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Mario Götze: „Ich bin sehr froh, wieder zurück zu sein“

Der Weltmeister gab beim Sieg gegen Werder Bremen sein viel beachtetes Comeback. Gegen Juventus Turin werden die Karten neu gemischt.

Trainer Pep Guardiola umarmt Mario Götze während des Spiels gegen Werder Bremen

Trainer Pep Guardiola umarmt Mario Götze während des Spiels gegen Werder Bremen

Foto: MICHAEL DALDER / REUTERS

München.  Mario Götze hatte seine schwarze Basecap tief ins Gesicht gezogen, doch dass seine Augen leuchteten, war gut zu sehen. 160 Tage war der WM-Held nach seinem Muskelfaserriss außen vor gewesen, ehe er am Sonnabend beim 5:0 (2:0) von Bayern München gegen Werder Bremen endlich wieder ran durfte – sogar von Beginn an.

„Ich hatte eine lange Reha, es war keine leichte Zeit“, sagte Götze, der zuletzt am 4. Oktober 2015 beim 5:1 gegen seinen ehemaligen Klub Borussia Dortmund gespielt hatte. Vier Tage später zog sich der 23-Jährige beim Länderspiel in Dublin gegen Irland (0:1) jene Muskelverletzung im Adduktorenbereich zu, die ihn so lange außer Gefecht setzte.

Beim Comeback spielte er ordentlich, war in der gut aufgelegten Münchner Offensive aber der Unauffälligste. Götze lief bis zu seiner Auswechslung (54.) starke 7,6 km, gewann aber nur bescheidene 33 Prozent seiner Zweikämpfe. Er hatte 48 Ballaktionen und gab zwei Torschüsse ab, vergab aber das mögliche 3:0 kläglich (49.). Außerdem zog er sich eine schmerzhafte Prellung am linken Ellbogen zu.

„Vom Spielrhythmus bei 80, 90 Prozent“

Pep Guardiola bescheinigte Götze ein gutes Spiel und nannte den Weltmeister „speziell“. Kaum ein Profi wisse so genau, wo er hinlaufen müsse, lobte der Trainer, Götze helfe damit den Kollegen sehr.

Bei den fünf Pflichtspielen zuvor saß Götze dennoch jeweils 90 Minuten auf der Bank. Nun, betonte er, sei er vom Spielrhythmus her wieder „bei 80, 90 Prozent“ - und bereit für Juventus Turin am Mittwoch.

"Es war keine leichte Zeit, ich bin sehr froh, wieder zurück zu sein", sagte Götze. Und natürlich wolle er "auch die großen Spiele spielen".

Guardiola wird aber wohl gegen Juventus Turin auf ihn verzichten; auch Götzes Zukunft unter Carlo Ancelotti, der die Bayern im Sommer übernimmt, ist offen. Um sich dauerhaft zu empfehlen, braucht es mehr als ordentliche 54 Minuten gegen Bremen.

„Wir schauen optimistisch auf Mittwoch“

Zudem hat Pep Guardiola momentan andere Sorgen. Der Gedanke an sein möglicherweise letztes Champions-League-Spiel mit Bayern München brachte ihn nach dem Warmschießen gegen Werder Bremen für einen Moment ins Grübeln.

"Vielleicht ja", sagte der Trainer des Rekordmeisters nachdenklich über ein drohendes Aus im Achtelfinal-Rückspiel am Mittwoch gegen Juventus Turin, ehe er sich wieder fing. "Normalerweise denke ich positiv. Nie in meinem Leben dachte ich: Das ist das letzte Spiel - warum?", sagte er. Und Guardiolas Zuversicht ist gut begründet.

Beim 5:0 (2:0) gegen schwache Bremer fand der Spitzenreiter nach zuvor zwei Bundesliga-Spielen ohne Sieg rechtzeitig vor dem "Finale" (Guardiola) gegen Juventus wieder in die Spur. "Wir haben bewiesen, dass wir gut drauf sind und schauen optimistisch auf Mittwoch", sagte Karl-Heinz Rummenigge.

Eine Blaupause für Juventus Turin

Wie alle Münchner erwartet der Vorstandschef "ein schweres Spiel" gegen die alte Dame, in das der FC Bayern "mit Respekt" gehe. Zwar reicht nach dem 2:2 in Turin ein torloses Unentschieden, "aber wir sind nicht bekannt dafür, zu Hause auf 0:0 zu spielen", ergänzte Rummenigge, "das ist auch nicht der Stil von Pep Guardiola".

Der Katalane liebt den Angriffsfußball – wie in der einseitigen, 100. Bundesliga-Begegnung mit Werder gezeigt. Der überragende Thiago (9., 90.), der erstmals seit über zwei Jahren in der Liga traf, Weltmeister Thomas Müller (31., 65.) mit seinen Saisontoren 18 und 19, der eingewechselte Robert Lewandowski mit Treffer Nummer 24 (86.) und Kingsley Coman mit drei Assists erledigten den ehemaligen Rivalen.

Für Guardiola lieferte das Spiel gegen Bremens Fünferkette eine Blaupause für Juventus. "Es ist das Schwierigste im Fußball, zehn Spieler zu attackieren und dabei keine Konter zuzulassen", sagte er. Obwohl Italiens Rekordmeister am Mittwoch (20.45 Uhr/ZDF und Sky) treffen muss, erwarten die Münchner einen auf Konter spielenden Gegner.

Guardiola schonte Vidal, Robben und Costa

"Wir müssen unser Spiel sehr gut interpretieren", mahnte Guardiola, "sehr intelligent und im Kopf 90 Minuten bereit sein." Kapitän Philipp Lahm betonte, der FC Bayern sei "gewarnt. Juventus lauert auf unsere Fehler, wir dürfen uns keine Schwäche erlauben." Zumal Juventus mit Stürmern wie dem früheren Münchner Mario Mandzukic oder Paulo Dybala wesentlich gefährlicher ist als die harmlosen Bremer.

Die Bayern wollen gegen Turin mit geballter Offensive dagegenhalten. Guardiola schonte neben Arturo Vidal die Angreifer Arjen Robben und Douglas Costa, Lewandowski kam spät (74.). Zuvor durfte sich Götze erstmals seit 4. Oktober 2015 und nach überstandener Verletzung beweisen - aufgedrängt für Juve hat er sich nicht.

"Es war keine leichte Zeit, ich bin sehr froh, wieder zurück zu sein", sagte Götze. Und natürlich wolle er "auch die großen Spiele spielen". Guardiola nannte den WM-Helden einen "speziellen Spieler, weil er den anderen hilft, an den Ball zu kommen" und immer richtig laufe. Am Mittwoch werden sich aber zunächst elf andere versuchen dürfen.

Bremen blickt derweil auf den kommenden Sonnabend und das Heimspiel gegen den FSV Mainz 05. "Da müssen wir liefern", sagte Trainer Viktor Skripnik, "das ist unser Niveau, unser Maßstab." Der FC Bayern war es nicht. "Das ist natürlich eine Sechs", sagte Jannik Vestergaard bei Sky, "wir waren auch im Kopf langsamer." Die Konsequenz: 1899 Hoffenheim auf Abstiegsplatz 17 ist nur noch drei Punkte weg.