Handball

Sigurdsson bläst mit den Füchsen zur Aufholjagd

Für Dagur Sigurdsson beginnen die letzten Monate als Füchse-Coach. Nach der erfolgreichen WM will der Isländer den Handball-Bundesligisten zurück in die Erfolgsspur führen. Helfen soll ein Rückkehrer.

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Zugegeben, der Schneefall in Berlin hat sich in diesem Jahr arg in Grenzen gehalten. Wer aber an den spärlich gesäten Tagen, an denen das zarte Weiß den Boden bedeckte, früh auf den Beinen war und zudem etwas Glück hatte, der stieß mitunter auf ein markantes Muster. Die Fuchsspur. Deren Charakteristikum ist die schnurgerade Abfolge der einzelnen Pfotenabdrücke. Beim Anschleichen hinterlässt der Fuchs nur eine gepunktete Linie.

Derart winterliche Beobachtungen sind Dagur Sigurdsson entgangen. In seiner Funktion als Handball-Bundestrainer weilte der Isländer zuletzt im Wüstenstaat Katar, wo er die deutsche Auswahl erst zu beeindruckenden Leistungen und am Ende auf Platz sieben führte.

Trotzdem will Sigurdsson dem Spiel des Berliner Bundesligisten in seinen verbleibenden vier Monaten wieder die Geradlinigkeit des Klub-Wappentiers verpassen. „Die Tabelle lügt nicht“, sagt der 41-Jährige, „mit Platz zehn können wir nicht zufrieden sein.“ Sigurdsson nimmt seine Spieler nach dem Schlingerkurs in der Hinserie in die Pflicht. Vom ganzen Team müsse mehr kommen.

Die Füchse brennen auf Revanche

Ihre Beute haben die Füchse fest im Blick. In der Liga wollen sie auf einen der Plätze klettern, der ihnen die Teilnahme am europäischen Wettbewerb ermöglicht, sprich: Fünfter oder Sechster werden. Dazu kommen die Cup-Wettbewerbe. „Unser Ziel muss es sein, zweimal ins Final Four einzuziehen“, sagt Sigurdson mit Blick auf DHB- und EHF-Pokal.

Zunächst aber kommt am Mittwoch Minden in der Max-Schmeling-Halle (19 Uhr). Ein dankbarer Jahresauftakt, schließlich kämpft der Tabellen-16. gegen den Abstieg. Und: Die Berliner erinnern sich noch gut an das 21:30 im Hinspiel. „Vergessen ist nichts“, sagt Sigurdsson, der angesichts der Blamage aus dem September wenig Mühe haben dürfte, seine Spieler zu motivieren. Die Füchse haben noch eine Rechnung offen. Und zum Start ihrer Aufholjagd erscheint Minden wie ein gefundenes Fressen.

Auf Linksaußen Colja Löffler (Knie-OP) und Abwehrchef Dennis Spoljaric (Hand-OP) müssen die Berliner dabei weiterhin verzichten. Dafür ist ein alter Bekannter zurück. Evgeni Pevnov will helfen, die Füchse wieder in gewohntes Tabellenterrain zu führen. Nach anderthalb durchwachsenen Jahren in Göppingen kehrte der Kreisläufer Anfang Februar nach Berlin zurück.

Dort spielte er schon von 2011 bis 2013. „Es fühlt sich schon wieder etwas heimisch an“, sagt Pevnov. Viel Zeit, um sich zu integrieren, hatte der 25 Jahre alte Deutsch-Russe allerdings nicht. Etwas mehr als eine Woche haben die Füchse trainiert. Noch hake es an einigen Stellen, sagt Pevnov.

Pevnov zurück am Kreis

„Er kennt unsere Spielweise, hat Erfahrung in der Bundesliga und wird nicht lange brauchen, um sich einzugewöhnen“, sagt Sigurdsson – allerdings nicht ohne darauf zu verweisen, dass Pevnov in Göppingen nur die dritte Option am Kreis war. Ein Grund, weshalb die Füchse eine klare Abmachung mit dem 1,98-Meter-Hünen getroffen haben. Er bleibt definitiv nur bis zum Sommer, danach muss er seinen Platz am Kreis für den bereits verpflichteten Spanier Ignacio Plaza Jimenez räumen.

Pevnov allein wird das Füchse-Spiel wohl nicht beflügeln können. Trotzdem gilt der Transfer als „Win-win-Situation“. Pevnov kann sich mit mehr Spielzeit für neue Arbeitgeber empfehlen, und die Füchse haben nach dem Abgang von Jonas Thümmler einen zweiten Mann am Kreis, der Jesper Nielsen entlastet.

Zunächst aber müssen die Füchse ihren Rhythmus finden. Kein einfaches Unterfangen, schließlich weilten neben Sigurdsson auch acht Berliner Spieler in Katar. „Wir hatten nicht viel Zeit“, sagt WM-Fahrer Paul Drux, der sich trotz der Turnier-Strapazen schon wieder im Angriffsmodus befindet. „Gegen Minden haben wir einiges gut zu machen“, sagt der Rückraumspieler, „jeder wird 120 Prozent geben.“ Die Zeit des Anschleichens ist für die Füchse vorbei. Am Mittwochabend müssen sie gnadenlos zum Beutesprung ansetzen.