Bundesliga

Hertha BSC stellt beim Liga-Einstand einen Rekord auf

So hatte es sich Aufsteiger Hertha BSC erträumt: Die Mannschaft von Jos Luhukay besiegte zum Bundesliga-Auftakt Eintracht Frankfurt mit 6:1 (2:1). Im DFB-Pokal müssen die Berliner zum 1. FC Kaiserslautern reisen.

Das Olympiastadion war die mit Abstand lauteste Partylocation in Berlin. 54.376 Zuschauer trauten ihren Augen nicht bei der Rückkehr von Hertha BSC in die Fußball-Bundesliga. Mit einem 6:1 (2:1) gegen Eintracht Frankfurt setzte der Aufsteiger ein spektakuläres Ausrufezeichen und übernahm gleich mal die Tabellenführung vor Dortmund, Leverkusen und dem FC Bayern.

Das war der höchste Saison-Auftaktsieg eines Fußball-Bundesligisten seit 39 Jahren. Das 6:1 des Aufsteigers wird in der Liga-Historie nur von einem Spiel übertroffen: Kickers Offenbach besiegte den Meister Bayern München am ersten Spieltag der Spielzeit 1974/75 (24. August) mit 6:0. Aber: Da Offenbach auch 1973/74 schon Bundesligist war, ist das 6:1 der Hertha zugleich der höchste Auftaktsieg eines Aufsteigers in der Bundesliga-Geschichte.

„Nur nach Hause gehen wir nicht“

Inbrünstig sangen die Anhänger das Vereinslied „Nur nach Hause gehen wir nicht“. Und die Mannschaft begann die neue Saison so, wie die alte geendet hatte: mit einer ausführlichen Ehrenrunde. Im Mittelpunkt der Ovationen standen die Torschützen Adrian Ramos, Sami Allagui (beide zwei Treffer), John Brooks und Ronny. „6:1, das ist schon eine krasse Ansage an die Konkurrenz“, sagte Änis Ben-Hatira, „aber wir wissen das einzuordnen. Ab Montag liegt der Fokus auf der Vorbereitung für das Nürnberg-Spiel.“ Gäste-Trainer Armin Veh kam aus dem Kopfschütteln nicht heraus. „Ich kann das noch gar nicht analysieren. Hertha war sehr präzise, fast jeder Ball in die Spitze ist angekommen.“

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Der Nachmittag hatte schon mit einer guten Nachricht begonnen. Manager Michael Preetz berichtete am Stadionmikrofon, dass der Hauptstadt-Klub einen XXL-Vertrag mit Ausrüster Nike abgeschlossen habe. Der ohnehin bis 2015 laufende Kontrakt wurde um zehn Jahre bis 2025 verlängert. Berlin hat Lust auf Bundesliga, das war vom Anpfiff weg zu sehen. Hertha begann mit viel Schwung.

Trainer Jos Luhukay hatte die Aufstellung gegenüber dem Pokalspiel vor einer Woche auf einer Position verändert: Neben Neu-Kapitän Fabian Lustenberger gab im defensiven Mittelfeld Hajime Hosogai seinen Einstand. Der Japaner rechtfertigte das Vertrauen mit einer starken Leistung und räumte später ein: „Ich war selbst überrascht, dass ich in der Startelf stand.“ Dafür saß mit Peer Kluge ein weiterer Aufstiegsheld nach Ronny und Ex-Kapitän Peter Niemeyer zunächst auf der Bank.

Ramos-Tor wie aus dem Lehrbuch

Nach 13 Minuten hatte Hertha seine erste Doppelchance. Einen Freistoß von Änis Ben-Hatira boxte Eintracht-Torwart Kevin Trapp aus dem Eck, den Abpraller jagte Marcel Ndjeng aus 18 Metern auf die Latte des Frankfurter Tores. Zwei Minuten später tanzte Adrian Ramos Gegenspieler Zambrano aus und zog sofort ab – erneut auf die Latte. Im dritten Anlauf belohnten sich die Hausherren für ihren Aufwand. Mit starkem Direktspiel hebelte Hertha den Europa-League-Starter aus.

Nach einem Ballgewinn in der eigenen Hälfte spielte Alexander Baumjohann den Ball sofort steil auf Sami Allagui. Der bediente den mitsprintenden Ben-Hatira auf dem linken Flügel. Der Stürmer hätte nun allein aufs Tor zulaufen können, entschied sich aber für die One-Touch-Variante, legte den Ball quer an Torwart Trapp vorbei auf Ramos, der den Ball per Hechtsprung ins leere Tor bugsierte, 1:0, ein Angriff wie auf der Playstation (18.).

