Hertha BSC

Luhukay hofft auf den Angriff der Hertha-Schnäppchen

Per Skelbred und Tolga Cigerci haben zum ersten Mal für ihren neuen Verein Hertha BSC trainiert. Der eine schrieb Autogramme, der andere schleppte Wasserkisten. Gute Laune hatten sie beide.

Foto: Schulz / pa/nordphoto

Der Regen fiel schräg von der Seite, als Per Skjelbred vom Schenckendorffplatz stapfte. Die Trainingsjacke, die sich der Norweger wie einen Schal um den Hals gebunden hatte, war schon durchnässt, und sie sollte sich bald noch viel weniger als Schutz eignen, denn in die Kabine durfte er vorerst nicht. Nach der ersten Einheit mit den neuen Kollegen wurde der 26-Jährige, den Hertha BSC am Montag noch kurz vor Transferschluss als einen von zwei Profis verpflichtet hatte, von einer Traube Kinder in Empfang genommen. Artig schrieb er Autogramme, lächelte, schrieb weiter.

Kinderstar in Norwegen

Für Skjelbred ist das nichts Neues. In Norwegen kannte ihn früher jedes Kind, seit er als Teenager bei der TV-Sendung „Proffdrommen“ (Profitraum) gewann, die ihm ein Probetraining beim englischen Spitzenklub FC Liverpool einbrachte. Das Angebot der Briten über einen Nachwuchsvertrag schlug er aus und blieb lieber in Trondheim. Weil er dort 2004 für den Serienmeister Rosenborg schon mit 16 Jahren in der ersten Liga debütierte, galt der goldblonde Mittelfeldspieler schnell als größtes Talent des Landes. Ein Sunnyboy, dem die Fußballwelt offensteht. Seitdem ist ziemlich viel Zeit vergangen.

„Ich war ein bisschen nervös vor meinem ersten Training mit der Mannschaft“, sagte Skjelbred in einem erstaunlich guten Deutsch. „Jetzt ist es ja vorbei, und ich kann nun meinen Fußball spielen – locker im Kopf.“ Beim Hamburger SV, zu dem er 2011 gewechselt war und der ihn nun im Tausch für Pierre-Michel Lasogga abgegeben hat, durfte er das zuletzt kaum noch tun.

Für Cigerci war es eine leichte Entscheidung

Tolga Cigerci umringten keine Kinder, als er mit einer Kiste Wasser in der Hand vom Trainingsplatz spazierte. Er kennt das auch nicht. Der 21-Jährige war der letzte Profi, den Herthas Manager Michael Preetz kurz vor Ende dieser Sommertransferperiode von einem Wechsel überzeugte. Der VfL Wolfsburg gab den Mittelfeldspieler für eine kleine Leihgebühr ab, als Preetz auf der Suche nach einem kurzfristigen Ersatz für den schwer verletzten Spielmacher Alexander Baumjohann nach Cigerci fragte. Borussia Mönchengladbach, der Klub, an den der Deutsch-Türke zuletzt für anderthalb Jahre ausgeliehen war, hat die Kaufoption ungenutzt verstreichen lassen. Nun darf der ehemalige deutsche U20-Nationalspieler bis Saisonende in Berlin vorspielen.

„Ich musste nicht lange überlegen, als am Sonntagmittag der Anruf von Hertha kam“, erzählte Cigerci nach dem ersten Training, griff sich kurz an den krausen Kinnbart und grinste: „Da habe ich dann sofort zugeschlagen.“ Anders als bei Skjelbred schien bei ihm keine Nervosität vor seinem ersten Auftritt bei Hertha aufgekommen zu sein. Was den Ausschlag gegeben habe, dass er nach Berlin und nicht zum Zweitligaklub Fortuna Düsseldorf gewechselt sei, der auch großes Interesse an ihm hatte: „Hertha! Bundesliga spielen!“ Dann durfte auch er in die Kabine.

Der Trainer lobt beide Spieler als sehr vielseitig

Dass Hertha keine großen Namen im Schlussspurt der Transferperiode verpflichtet hat, zeigt sich auch in der Form der Präsentation beider Neuen: keine Pressekonferenz, keine offizielle Vorstellung. Nur ein kurzes Gespräch zwischen Trainingsplatz und Kabine. Für die größeren Namen fehlt das Geld und vielleicht auch die Notwendigkeit.

Jos Luhukay tropfte der Regen von der Stirn, als er nach dem Training über Cigerci und Skjelbred sprach: „Ich glaube, dass wir uns mit den beiden Jungs gut verstärkt haben“, sagte der Niederländer ernst. Dann stockte er kurz: „Ich hoffe es zumindest.“ Luhukay hat zwei Spieler mit ähnlichen Attributen dazubekommen, die seinen Kader vornehmlich in der Breite bereichern sollen: „Skjelbred ist flexibel einsetzbar. Er kann auf der Sieben im halbrechten Mittelfeld spielen oder auf der Acht. Das Gleiche gilt für Cigerci: Er ist ein kreativer Spieler, der auf verschiedenen Positionen im Mittelfeld seine besten Qualitäten hat“, erklärte der 50-Jährige.

Erster Einsatz am Donnerstag im Test gegen Aue

So sehr sich die Profilbeschreibungen der beiden Zugänge ähneln, so sehr unterscheiden sich aber auch ihre Ziele in Berlin: Während Skjelbred nach zwei Jahren, die er weitgehend in der zweiten Reihe beim HSV fristete (26 Ligaspiele, nur zwei über 90 Minuten), bei Hertha endlich den Status des großen Talents ablegen und ein etablierter Bundesligaspieler werden will, hofft Cigerci überhaupt erst einmal auf den Durchbruch im Profifußball (20 Ligaspiele in drei Jahren, fünf über 90 Minuten).

Für Hertha ist Cigerci eine Wundertüte: In ihm kann viel Erfreuliches stecken, vielleicht aber auch nicht. Preetz ist von Ersterem überzeugt. Auch deshalb hat er sich eine Kaufoption gesichert und sagt: „Tolga ist laufstark und hat eine gute Entwicklung genommen. Er passt zu unserer Philosophie, wir hoffen, dass er bei uns den Sprung zum Bundesligaspieler schafft.“ Am Donnerstag im Testspiel gegen Erzgebirge Aue (17 Uhr, Schenckendorffplatz) sollen Skjelbred und Cigerci erstmals zum Einsatz kommen.