DFB-Pokal

Allagui beschert Hertha BSC knappen Sieg über Neumünster

Hertha benötigte mehr als 120 Minuten, um beim Viertligisten Neumünster zu siegen. Erst ein Elfmeter half. Bis zum Bundesliga-Auftakt gegen Frankfurt hat Coach Luhukay viel zu tun.

Foto: Axel Heimken / dpa

Als der Schlusspfiff ertönte, lächelte Jos Luhukay etwas gequält. Der niederländische Cheftrainer von Hertha BSC wusste, dass sein Team gerade noch einmal mit einem blauen Auge davon gekommen war.

Erst in der allerletzten Minute der Verlängerung setzten sich die Berliner am frühen Sonntagabend mit 3:2 (2:2/2:1) in der ersten Runde des DFB-Pokals gegen den drei Klassen tiefer spielenden VfR Neumünster durch.

Sami Allagui bewahrte seine Mannschaft mit einem verwandelten Strafstoß vor dem Elfmeterschießen und einem möglichen, peinlichen Erstrunden-Aus.

„Natürlich sind wir jetzt sehr erleichtert“, sagte Allagui nach der Partie. „Ich habe mich gut gefühlt. Ich wollte das Ding nur reinmachen und dann endlich duschen gehen. Dieses Spiel müssen wir ganz schnell vergessen“, fand der Offensivspieler deutliche Worte. Dank des späten Treffers des Deutsch-Tunesiers bleibt Hertha eine erneute Pokalblamage erspart. Im vergangenen Jahr schieden die Blau-Weißen beim Viertligisten Wormatia Worms aus. Und zu Beginn der Partie schien es, als sollte sich die Geschichte wiederholen.

Ben-Hatira trifft doppelt

Fünf Minuten waren erst gespielt, da unterlief Torwart Thomas Kraft ein folgenschwerer Fehler: Einen zwar scharf, aber flach und mittig getretenen Freistoß von Neumünsters Michael Harrer aus 18 Metern konnte der 24 Jahre alte Schlussmann nicht parieren. Von seinen Händen trudelte der Ball zum überraschenden 0:1 ins Netz. Die Berliner, die eigentlich dynamisch begonnen hatten, waren konsterniert.

Es dauerte, bis die Blau-Weißen auf dem löchrigen Rasen vor 5446 Zuschauern in der Grümmi-Arena zurück ins Spiel fanden. Zwar hatte Hertha deutlich mehr Ballbesitz, echte Chancen aber blieben in der Anfangsphase aus. Nach einem langem Pass von Marcel Ndjeng, dem Luhukay rechts in der Viererkette den Vorzug vor Peter Pekarik gegeben hatte, sprintete Allagui in den Neumünsteraner Strafraum, umkurvte VfR-Keeper Marcus Hesse und legte butterweich auf den mitgelaufenen Änis Ben-Hatira ab. Der Deutsch-Tunesier drückte den Ball aus 30 Zentimetern über die Linie(16.).

Hertha wurde nun immer sicherer. Zunächst ging ein Weitschuss von Ben-Hatira noch über das Tor (24.). Nur sechs Minuten später aber machte es der 25-Jährige besser: Erneut war es Allagui, der Ben-Hatira bediente, und dieser schoss den Ball nach schönem Dribbling aus 16 Metern zur 2:1-Führung ins rechte, lange Eck (30.). Nicht glanzvoll, aber effektiv, so ging Hertha in die Pause.

Dort aber, so schien es fortan, müssen die Profis der Blau-Weißen irgendwie ihre Konzentration vergessen haben. Denn vom Wiederanpfiff an war Neumünster plötzlich das agilere Team – und kam zu Chancen. Zunächst rettete Alexander Baumjohann noch auf der Linie (48.). Zehn Minuten später lag der Ball dann aber zum Ausgleich für den VfR im Netz – und wieder hatte Hertha selbst gehörig mitgeholfen: Eine lange Flanke in den Berliner Strafraum konnte Ndjeng nur in die Mitte klären, wo Christopher Kramer hochstieg und zum 2:2 einköpfte (58.).

Luhukay reagierte und brachte Sandro Wagner für den blass gebliebenen Angreifer Adrian Ramos (64.). Zudem kam der erst 18 Jahre alte Hany Mukhtar zu seinem Debüt im DFB-Pokal. Er ersetzte Spielmacher Baumjohann, der an diesem Tag hinter seinen Möglichkeiten zurück blieb (80.). An der ideenlosen Vorstellung der Berliner aber änderte sich nichts. Die letzte Chance in der regulären Spielzeit vergab Wagner, dessen Kopfball aus kurzer Distanz abgeblockt wurde. Kurz vor Ende der regulären Spielzeit schwächte sich Neumünster selbst: Der schon gelb-verwarnte Kramer foulte Ndjeng und wurde von Schiedsrichter Benjamin Cortus mit Gelb-Rot vom Platz gestellt. Mit elf gegen zehn ging es in die Verlängerung.

Knapp 220.000 Euro sicher

Hertha versuchte nun, das Versäumte nachzuholen und griff gegen die immer müder werdenden Holsteiner an. Nach schöner Vorarbeit von Mukhtar drosch Allagui den Ball im Strafraum an den Pfosten (94.). Vier Minuten vor Ende der Verlängerung parierte VfR-Keeper Hesse einen Kopfball von Allagui.

Als alles schon nach Elfmeterschießen aussah, schnappte sich der fleißige Ben-Hatira den Ball im Strafraum und wurde von Neumünsters Kapitän Finn Lasse Thomas zu Fall gebracht. Ben-Hatira verletzte sich dabei am rechten Knöchel. Cortus entschied auf Elfmeter. Eine harte, aber korrekte Entscheidung. Allagui hatte Glück, dass sein Strafstoß von Hesse ins Tor abprallte.

„Wir sind froh, dass wir eine Runde weiter sind“, sagte Luhukay nach der Partie. „Der Liebe Gott hat uns die zweite Runde geschenkt.“ Von einer Blamage aber wollte der 50-Jährige nichts wissen: „Ich denke, andere Erstligisten würden gern mit uns tauschen“, sagte Luhukay. Durch den Einzug in die zweite Pokalrunde sind Hertha Einnahmen von 218.477 Euro sicher. Bis zum Bundesligastart gegen Eintracht Frankfurt am Sonnabend aber kommt auf Luhukay noch jede Menge Arbeit zu.