Fußball

Japaner Hosogai will über Hertha BSC zur WM in Brasilien

Er hätte mit Bayer Leverkusen in der Champions League spielen können. Oder mit Eintracht Frankfurt in der Europa League. Aber Hajime Hosogai wählte Hertha. Weil er in Berlin auf einen Stammplatz hofft.

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Die Bühnen, auf denen sich Fußballprofis präsentieren können, sind unterschiedlich groß. Der gerade in Brasilien ausgespielte Confederations-Cup ist eher eine Art Trittbrett zur allergrößten Bühne, der Weltmeisterschaft im kommenden Jahr.

Es könnte sein, dass Hajime Hosogai dieses Zwischenpodest dennoch schon schnell wieder verlassen muss. Der Japaner, den Hertha BSC im Mai für rund eine Million Euro verpflichtet hat, verlor mit seiner Nationalmannschaft am Sonnabend das Eröffnungsspiel gegen den Gastgeber deutlich mit 0:3.

Am Donnerstag wartet im zweiten Gruppenspiel der Vize-Europameister Italien. Bei einer Niederlage wäre Japan vorzeitig ausgeschieden.

Angebot aus Frankfurt abgelehnt

Die prachtvollste Bühne, die WM 2014, aber bleibt Hosogais großer Traum. Um sich diesen zu erfüllen, hat der 27-Jährige auf eine andere Bühne verzichtet: „Ich habe ein Angebot von Eintracht Frankfurt abgelehnt, um zu Hertha zu kommen“, erzählt der Defensivallrounder fast beiläufig nach der Partie in Brasilia. Die Bühne, welche die Frankfurter geboten hatten, hieß Europa League. Als Tabellensechster hat sich die Eintracht für den internationalen Wettbewerb qualifiziert.

Doch Hosogai entschied sich für den Bundesligaaufsteiger aus Berlin und damit nicht nur gegen Frankfurt, sondern auch gegen die Chance, bei Bayer Leverkusen, wo er zuletzt unter Vertrag stand, Champions League zu spielen. In Leverkusen kam der Japaner nicht mehr über die Rolle des Ergänzungsspielers hinaus. In Frankfurt hätte er nicht gewusst, was ihn erwartet. Das ist in Berlin anders. Der Grund dafür heißt Jos Luhukay.

Mit Trainer Luhukay und dem FC Augsburg aufgestiegen

Unter Herthas Cheftrainer stieg Hosogai 2011 mit dem FC Augsburg in die Bundesliga auf. Bayer Leverkusen hatte ihn zu Jahresbeginn von den Urawa Red Diamonds verpflichtet und sofort an Augsburg ausgeliehen. Im Jahr darauf war er als Stammspieler maßgeblich daran beteiligt, dass die Fuggerstädter sensationell die Klasse hielten. Gern erinnert sich Hosogai an seine Anfangszeit unter Luhukay: „In Augsburg konnte ich ein Jahr lang nur zählen und Hallo sagen“, erzählt er – mittlerweile in einem passablen Deutsch.

Mit Trainer Luhukay aber habe die Kommunikation trotz der sprachlichen Probleme von Beginn an auch ohne eigenen Dolmetscher hervorragend funktioniert. Für Luhukay war Hosogai im defensiven Mittelfeld gesetzt. Der Niederländer stellte ihn in der Saison 2011/12 insgesamt 32 Mal auf. Das ist der Grund, warum sich Hosogai nun für Hertha entschieden hat: Unter Luhukay hofft er, sich wie in Augsburg einen Stammplatz zu erkämpfen. Gelänge ihm das, wären seine Chancen größer, im kommenden Jahr bei der WM in Brasilien im Aufgebot der Japaner zu stehen. Die ganz große Bühne könnte er über Hertha erreichen.

In Leverkusen hat er seinen Stammplatz verloren

In Berlin hofft Hosogai auch, konstanter auf einer Position zu spielen. In Leverkusen musste er lange den verletzten Linksverteidiger Michal Kadlec ersetzen. „Das war sehr schwer für mich“, entschuldigt sich der Japaner für seine unauffälligen Leistungen. Das habe dazu geführt, dass er nach Kadlecs Rückkehr in der Rückrunde nur noch fünf Mal eingewechselt wurde. „Ich sehe mich schon eher als defensiver Mittelfeldspieler“, sagt Hosogai. Durch seine Lauffreude und Zweikampfhärte will er dem bisherigen Mittelfeldduo Peer Kluge und Kapitän Peter Niemeyer Konkurrenz machen.

Hosogai freut sich in Berlin nicht nur auf ein Wiedersehen mit Luhukay, sondern auch mit seinen beiden ehemaligen Augsburger Teamkollegen Marcel Ndjeng und dem ebenfalls neu zur Hertha gekommenen Innenverteidiger Sebastian Langkamp. In Berlin findet der Japaner ein bisschen Augsburg vor. Die Stadt selbst kennt er noch kaum. Im Winter kam er mit seiner Frau zum Shoppen und Sightseeing. „Es ist eine große Stadt, ganz anders als Augsburg mit seinen alten Häusern.“ Das Holocaust-Mahnmal und die Berliner Mauer haben ihn besonders beeindruckt. Das Olympiastadion hat ihm Luhukay gezeigt, als er und Herthas Manager Michael Preetz ihn zu Vertragsgesprächen nach Berlin einluden.

Nur zwei Wochen Sommerpause

Den Trainingsauftakt der Herthaner am Sonntag wird Hosogai verpassen. Unabhängig davon, wie lange Japan beim Confed-Cup dabei ist, erhält er danach noch zwei Wochen Urlaub. So hat er es mit Luhukay vereinbart. Bereits kurz nach Saisonende war er nach Japan zur Nationalmannschaft gereist. Die Sommerpause ist für Hosogai nur eine kurze: „Aber das ist kein Problem. Denn ich möchte so schnell wie möglich in Berlin spielen“, sagt er.

An Hertha hat sich Hajime Hosogai mit einem Vierjahresvertrag langfristig gebunden, denn er ist nicht nur von Luhukay sondern auch von der Perspektive, die ihm der Verein bieten kann, überzeugt. Irgendwann, sagt Hosogai, wolle er auch mit den Berlinern in einem internationalen Wettbewerb spielen. „Es ist ja ein großer Verein mit vielen Zuschauern“, sagt er. Sollte das gelingen, hätte er nicht nur über Hertha den Weg auf die große Bühne geschafft, sondern den Klub selbst auf eine solche begleitet.