Bob Hanning ist froh, dass er seine Box endlich verlassen darf. Die bisherigen Spiele der U21-Weltmeisterschaft im Handball hat der Geschäftsführer der Füchse Berlin als Co-Kommentator für Eurosport begleitet – aus dem Studio in München. Dabei kribbelt es schon seit dem Start vor einer Woche gehörig.

„Es macht unglaublich viel Spaß“, erzählt der 55-Jährige. „Jetzt live vor Ort zu sein, das hätte mir aber keiner verwehren können.“ Am Donnerstag, wenn die deutsche U21 im Viertelfinale auf Dänemark trifft (21 Uhr, Eurosport), ist Hanning in der Max-Schmeling-Halle dabei. Auch als Co-Kommentator. Aber vor allem als größter Fan dieser Talente, die da auf dem Feld stehen werden.

Hanning blickt stolz auf die Leistung seiner Zöglinge

Der Manager ist bekanntlich der größte Nachwuchsförderer, der in Handball-Deutschland zu finden ist. Bei den Füchsen hat er eine Kaderschmiede aufgebaut, die ihresgleichen sucht. In seiner Funktion als Vizepräsident des Deutschen Handballbundes (DHB), die er bis Herbst 2021 innehatte, kümmerte er sich ebenfalls leidenschaftlich um den Unterbau.

Deshalb war es vor Jahren Hannings Herzensangelegenheit, die U21-Weltmeisterschaft in diesem Jahr nach Deutschland zu holen – „mit dem Wissen, dass meine Jungs in dem richtigen Alter sind, um dort zu spielen“.

Seine Jungs – die trumpfen jetzt auf. Die Mannschaft von Trainer Martin Heuberger ist seit Turnierbeginn ungeschlagen, gilt als großer Favorit auf den Titel, der am Sonntag (2. Juli, 18 Uhr) in der Schmeling-Halle vergeben wird. Um die Auftritte der DHB-Talente ist ein wahrer Hype entstanden.

Füchse-Profi Lichtlein als Regisseur der deutschen U21

Bei den Gruppenspielen in Hannover war die Halle ausverkauft, in der Hauptrunde in Magdeburg waren die Tribünen ebenfalls gut gefüllt. Und auch jetzt, in der K.o.-Runde in Berlin, erwarten die Verantwortlichen eine Kulisse, die man so von Nachwuchs-Turnieren nicht kennt.

„Die Aufmerksamkeit ist riesig“, weiß Hanning. „Das baut Druck auf und das tut der Mannschaft gut. Die Jungs können mit Druck umgehen, weil sie das aus ihren Vereinen gewöhnt sind.“ Viele Spieler aus dem 18-köpfigen Kader spielen in der Bundesliga – wie etwa Hannovers Renars Uscins und Justus Fischer oder Nils Lichtlein von den Füchsen Berlin. Andere spielen in der Zweiten Liga eine tragende Rolle – wie Moritz Sauter bei Hannings VfL Potsdam.

„Bei Renars und Justus merkt man, dass sie schon in der Bundesliga angekommen sind“, hat Hanning beobachtet. „Nils führt das Spiel hervorragend.“ Aber auch das Torhüter-Duo aus David Späth (Rhein-Neckar Löwen) und Potsdams Lasse Ludwig harmoniert. „Bärenstark“, findet Hanning, „weil sie so unterschiedlich sind. David kommt über die Emotion, Lasse eher über die Sachlichkeit. So etwas kann Turniere entscheiden.“

Die Mannschaft kann aus ihren Fehlern lernen

Genau wie der Heimvorteil, den der deutsche Nachwuchs der Konkurrenz voraushat. „Dazu haben wir die Breite im Kader und Spieler für die besonderen Momente“, weiß Hanning. „Das führt dazu, dass wir erfolgreich sein werden.“

Davon gehen mittlerweile auch die Spieler selbst aus. Nach anfänglicher Zurückhaltung hat die Mannschaft den WM-Titel als Ziel ausgegeben. Warum auch nicht, wenn man bedenkt, mit welcher Souveränität Uscins, Fischer, Lichtlein und Co. durch das Turnier fegen.

Die Mannschaft lernt aus ihren Fehlern, aus ihren Nachlässigkeiten. Als sie das erste Hauptrunden-Spiel gegen Frankreich trotz Sieben-Tore-Führung beinahe aus der Hand gab, weil der Angriff plötzlich zu harmlos daherkam und die Abwehr bröckelte, verstanden die Spieler die Alarmzeichen. In der zweiten Hauptrunden-Partie gegen Kroatien stellten sie ihre Patzer ab. Dafür haperte es dann am Rückzugsverhalten nach Gegenstößen.

EM 2024 und WM 2027 in Deutschland

„Das Problem war, dass wir in der Vorrunde keine Gegner hatten, um Fehler zu kanalisieren“, erklärt Hanning. In der Gruppenphase gab es deutliche Siege gegen Libyen, Tunesien und Algerien. „Das war dann in der Hauptrunde anders. Ich war aber über jeden Fehler froh, den wir gemacht haben.“

Fehler, die das deutsche Team näher an den ganz großen Triumph bringen sollen. „Der Titel wäre ein überragender Start in das Jahrzehnt des Handballs“, sagt Hanning. Die EM der Männer findet im kommenden Januar ebenso in Deutschland statt wie die WM 2027. Das eine oder andere Talent von heute wird dann vielleicht ein Leistungsträger sein.

„Jetzt liegt der maximale Fokus aber erst mal darauf, was in den nächsten vier Tagen passiert“, erklärt Hanning. Danach geht es zum Feiern nach Marbella. Mit Hanning. Der dann aber eher für das ruhige Programm zuständig ist.

Die weiteren Viertelfinals der U21-WM am Donnerstag in der Max-Schmeling-Halle:

Färöer - Serbien (13.15 Uhr)

Island - Portugal (15.45 Uhr)

Ungarn - Kroatien (18.30 Uhr)

Tickets gibt es unter playthefuture23.com