Es wurde gehüpft, gejubelt, und geherzt. Die Freude der deutschen U21-Handballer kannte am Sonnabend keine Grenzen. Von den Rängen der Max-Schmeling-Halle dröhnte es „Finale, oho“ und genau dahin geht’s für den Nachwuchs des Deutschen Handballbundes (DHB). Mit 40:30 (17:15) setzte sich die Mannschaft von Martin Heuberger im Halbfinale gegen Serbien durch und machte damit die Endspielteilnahme perfekt.
„Es war ein hartes Stück Arbeit. Wir sind überglücklich, dass wir das Spiel am Ende sehr deutlich gewinnen konnten“, erklärte der Bundestrainer, „jetzt haben wir unsere Medaille sicher, jetzt kann es nur noch besser werden.“
Der erste WM-Titel seit zwölf Jahren ist das Ziel
Der Weg ins Finale schien schon von Turnierbeginn an vorgezeichnet. Der erste Titel seit zwölf Jahren ist das große Ziel der deutschen Talente, die bislang ungeschlagen sind. Nach drei souveränen Vorrundensiegen gegen die Außenseiter Libyen, Tunesien und Algerien, den anschließenden Hauptrunden-Erfolgen gegen Titelverteidiger Frankreich und den WM-Zweiten Kroatien sowie den Coups gegen Dänemark und nun Serbien ist das DHB-Team der große Turnierfavorit.
„Alles außer Gold wäre für mich eine Enttäuschung“, hatte Bob Hanning, Geschäftsführer des Bundesligisten Füchse Berlin und langjähriger DHB-Vizepräsident, erklärt. Es wäre der dritte Triumph für Deutschland – nach 2009 (in Ägypten) und 2011 (in Griechenland). Bei den Turnieren stand Heuberger an der Seitenlinie.
Der 59-Jährige scheute sich im Halbfinale am Sonnabend nicht, eine unpopuläre Personalentscheidung zu treffen. Torhüter David Späth, der im Viertelfinale gegen Dänemark überragt hatte, saß auf der Bank. Für den 21-Jährigen von den Rhein-Neckar Löwen stand Lasse Ludwig (VfL Potsdam/Füchse Berlin) zwischen den Pfosten.
Kapitän Uscins zum Mann des Spiels gewählt
Und der 20-Jährige wusste seine Chance zu nutzen. Allein in den ersten 15 Minuten parierte Ludwig sieben Mal, war die gesamte Partie über ein sicherer Rückhalt. Ein Baustein, der dazu beitrug, dass sich die Serben vergeblich gegen die Dominanz der deutschen U21 stemmte. „Morgen wird alles reingehauen, um das Ding nach Hause zu holen und Weltmeister zu werden“, freute sich Ludwig nach dem Spiel.
Hinzu kam ein bärenstarker Kapitän Renars Uscins (Hannover-Burgdorf), der mit neun Toren als bester Werfer und Mann des Spiels glänzte. Auch Linksaußen Florian Kranzmann (GWD Minden) erwischte mit acht Treffern einen enorm guten Tag.
Bei den Serben konnte einzig Milos Kos mithalten. Doch auch die neun Tore des wurfgewaltigen Rückraumspielers reichten nicht, um den verdienten deutschen Finaleinzug in Gefahr zu bringen. Zudem musste das Team vom Balkan in der ersten Hälfte die Rote Karte gegen Kreisläufer Luka Rogan – nach einem überharten Einsteigen gegen Nils Lichtlein – verkraften (18. Minute).
Über 5000 Fans bilden Rekordkulisse in der Schmeling-Halle
Das brachte zwar noch nicht die Vorentscheidung, dafür ging dem Team vom Balkan in Hälfte zwei dermaßen die Luft aus, dass sich Deutschland am Ende problemlos absetzen konnte. Die 5206 Fans (Rekordkulisse der bisherigen WM) in der Schmeling-Halle – darunter auch Füchse-Sportvorstand Stefan Kretzschmar und Trainer Jaron Siewert – stimmten schon fast eine Viertelstunde vor Schluss „Oh, wie ist das schön“ an, so überlegen war das DHB-Team den am Ende überforderten Serben.
Für den Verband ist die U21-WM im eigenen Land schon jetzt ein gelungener Start in das selbst ausgerufene „Jahrzehnt des Handballs“ mit den weiteren Highlights Männer-EM 2024, Frauen-WM 2025 und Männer-WM 2027. „Es ist wichtig, dass wir sportlich erfolgreich sind, um eine Euphorie zu entfachen“, sagte DHB-Vorstandschef Mark Schober.
Nur noch wenige Tickets für das Finale zu haben
Das ist dem jungen DHB-Team gelungen. Die Hallen in Hannover, Magdeburg und Berlin waren zu den deutschen Spielen gut besucht. Auch der übertragende TV-Sender Eurosport durfte sich über steigende Zuschauerzahlen freuen – für ein Nachwuchsevent außerhalb des Fußballs eine durchaus beachtliche Zahl.
Und der Höhepunkt wartet am Sonntag ja noch. Für das Finale der deutschen U21 gegen Ungarn (18 Uhr, Eurosport) waren am späten Sonnabend nur noch Stehplatz-Tickets übrig. Die Unterstützung auf dem Weg zum WM-Titel wäre also schon mal gesichert. „Wir wissen, wie es ist, in einem Finale zu spielen“, sagte Kapitän Uscins, „aber mit der Heimkulisse wird es ein riesiges Erlebnis für uns und für den deutschen Handball werden.“
Tickets für das Endspiel sowie die weiteren Platzierungsspiele am Sonntag gibt es noch unter playthefuture23.com


