Der Mund ist die Wurzel des Unglücks, heißt ein japanisches Sprichwort. Denke nach, bevor du redest. Selbst wenn Hajime Hosogai (27) des Deutschen absolut mächtig wäre, würde der höfliche Japaner von Hertha BSC also wohl kaum auf die Idee kommen, sich öffentlich zu beschweren. „Normal“, sagt Hosogai nur, wenn man ihn auf seine Gefühlslage wegen Japans Testspiel heute gegen Guatemala anspricht.
Während vier Herthaner in der Länderspielpause Pluspunkte für eine Teilnahme an der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien sammeln dürfen, muss Hosogai in Berlin stillhalten. Ganz „normal“ dürfte er das eigentlich nicht finden, denn von seinem Wechsel von Leverkusen nach Berlin hatte Hosogai sich mehr Spielpraxis – und so eine bessere Perspektive für die „Samurai Blue“ erhofft.
Bei Hertha BSC zählt er in dieser Saison zu den Besten. Doch im defensiven Mittelfeld ist unter anderem Japans Kapitän Makoto Hasebe nominiert. Der wechselte kürzlich übrigens von Wolfsburg nach Nürnberg, um im Hinblick auf die WM mehr Einsatzzeit zu bekommen.
Japans Trainer vertraut der Defensive
Auch in der Abwehr, wo Hosogai auf den Außenpositionen einsetzbar wäre, ist alles dicht. Trotz zehn Gegentoren aus den letzten vier Spielen vertraut Trainer Alberto Zaccheroni seiner Defensive. „Selbst wenn ich jeden Verteidiger der Welt aufstellen könnte, würde ich nicht viel ändern“, sagte der Italiener jüngst in Tokio.
Das klingt nicht nach Experimenten. Womöglich auch, weil Japan sich als erste Mannschaft souverän für die Endrunde qualifizierte – und Hosogai dabei nur eine ergänzende Rolle spielte.
„Die Nationalmannschaft ist wichtig“, sagt Hosogai, „aber Hertha ist die Nummer eins. Ich bin Hertha-Spieler.“ In Berlin hatten sie trotzdem auf eine Nominierung spekuliert. „Ich hatte gehofft, dass Nello mehr Einfluss hat“, scherzte Trainer Jos Luhukay hinsichtlich Zaccheronis Entscheidung. Herthas Team-Manager Nello Di Martino ist wie dieser gebürtiger Italiener und hatte die italienische Nationalmannschaft mal beim WM-Finale 2006 in Berlin betreut.
Ramos seit zwei Jahren nicht nominiert
Wie Hosogai muss sich auch Adrian Ramos (27) hinten anstellen. Seit zwei Jahren hat der Kolumbianer nicht mehr für sein Land gespielt – seit der Argentinier José Pekerman im Amt ist. „Es gibt keinen Kontakt“, sagt der Angreifer, der im Sturmzentrum große Konkurrenz hat, darunter Radamel Falcao, der für 60 Millionen Euro nach Moncao wechselte.
„Momentan denke ich nur darüber nach, mit Hertha erfolgreich zu sein. Treffe ich weiter, wird Pekerman sich melden“, ist Ramos überzeugt. Die WM-Teilnahme hat Kolumbien fast schon sicher.
Mehr Punkte mit Pekarik
Über solche Aussichten würde Peter Pekarik (26) sich freuen. Mit der Slowakei tritt er in der Europa-Gruppe G zweimal hintereinander gegen Tabellenführer Bosnien-Herzegowina an. Bei sieben Punkten Rückstand auf Platz eins und vier auf Platz zwei muss ein kleines Wunder her.
Da kommt Pekarik gerade recht. In den ersten drei Qualifikationsspielen holte die Slowakei mit Pekarik aus drei Spielen fünf Punkte. Nachdem er ein Testspiel verletzungsbedingt absagte, meldete sich Trainer Ján Kozák nicht mehr. Ohne ihn gab es für sein Team aus drei Partien nur zwei Zähler.
Afrikanische Hoffnungen
Gut möglich ist, dass die meisten Herthaner in Barsilien für afrikanische Teams spielen. Sami Allagui (27) und Änis Ben-Hatira (25) führen ihre Gruppe mit Tunesien derzeit an. Am Sonnabend geht es gegen den Tabellenzweiten Kap Verde.
Beide waren in der Vergangenheit nicht immer dabei: Allagui verzichtete im Winter auf den Afrika Cup, um sich auf Hertha zu konzentrieren. Ben-Hatira war verletzt. Trotzdem sind die Flügelspieler eine feste Größe im Team des Stuttgarter Kapitäns Karim Haggui.
Das könnte auch Marcel N’djeng (31)schaffen. Kameruns Trainer Volker Finke macht dem Rechtsverteidiger Hoffnungen auf eine Nominierung.
Nur ein deutscher WM-Teilnehmer ist für Hertha BSC vorerst nicht in Sicht. John Brooks (20) steht mit den USA heute vor seinem Pflichtspieldebüt gegen Costa Rica. Läuft er auf, darf er nicht mehr für die DFB-Elf spielen.





