Bundesliga

Herthas Heimserie reißt gegen den VfB Stuttgart

Beim Heimspiel gegen die Schwaben mussten die Herthaner ein 1:0 (0:0) einstecken. Für die Berliner ist es die erste Heimniederlage seit 18 Monaten.

Foto: Bongarts/Getty Images

John Anthony Brooks reckte flehend die Arme zum Himmel und schüttelte verzweifelt den Kopf. Dreimal in kurzen Abständen hatte Herthas junger Innenverteidiger aussichtsreich aufs Tor des VfB Stuttgart geköpft. Dreimal hatte der Schlussmann der Schwaben, Sven Ulreich, glänzend pariert.

Der Ball, er wollte einfach nicht rein an diesem verflixtem Freitag den 13. So stand diese Szene aus der 65. Minute sinnbildlich für eine Partie, in der Hertha BSC den Schwaben überaus unglücklich durch ein Tor von Christian Gentner (49. Minute) mit 0:1 (0:0) unterlag und damit erstmals nach 510 Tagen wieder ein Heimspiel verlor.

„Wir hätten dieses Spiel gewinnen müssen“

„Ich finde, wir hätten dieses Spiel gewinnen müssen. Stuttgart macht ein einfaches Tor, und wir nutzen unsere Chancen nicht“, sagte der enttäuschte Mittelfeldspieler Per Skjelbred nach der Partie.

Ihn hatte Herthas Trainer Jos Luhukay ebenso wie den anderen Last-Minute-Transfers, Tolga Cigerci, von Beginn an aufgeboten und seine Mannschaft im Vergleich zur 0:2-Pleite gegen Wolfsburg vor der Länderspielpause gleich auf vier Positionen umgebaut. Für den nach seiner Muskelverletzung nicht rechtzeitig fit gewordenen Sebastian Langkamp rückte Kapitän Fabian Lustenberger ins Abwehrzentrum.

Der wieder genesene Johannes van den Bergh begann links in der Viererkette. Skjelbred verdrängte Sami Allagui vom rechten Mittelfeld auf die Bank. Für den am Kreuzband operierten Spielgestalter Alexander Baumjohann durfte erstmals in der Saison der Brasilianer Ronny von Beginn an auflaufen. Neben ihm bot Luhukay Cigerci auf und tauschte damit auch sein bisher bevorzugtes 4-2-3-1-System in ein 4-1-4-1 mit Ronny und Cigerci als doppelte „Acht“. Ein Zeichen dafür, das Hertha vor 46.624 Fans im Olympiastadion auf Sieg spielen wollte.

Das machte sich von Beginn an bemerkbar: Vor den Augen von Bundestrainer Joachim Löw begann Hertha druckvoll und angriffslustig. Ronny rückte bei eigenem Ballbesitz nach vorn und bildete mit Adrian Ramos sowie den Flügelspielern Änis Ben-Hatira und Skjelbred einen Vier-Mann-Sturm, während der agile Cigerci dahinter als Ballverteiler agierte.

Wer dominierte, zeigte sich in der Statistik: In den ersten 20 Minuten wiesen die Berliner 78 Prozent Ballbesitz auf. Stuttgart zog sich immer tief in die eigene Hälfte zurück, Hertha aber war beim Abschluss zu unpräzise: Erst drosch Ben-Hatira eine Volleyabnahme aus zwölf Metern direkt auf Ulreich (18.), nur Sekunden später rutschte Ronny der Ball im Strafraum über den Spann und flog Richtung Ostkurve.

Die beste Chance hatte der VfB

Die beste Chance des ersten Durchgangs aber hatte der VfB. Einen Freistoß von Alexandru Maxim köpfte der Kapitän der Schwaben, Christian Gentner, aus fünf Metern Entfernung auf das Tor von Schlussmann Thomas Kraft, der aber mit einer starken Parade den Rückstand verhinderte. Es war die erste Offensivaktion der Schwaben im ersten Durchgang.

Vier Minuten nach Wiederanpfiff kam wieder Gentner zum Kopfball – diesmal ließ er Kraft keine Chance und traf zum 1:0. Fast hätte Hertha im Gegenzug ausgeglichen, als der heraneilende Skjelbred, der ein gutes Debüt für Hertha gab, eine Ramos-Flanke hauchdünn verpasste (50.). Es war der Auftakt eines bisweilen atemberaubenden Berliner Anrennens.

Ramos spielte den Japaner Hajime Hosogai im Strafraum frei, der defensive Mittelfeldspieler blieb aber an Ulreich hängen (59.). Im Minutentakt sah der Keeper nun Berliner Angriffe auf sich zurollen. Eine Direktabnahme von Cigerci strich abgefälscht hauchdünn am Torwinkel vorbei (61.). Als dann Brooks dreimal hintereinander per Kopf an Ulreich scheiterte, schien es wie verhext.

Die allerletzte Chance vergab Peter Pekraik, als er an einer Flanke vorbeitrat (90.+2). Die Zahlen sprachen für Hertha: 19 zu 8 Torschüsse, 61% gewonnene Zweikämpfe. Doch auf der Anzeigentafel leuchete das Resultat: 0:1. Die Fans im Olympiastadion aber feierten trotzdem ihr Team, das an diesem verflixten Tag Lehrgeld zahlen musste.

Ronny sagte: „Die erste Hälfte war gut, wir haben gut gestanden. Dann kam leider das Gegentor. Wir wussten, dass Stuttgart bei Standards stark ist.“

Trainer Jos Luhukay sagte: „Wir waren in allen Bereichen besser als der Gegner, bis auf die Tore. Unser Problem war, dass wir unsere vier, fünf Großchancen nicht genutzt haben. Wir haben uns schwer getan, gegen die massive Stuttgarter Hintermannschaft Lücken zu bekommen.“