Hertha BSC

Allagui und Ben-Hatira nutzen im Mittelfeld ihre Chance

Erfreuliches kam nur über die Außenbahnen: Bei Herthas müdem Pokalkick in Neumünster haben sich die beiden Flügelstürmer Änis Ben-Hatira und Sami Allagui für Herthas Stammelf empfohlen.

Foto: Axel Heimken / dpa

Montagmorgen um ein Uhr am S-Bahnhof Bundesplatz, Berlin. Zwei junge Kerle mit kurzen Haaren. Sie tragen Sonnenbrillen trotz der Dunkelheit und warten auf den Schienenersatzverkehr. Jeder ein Bier in der Hand, sie rütteln an den Straßenschildern, und regelmäßig stimmt einer von beiden ein Liedchen an: „Äns Ben-Hatira oh-oho-oho, Änis Ben-Hatira!“

Etwa sieben Stunden vorher in der Grümmi-Arena, Neumünster: Ein junger Mann ist sauer. Er wirft mit Ausdrücken um sich, für die es, wie der Beschimpfte später erklären wird, gar keine Übersetzung ins Deutsche gibt. Schlimme Wörter. Der wütende Mann kommt aus Tunesien. Genau wie die Familie des Fußballprofis, der seinen Lieblingsklub gerade fast im Alleingang aus dem DFB-Pokal geworfen hat: Änis Ben-Hatira.

Aufreger-Personalie Ben-Hatira

Wenn es eine Berliner Personalie gab, die am Sonntag beim aus Sicht von Hertha BSC schlappen Pokalspiel gegen Regionalligist VfR Neumünster (2:3 n.V.) für Aufmerksamkeit sorgte, dann war es eben jener Änis Ben-Hatira. Zwei Tore erzielte der Mann aus dem linken Mittelfeld, dazu holte er den entscheidenden Elfmeter heraus. Das entzückte die mitgereisten Hertha-Fans noch Stunden nach Abpfiff. Und es frustrierte die Anhänger des Gastgebers.

Während Ben-Hatira das klärende Gespräch suchte, war der andere Matchwinner des Spiels bereits auf dem Weg Richtung Kabine. Endlich duschen nach 120 Minuten. Es sei ein Spiel gewesen, das man ganz schnell vergessen müsse, sagte Sami Allagui, der Mann aus dem rechten Mittelfeld, der seine Mannschaft in letzter Minuten per Strafstoß vor dem Elfmeterschießen bewahrt hatte.

Dabei dürfte er zumindest mit der eigenen Leistungen zufrieden gewesen sein: ein Tor geschossen, zwei vorbereitet – Pokal-Blamage abgewendet.

Königstransfer aus Mainz

Mit den beiden Deutsch-Tunesiern glänzten in der Grümmi-Arena ausgerechnet zwei Akteure auf den Außenbahnen, die in der Vorsaison dort nicht hundertprozentig glücklich geworden waren. Allagui kam für 1,6 Millionen Euro von Mainz 05. Ein Königstransfer, wie solche Wechsel, von denen man sich viel erhofft, so schön heißen, und bei denen die Klubs oft tiefer in die Tasche greifen als sie eigentlich sollten.

Zusammen mit Adrian Ramos war der 27-Jährige im Sturm vorgesehen. Nachdem Trainer Jos Luhkay auf ein 4-2-3-1-System umstellte, musste er auf die rechte Außenbahn wechseln. Das funktionierte zunächst nicht gut, am 23. und 24. Spieltag stand Allagui nicht mal im Kader.

Doch nach einer starken Partie gegen den MSV Duisburg im März spielte er auf dieser Position bis Saisonende durch. Trotzdem sagte er danach: „Ich bin Stürmer und werde es immer bleiben.“

Kein Platz frei im Sturm

Weil Luhukay sich aber früh für eine einzige Sturmspitze entschieden hat, scheint die rechte Seite auch in Liga eins Allaguis logischste Option. Im Sturm ist Sandro Wagner hinter Ramos als Nummer zwei gesetzt. Zudem ist der andere Kandidat für diese Position, Marcel Ndjeng, in die Abwehr gerückt. In der Vorbereitung deutete Allagui auf der Außenbahn mehrmals seine gute Form an, so beim Testspiel gegen Wisla Krakau, als in Zusammenarbeit mit Alexander Baumjohann einige hübsche Kombinationen entstanden.

In Neumünster agierte er sehr variabel und mit ordentlich Drang zum Tor. Eine Spielweise, bei der sein gewünschtes Stürmer-Feeling aufkommt – und auf die Luhukay steht. „In jedem Spiel ist er auch im Strafraum, um mit seinem Gespür dort den Torabschluss zu suchen. Das war in der Zweiten Liga so und das erhoffe ich mir auch in der Bundesliga“, sagt der Coach.

„Er soll sich dann neben dem zentralen Angreifer positionieren. Da kann er eine zusätzliche Qualifikation mit einbringen, die ihn von einem ‚typischen‘ Außenbahnspieler abhebt.“

Nach Verletzung zurückgekämpft

Während sich Allaguis Einsatz auf rechts bereits früh abzeichnete, blieb die Frage nach der Besetzung auf links bis kurz vor dem Pokalspiel spannend. Der eher defensiv orientierte Nico Schulz? Oder Ben-Hatira, der Mann mit dem Hang zum Risikospiel?

Am Ende war es möglicherweise keine Überraschung, dass Luhukay sich gegen einen Viertligisten für die offensivere Variante entschied. Und Ben-Hatira rechtfertigte seine Aufstellung mit zählbarem Erfolg. Vor allem spielte der gebürtige Berliner überlegt. Statt wie früher in aussichtslosen Situationen den Ball zu verdribbeln, gab es lieber mal einen Sicherheits-Rückpass.

Anders als Allagui blieb Ben-Hatira seiner linken Außenbahn treu und hatte einen kleineren Aktionsradius. „Wichtig ist, dass wir eine Runde weiter sind. Ich habe natürlich meinen Teil dazu beigetragen“, sagte der 25-Jährige und lobte die deutsch-tunesische Koproduktion mit Allagui: „Sami hat die Bälle sehr gut vorbereitet.“

„Das freut uns riesig“

Ähnlich wie sein Landsmann kam Ben-Hatira in der Vorsaison nicht auf seiner Wunschposition zum Einsatz. Nach dem Abgang von Spielmacher Raffael gab es zwar die Nummer zehn auf das Trikot, das Spiel machte dann allerdings Ronny. Zudem fehlte er fast ein Drittel der Saison verletzt.

„Er hat nach seiner Verletzung seinen Weg zurück gefunden. Das freut uns riesig. Beide Außenspieler waren an den entscheidenden Spielsituationen beteiligt. Das darf ruhig in der Bundesliga so weitergehen“, sagt Luhukay.

Ben-Hatira steht dafür theoretisch zur Verfügung. Sein rechter Knöchel, der nach dem Foul, das in Neumünster zum Strafstoß führte, ordentlich anschwoll, befindet sich wieder in einem Zustand normaler Größe.