DFB-Pokal

Luhukays Hertha will im Pokal Fahrt aufnehmen

Gegen Viertligist Neumünster geht es für die Berliner nicht nur um einen gelungenen Start in die Pflichtspielsaison, sondern auch um viel Geld. Ronny fällt allerdings verletzt aus.

Foto: Rainer Jensen / PA/dpa

Die Vorzeichen sind fast identisch. Vor zwei Jahren spielte Hertha als Bundesliga-Aufsteiger seine erste Partie der Saison im DFB-Pokal in Meuselwitz. So wie am heutigen Sonntag beim VfR Neumünster (16 Uhr, HIER im Liveticker der Berliner Morgenpost). Damals überraschte Trainer Markus Babbel mit dem ungewöhnlichen Ziel. Babbel wollte mit den Berlinern nicht nur die Klasse halten, sondern auch noch den Pokal gewinnen.

Von dieser Forschheit ist nach einem erneuten Jahr in der Zweiten Liga nur noch wenig im Verein zu spüren. Wenn überhaupt Zielsetzungen für den Pokal genannt werden, dann nur leise. Vom Titelgewinn oder ähnlichen hoch gesteckten Zielen ist dann trotzdem nicht die Rede. Nur von der zweiten Runde.

Da bildet auch der neue Kapitän Fabian Lustenberger (25) keine Ausnahme: „Wir sind natürlich der Favorit. Aber das waren wir letztes Jahr schon einmal. Deshalb werden wir alles versuchen, es in diesem Jahr besser zu machen. Viel besser“, sagte der Schweizer.

Schlechte Erfahrung aus Vorsaison

Die Mannschaft hat die schlechte Erfahrung der Vorsaison nicht vergessen. Da schieden die Berliner bei Wormatia Worms aus. Ein Viertligist wie der VfR Neumünster. Die Vorbereitung auf das Pokalspiel verlief zumindest sehr akribisch. Zwei Mal hat Trainer Jos Luhukay den Regionalligisten beobachten lassen. Dazu hat er sich zwei Spiele komplett auf DVD angesehen.

„Neumünster hat eine sehr junge und engagierte Mannschaft, die sehr lauffreudig in der Defensive ist. Und im Spiel nach vorne ist sie sehr kontergefährlich“, sagte der niederländische Cheftrainer.

Luhukay spricht häufig von Respekt gegenüber der gegnerischen Mannschaft. Das machte er in der Zweiten Liga, als sich Hertha auch in Spiele kämpfte, nach dem der Aufstieg perfekt war. Auch Regionalligist Neumünster bekommt sehr deutlich demonstriert, dass der Coach das Pokalspiel sehr ernst nimmt.

Der Niederländer verzichtet auf jegliche Experimente. Während andere Trainer in solchen Momenten gerne auch dem zweiten Torwart einen Einsatz schenken, geht Luhukay die Partie wie ein Bundesligaspiel an: „Die Elf, die am Sonntag aufläuft, könnte auch die Elf sein, die eine Woche später gegen Frankfurt spielt. Aber nach dem Eindruck des Spiels kann es auch sein, dass ich noch auf drei, vier Positionen Änderungen vornehme.“

Gegen Neumünster wird der 50-Jährige erstmals Farbe bekennen. Die neun Partien in der Vorbereitung nutzte Luhukay vor allem, um seine Spieler gleichmäßig intensiv zu belasten und an den Saison-Rhythmus heranzuführen. Gegen die Annahme, dass sich aus den Aufstellungen in den Freundschaftsspielen Rückschlüsse auf eine mögliche Startelf ziehen lassen könnten, wehrte sich der Niederländer.

Zur Not auch „ein bisschen schmutzig“

Fabian Lustenberger gibt sich ebenfalls ahnungslos und sagte nur: „Nein, der Trainer lässt sich nicht in die Karten schauen. Ich bin selbst gespannt, wer spielen wird. Fehlen wird auf jeden Fall Angreifer Pierre-Michel Lasogga, der wegen einer Teilruptur des Außenbandes im linken Knöchel vier bis sechs Wochen ausfallen wird.

Am Sonnabend musste sich auch Spielmacher Ronny verletzt abmelden. Der Brasilianer zog sich am Donnerstag eine Prellung im rechten Fuß zu und steht verletzungsbedingt nicht im Aufgebot.

Über die mögliche Hitze in Neumünster redet Luhukay wenig. „Das ist für uns keine Entschuldigung. Fakt ist, dass wir als Bundesligist eine Runde weiterkommen müssen.“ Wenn er von einem möglichen Aus spricht, nimmt er das Wort Blamage in den Mund. Die Enttäuschung des vergangenen Jahres ist dem Niederländer noch anzumerken. Deswegen spricht er auch von der positiven Wirkung eines Sieges für die Fans vor dem Erstliga-Auftakt eine Woche später in Berlin gegen Eintracht Frankfurt.

Dass der nicht glänzend sein muss, weiß der Trainer. An die erste Runde wird sich nur im Falle einer Niederlage erinnert. Daher sagt er auch ehrlich: „Wenn wir nicht schön spielen können, muss es eben schmutzig sein. Wichtig ist, dass wir weiterkommen, denn so können wir auch finanziell etwas hinzubekommen.“

Manager Preetz: Klassenerhalt hat oberste Priorität

Der Trainer blickt in dem Moment zur Seite. Neben ihm sitzt Manager Michael Preetz, der fast pflichtschuldig nickt. Ein Sieg bringt Hertha nicht nur garantierte 218.477 Euro als Prämie vom DFB. Der Klub hat außerdem die zweite Runde in den Lizenzunterlagen als feste Einnahme eingeplant. Das ist nicht ungewöhnlich.

Die Deutsche Fußball-Liga erlaubt Erstligisten diese Vorgehensweise, während die Vereine aus dem Unterhaus nur die erste Runde einplanen dürfen. Im Pokal lässt sich dank der Zentralvermarktung durch den DFB sehr gut Geld verdienen. Pro Runde verdoppeln sich die Prämien fast. Für das Viertelfinale gibt es knapp eine halbe Million und für Finalisten garantierte zwei Millionen Euro.

Deshalb möchte Michael Preetz auch nur ungern von den teils unrühmlichen Auftritten seines Klubs im Pokal sprechen. Mit Anspielung auf die Tatsache, dass im vergangenen Jahr gleich sechs Bundesligavereine in der ersten Runde ausschieden, sagte er: „Das gilt für die allermeisten Erst- und Zweitligisten in den letzten Jahren, dass sie eine nicht so rauschende Pokalvergangenheit haben.

Das ist aber nicht so sehr unser Thema. Wir sind mit unserer Vergangenheit auch nicht zufrieden. Aber das können wir ändern. Wir können beeinflussen, was am Sonntag in Neumünster auf uns zukommt.“

Auch für den Manager hat der Klassenerhalt in der Bundesliga absolute Priorität. Eine erfolgreiche Saison im DFB-Pokal wie vor zwei Jahren würde Preetz aber sicher nicht ablehnen. Zwar führte sie nicht zum vom damaligen Trainer ausgegebenen Titelgewinn, aber immerhin ins Viertelfinale, in dem Hertha mehr als unglücklich gegen Mönchengladbach in der Verlängerung ausschied. Das bundesweit als skandalumwittert wahrgenommene Hertha-Image kann durchaus einige erfolgreiche Pokalrunden vertragen.