Die Gäste waren beeindruckt. Wenig war zu sehen von den flüssigen Eintracht-Kombinationen der ersten Minuten. Und Hertha setzte nach. Nach einer Ecke der Berliner herrschte Konfusion im Frankfurter Strafraum. Ein Ben-Hatira-Gewaltschuss blieb stecken im Getümmel, im zweiten Anlauf zog John Brooks ab, flach im rechten Eck schlug es ein, 2:0 (31./siehe Extratext rechts).

Die Frankfurter dürfen nur kurz hoffen

Aber die erste Liga ist ein schnelles Geschäft. Der sonnige Nachmittag wich einem heftigen Regenschauer. Hertha leistete sich eine Unaufmerksamkeit im eigenen Strafraum. Ramos versuchte unbedarft zu klären, traf aber den Frankfurter Jan Rosenthal – Elfmeter. Alexander Meier verwandelte kühl, plötzlich stand es nur noch 1:2 (37.).

Eintracht-Trainer Armin Veh war nicht angetan, brachte zur Pause mit Inui und Aigner zwei frische Offensivkräfte. Die Frankfurter waren nun öfter im Vorwärtsgang, optisch überlegen, aber ohne wirklichen Druck aufzubauen.

Der Klassenneuling schaute sich das eine Weile an – und schlug dann eiskalt zu. Alexander Baumjohann hatte im Eintracht-Strafraum erstaunlich viel Zeit, den Ball anzunehmen und zu schauen. Im Rücken der Abwehr hatte sich Allagui davongeschlichen und drückte die Flanke aus drei Metern über die Linie, das 3:1 (58.). Damit baute der Deutsch-Tunesier seine erstaunliche Serie aus: Zum sechsten Mal in Folge traf Allagui in einem Saisoneröffnungsspiel.

Auch Allagui trifft doppelt

Und weil er so in Schwung war, nutzte Allagui die nächste Vorlage von Hosogai. Allein aufs Frankfurter Tor zulaufend schoss Allagui den Ball in weitem Bogen ins rechte Ecke. Die Ostkurve war begeistert und nahm den Klassiker der vergangenen Zweitliga-Saison gleich mit in die Bundesliga: „Spitzenreiter, Spitzenreiter.“ Noch nie hat ein Aufsteiger im ersten Spiel so viele Tore erzielt.

Auch an der Bank gingen die Emotionen hoch. Baumjohann wollte dort eigentlich nur eine Trinkflasche abholen, bekam vom euphorisierten Trainer Luhukay stattdessen einen aufmunternden Klaps verpasst, der in anderen Zusammenhang als Watsch’n durchgegangen wäre.

Feierstimmung im Olympiastadion, längst wurde jeder gewonnene Zweikampf bejubelt. Nun gelang alles. Baumjohann spielte seinen nächsten gefürchteten Steckpass in die Spitze, diesmal ging Ramos auf und davon, schloss aus 16 Metern ab – 5:1. Den Schlusspunkt setzte der eingewechselte Ronny – 6:1 (89.). Trainer Luhukay sagte: „6:1, das ist ein Traum, eigentlich unglaublich.“

Lösbare Pokal-Aufgabe Kaiserslautern

Am späten Abend gabe es eine weitere gute Nachricht für Hertha: Luhukays Team muss in der zweiten Hauptrunde des DFB-Pokals am 24. oder 25. September beim Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern antreten. Ein Hammerlos bei einem Bundesliga-Rivalen blieb den Berlinern also erspart. Die Verantwortlichen reagierten dennoch mit der gebotenen Vorsicht. „Kaiserslautern ist eine Spitzenmannschaft der 2. Liga, spielt zu Hause vor seinem sehr engagierten Publikum - das wird eine richtige Bewährungsprobe“, warnte Hertha-Manager Michael Preetz, „wir haben aber das Ziel, diesmal auch im Pokal für positive Nachrichten zu sorgen.“

Trainer Jos Luhukay ergänzte: „Das ist kein leichtes Los. Kaiserslautern hat ein starkes Team. Wenn wir weiterkommen wollen als in den letzten Jahren, müssen wir diese Hürde nehmen. Nur schade für unsere Fans, ihnen hätte ich ein Heimspiel gegönnt.“