Es ist immer gut, eine Alternative zu haben. Sollte es mit dem Handball nicht klappen, hätte Nils Lichtlein noch das Kegeln. Ein zweiter Karriereweg, der sich am Donnerstagabend beim WM-Viertelfinale der U21-Handballer gegen Dänemark (31:26) offenbarte.

Lichtlein zog den Ball aus der Hüfte Richtung Boden, durch die Beine des Gegners, vorbei am Torhüter ins Netz. Von Bundestrainer Martin Heuberger gab’s dafür ein High-Five. Und für diesen Treffer sowie sechs weitere auch die Auszeichnung zum Spieler des Spiels.

Trainer Heuberger lobt die Teamchemie bei der deutschen U21

Dabei war der 20-Jährige nicht der Einzige, der sich auf dem Weg ins Halbfinale, das am Sonnabend gegen Serbien in der Max-Schmeling-Halle (18 Uhr, Eurosport) steigt, in bärenstarker Form präsentierte. Keeper David Späth parierte spektakulär, Justus Fischer glänzte mit seiner Wucht sowohl in Angriff als auch in Abwehr, Kapitän Renars Uscins behielt die Ruhe, als die Partie nur ganz kurz zu kippen drohte.

„Chemie und Mentalität müssen stimmen. Wir haben keine Egoisten. Jeder ordnet alles dem Teamerfolg unter“, weiß Trainer Heuberger. So etwas kommt nicht von ungefähr. Eine gesunde Teamhygiene ist viel Arbeit. Das weiß auch Lichtlein.

„Neben dem Platz bin ich das Bindeglied zwischen den Chaoten, den lustigeren Gesellen und denen, die alles sehr ernst nehmen und eher ruhig sind“, erklärt der Rückraumspieler der Füchse Berlin. „Ich habe da eine gute Mischung, verstehe beide Seiten.“

Lichtlein steigert sich von Spiel zu Spiel

Und auf dem Feld füllt er seine Rolle als „Spielsteuerer“ der Mannschaft „herausragend“ aus, wie sein langjähriger Trainer und Förderer Bob Hanning schon bescheinigte. Auch gegen Dänemark. Da gab Lichtlein den Takt vor. Trotz erhöhter Nervosität, weil unter den 3734 Zuschauern in der heimischen Schmeling-Halle viele Freunde und Familie waren. „Die Stimmung war überragend, ich habe es genossen“, sagt Lichtlein.

Er kennt die große Bühne aus der vergangene Saison mit den Füchsen. Die Spielanteile hätten zwar größer ausfallen können, trotzdem merkt man Lichtlein an, dass er sich in der Bundesliga entwickelt hat. Auch bei der WM steigert sich der 1,83 Meter große Profi von Partie zu Partie. „Das war insgesamt mein bestes Spiel bisher. Es lief von Anfang an, dann geht man mit einer größeren Selbstsicherheit ins Spiel“, so Lichtlein. Und dann geht sogar ein solcher Kegel-Ball mal rein.

Mit Serbien hat die deutsche U21 noch eine Rechnung offen

Ihren Favoritenstatus haben die Talente des Deutsches Handballbundes (DHB) mit ihrem bisher ungeschlagenen Triumphzug noch einmal untermauert. „Wir sind in der Breite und in der Qualität wirklich Spitze“, kennt Lichtlein das Erfolgsgeheimnis.

Mit Serbien wartet nun eine Mannschaft, die in den bisherigen sechs Spielen nur eine Niederlage hinnehmen musste. Doch wer – so wie die deutsche U21 – um den Titel mitspielen will, muss eben auch das Team vom Balkan schlagen.

„Da haben wir noch eine Rechnung offen“, erklärt Lichtlein. Bei der U20-Europameisterschaft im vergangenen Jahr verlor der deutsche Nachwuchs in der Vorrunde gegen seinen jetzigen Halbfinalgegner. Für Serbien gab’s am Ende Bronze. Deutschland wurde Siebter. Lichtlein war damals nicht dabei, musste verletzt passen. Und hat deshalb jetzt doppelt Lust, die Rechnung am Sonnabend zu begleichen.