Die Augen strahlten, die Funken flogen – und die Freude der deutschen U21-Handballer schäumte beinahe mehr über als der Sekt, den die Spieler auf dem Siegerpodium verspritzten. Weltmeister! Mit einem 30:23 (14:11) gegen Ungarn sicherte sich die Mannschaft von Martin Heuberger am Sonntag in der ausverkauften Max-Schmeling-Halle den Titel.

„Es ist unglaublich, was wir bei diesem Turnier auf die Platte gebracht haben. Ich bin einfach nur mega erleichtert und glücklich. Wir sind Weltmeister – und das kann uns keiner mehr nehmen“, sagte Torhüter David Späth, der wieder einmal den Unterschied ausmachte.

Keeper Späth glänzt mit 41 Prozent gehaltener Bälle

41 Prozent gehaltene Bälle, impulsive Ansagen an seine Vorderleute, ein emotionaler Leader, der die DHB-Talente in diesem Turnier manches Mal aufgerüttelt hat. „Das war die beste Turnierleistung. Ich bin sprachlos, was unsere Abwehr da heute weggemacht hat. Mit welchem Einsatz, welcher Begeisterung, mit wie vielen Emotionen. Und dann David Späth im Tor. Phänomenal“, lobte auch Bundestrainer Heuberger.

Torhüter David Späth war das gesamte Turnier über ein Erfolgsgarant für die deutsche U21.
Torhüter David Späth war das gesamte Turnier über ein Erfolgsgarant für die deutsche U21.© picture alliance/dpa | Sascha Klahn

Als seine Spieler ihrer Begeisterung freien Lauf ließen, stand der 59-Jährige ganz am Rand des Podiums. Der Trainer sah aus, als würde er im Kopf gerade die Einkaufsliste für kommende Woche durchgehen. Nüchtern, mit ernster Miene. Die pure Freude brach erst aus ihm heraus, als Heuberger seinen Jungs den gläsernen Pokal entgegenstreckte.

„Das war ganz, ganz Besonders, für mich und die Spieler“, sagte Heuberger, für den es – ebenso wie für den Nachwuchs des Deutschen Handballbundes (DHB) – der dritte WM-Titel ist. Schon 2009 und 2011 hatte der Coach an der Seitenlinie gestanden.

8235 Zuschauer fiebern in der ausverkauften Schmeling-Halle mit

8235 Zuschauer hatten in der ausverkauften Schmeling-Halle in Berlin mitgefiebert, 140.000 während der gesamten WM. Die Resonanz der Fans übertraf sogar die Erwartungen der Verantwortlichen, wie DHB-Vorstandschef Mark Schober verraten hatte. Auch DHB-Präsident Andreas Michelmann war voll des Lobes: „Wir wollten die U21-WM nutzen, um zu zeigen, wie gut die Ausbildung unserer Talente ist. Die Jungs haben sich sehr ordentlich verkauft.“

Das gesamte Turnier über. Als einzige Mannschaft marschierte das deutsche Team ungeschlagen durch die WM. Nach drei Vorrundensiegen gegen Libyen, Tunesien und Algerien, den anschließenden Hauptrunden-Erfolgen gegen Titelverteidiger Frankreich und den WM-Zweiten Kroatien sowie den Coups gegen Dänemark und Serbien folgte am Sonntag ein starkes Finale gegen Ungarn.

Dass die Partie gegen die Magyaren die größte Hürde werden würde, war allen Beteiligten klar. Und so begegneten sich beide Teams auch erst mal auf Augenhöhe. Erst mit der letzten Aktion vor der Pause verschaffte Elias Scholtes – mit sechs Treffern neben Justus Fischer bester Werfer – der DHB-Auswahl ein Drei-Tore-Polster, das nach dem Wechsel schnell auf fünf Treffer anwuchs.

Viel ließ die deutsche Mannschaft nicht zu. Stattdessen zog sie knapp eine Viertelstunde vor Schluss auf sieben Tore davon. Zu verdanken war das eben auch Keeper Späth, der mit seinen teilweise spektakulären Paraden sogar manch eine Unkonzentriertheit seiner Vorderleute wettmachen konnte.

„Du merkst: Mit jeder einzelnen Faser wollen die das heute reißen. Mit jeder einzelnen Faser“, hatte auch Bob Hanning, größter Förderer des deutschen Handball-Nachwuchses, als Co-Kommentator bei Eurosport erkannt.

Island gewinnt gegen Serbien Bronze

Und so ließ sich die deutsche U21 den ganz großen Triumph auch nicht mehr nehmen. Als die Isländer, die sich am Nachmittag gegen Serbien mit 27:23 die Bronzemedaille gesichert hatten, zur Siegerehrung schritten und wenig später auch die Ungarn für ihren zweiten Platz geehrt wurden, standen die deutschen Spieler ungeduldig hinter den Kulissen.

Sie wollten raus, zu den Fans, zum Pokal, endlich all die Anspannung loswerden, die sich in den vergangenen Wochen angestaut hatte. „Es ist unbeschreiblich schön. Ich liebe diese Mannschaft einfach, wir haben ein so geiles Teamgefüge“, erklärte Kreisläufer Justus Fischer, der seine Freude immer wieder lautstark rausbrüllte. „Jeder Einzelne von uns hat heute alles gegeben. Auch Spieler, die vielleicht noch nicht so viel im Turnier gespielt haben, haben heute überragend gespielt. Wir konnten uns auf jeden von uns verlassen. Es hat einfach nur unglaublich viel Spaß gemacht!“ Den Spielern, dem Trainer, den Fans – ganz Handball-Deutschland.

mit dpa