Von öffentlichen Treueschwüren ist Hertha weit entfernt. Ein Erfolgserlebnis würde aber gegen das brüchige Selbstvertrauen im Verein helfen. Denn weniger Trainer und Mannschaft machen einen besorgten Eindruck als das Umfeld. Den meisten Anhängern stecken die Abstiege in den beiden vergangenen Bundesliga-Spielzeiten noch zu stark in den Knochen, als dass sie eine Phase der Erfolglosigkeit mit Gleichmut ertragen könnten.

Zumal die vergangene Zweitliga-Saison mit nur zwei Niederlagen das emotionale Gegenteil war. „Wir müssen wieder lernen mit Niederlagen und Enttäuschungen umzugehen“, geht Luhukay auf diese Gefühle ein. „Aber das müssen wir wegstecken. Da müssen wir uns alle daran gewöhnen: wir, die Fans und auch die Medien.“

Die Abwehr steht bereits

Für die Partie gegen Mainz nimmt der Trainer die starke Rotation im Team zurück. Die im Pokal noch geschonten Peter Pekarik, Sebastian Langkamp und Johannes van den Bergh sind in der Abwehr mit Fabian Lustenberger gesetzt. Für große Wechsel sieht der Trainer nach der Pokalniederlage keinen Grund: „Es gab wenig Lichtblicke. Und die Spieler, die dafür sorgten stehen auch im Kader oder in der Startelf.“

Mit einem Sieg kann sich Hertha Selbstvertrauen holen vor sehr schweren Wochen. Nach Mainz warten mit Hannover, Mönchengladbach, Bayern und Schalke auf dem Papier sehr schwere Aufgaben auf die Mannschaft. Das Programm macht Luhukay aber keine Angst: „Können wir da nicht gewinnen? Dann hätten wir nicht aufsteigen sollen. Dann wären wir jetzt auf der sicheren Seite und würden weniger Partien verlieren.“ Das war dann doch so etwas wie Basta.