Hertha BSC

Spiel gegen Duisburg soll Allagui neue Perspektiven eröffnen

Der Saisonstart von Sami Allagui in Berlin war vielversprechend. Doch jetzt muss Herthas Königstransfer hart um seinen Platz im Kader kämpfen. Aber offenbar gibt es gute Nachrichten für den 26-Jährigen.

Foto: Thomas Eisenhuth / pa/ZB

Sami Allagui wirkte ausgeglichen, als er über den Schenckendorffplatz joggte. Die Sonne strahlte bei Herthas erster Trainingseinheit drei Tage nach der unerwarteten Niederlage gegen Dynamo Dresden, und der Angreifer nutzte die Gelegenheit für ein paar Späße mit seinen Kollegen Peter Niemeyer und Sandro Wagner.

Doch nicht nur die angenehme Gesellschaft und die warmen Sonnenstrahlen sorgten für eine Gemütsaufhellung des 26-Jährigen, der in den vergangenen beiden Wochen wenig Grund zur Freude hatte. Zuvor hatte ihn Cheftrainer Jos Luhukay zum Gespräch gebeten, in dem es um die Situation des Stürmers bei Hertha BSC ging.

Offenbar gab es gute Nachrichten für Allagui: „Wir haben ein sehr positives Gespräch geführt und uns die Meinung gesagt“, erzählte Allagui. „Ich will jetzt richtig Gas geben.“ Auch Luhukay schien mit dem Ausgang der Unterhaltung zufrieden zu sein: „Es war ein gutes Gespräch. Sami ist ein guter Junge mit einem guten Charakter. Er kämpft jetzt um seinen Platz in der Startelf.“

Zuletzt zweimal nicht im Kader

Gesprächsbedarf gab es vor allem, weil das Abenteuer Hertha BSC für Sami Allagui zuletzt zu einem Karrieredämpfer zu werden drohte. Im Sommer verpflichteten ihn die Berliner für etwa 1,6 Millionen Euro vom Bundesligisten Mainz 05 und statteten ihn mit einem lukrativen Vierjahresvertrag inklusive fürstlicher Bezüge aus. Es war Herthas Königstransfer, und zunächst sah es so aus, als erfülle sich das Versprechen, dass mit Allaguis Namen verbunden war, seit der technisch starke Angreifer besonders bei Greuther Fürth in der Zweiten Liga (27 Tore in 66 Partien, dazu 14 Vorlagen) und wenig später auch in der Bundesliga bei den Mainzern (14 Tore in 47 Partien, sieben Assists) für Furore sorgte.

In den ersten drei Partien der Saison erzielte der gebürtige Düsseldorfer zwei Tore für Hertha und bereitete darüber hinaus zwei Treffer vor. Mit seinem späten Ausgleich gegen Paderborn (2:2) zum Auftakt rettete er die Blau-Weißen nicht nur vor einem Fehlstart, er sorgte fast im Alleingang auch für den ersten Sieg der Saison gegen Jahn Regensburg (2:1).

Plötzlich zeigte die Formkurve nach unten

Danach aber zeigte seine Formkurve nach unten. In den zwölf Spielen, in denen Allagui eingesetzt wurde, traf er nur zwei Mal. Weil Luhukay sein zunächst geplantes Spielsystem mit zwei Stürmern auf ein 4-2-3-1 umstellte und somit vier für Zweitligaverhältnisse überdurchschnittliche Angreifer um nur noch eine Position kämpften, wich Allagui zwischenzeitlich auf die von ihm ungeliebte Position rechts im Mittelfeld aus. Vollkommen überzeugen konnte er aber auch dort nicht. Zuletzt musste er nicht nur gegen den VfR Aalen 90 Minuten lang von der Ersatzbank zusehen, Luhukay strich ihn für die beiden vergangenen Partien gegen Kaiserslautern und Dresden sogar aus dem Kader.

Für Allagui, der mit dem Anspruch nach Berlin kam, Stürmer Nummer eins zu sein, war dies der bisherige Tiefpunkt seiner Zeit bei Hertha. Es schien, als sollte ihn dasselbe Schicksal ereilen wie schon einige namenhafte Stürmer vor ihm bei Hertha. Fredi Bobic etwa oder Artur Wichniarek, Andre Lima, Luisao. Zuletzt traf es Rob Friend, der im Sommer 2010 als teuerster Hertha-Einkauf für 1,9 Millionen Euro von Borusssia Mönchengladbach an die Spree wechselte und ein üppiges Gehalt einstrich. Der Kanadier konnte sich unter Trainer Markus Babbel im internen Kampf um die Plätze im Sturmzentrum nicht durchsetzen, erzielte lediglich fünf Tore und verließ Hertha zum Saisonende wieder Richtung Frankfurt.

Abschied im Sommer ist derzeit noch kein Thema

An einen Abgang im Sommer aber denkt Allagui noch nicht: „Es ist kein Geheimnis, dass ich unzufrieden bin, wenn ich nicht spiele“, sagte der tunesische Nationalspieler, der im Januar auf die Teilnahme beim Afrika-Cup verzichtet hatte, um sich bei Hertha zu empfehlen. Wenn sich bis Saisonende nichts an seiner Situation ändere, müsse man zwar reden. Vorerst aber will er mit öffentlich geäußerten Abwanderungsgedanken nicht seinen Platz in der Startelf einfordern. „Ich bin keiner, der Stunk macht. Ich werde mich jetzt reinhauen und hoffe, dass ich wieder meine Chance bekomme.“

Diese Chance könnte Allagui bereits am Sonntag (13.30 Uhr) bekommen, wenn Hertha im Heimspiel auf den MSV Duisburg trifft. Der rechte Flügelspieler Marcel Ndjeng zog sich beim Aufwärmen in Dresden einen Muskelfaserriss im rechten Oberschenkel zu und wird zehn bis 14 Tage ausfallen. An Nummer eins der von Luhukay genannten Alternativen steht Allagui. Neben Ben Sahar und dem jungen Hany Mukhtar hätte er die besten Chancen, so der 49-Jährige. Allagui traut sich die Aufgabe zu: „Ich denke, dass ich eine gute Option wäre. Der Trainer weiß, was ich drauf habe, und ich hoffe, dass ich gegen Duisburg wieder spielen darf.“

Hohe Ablösesumme keine Ursache für gehemmtes Spiel

Die hohe Ablösesumme und die daran geknüpfte Erwartungshaltung in Berlin jedenfalls haben ihn nicht gehemmt, so Allagui. „Schon als ich damals von Fürth nach Mainz gewechselt bin, wurde viel Geld bezahlt. Das belastet mich nicht.“ Um zu verhindern, dass sein Name am Ende mit dem Zusatz „Fehleinkauf“ verbunden wird, hat sich Allagui für die ausstehenden Spiele viel vorgenommen: „Ich habe noch zehn Spiele, in denen ich mich beweisen will. Ich hoffe, dass ich schon gegen Duisburg damit anfangen kann.“ Er wolle den Blick jetzt nach vorn richten.

Zwar hatte Luhukay zuletzt betont, dass ihn Allagui in der Vergangenheit nicht immer überzeugt hat. Doch nach dem Einzelgespräch ist davon auszugehen, dass er es gegen Duisburg, das mit einem 1:0 gegen Eintracht Braunschweig dafür gesorgt hat, dass Hertha Tabellenführer bleibt, erneut mit Allagui versuchen wird.