Handball

Hanning gibt zu: „Wir haben die Wirkung unterschätzt“

Auch in Gummersbach haben die Füchse Berlin verloren. Platz zehn in der Bundesliga, Europapokal in weiter Ferne – da kommt die WM-Pause gerade recht, sich zu erholen. Und über die Gründe des Absturzes nachzudenken.

Foto: Jens Wolf / dpa

Die Füchse Berlin haben im letzten Spiel des Jahres beim VfL Gummersbach den nächsten Rückschlag hinnehmen müssen. Die einzige positive Nachricht nach dem 27:28 (11:17) lautete: Sie haben jetzt Zeit zum Durchatmen, erst am 11. Februar steht in der Handball-Bundesliga das nächste Spiel gegen Minden auf dem Programm. Trainer Dagur Sigurdsson ist derweil in seinem zweiten Job im Einsatz: als Bundestrainer bei der Weltmeisterschaft in Katar (14. Januar bis 2. Februar). In seinem WM-Kader stehen auch die Berliner Silvio Heinevetter und Paul Drux.

Oft fehlte es an Leidenschaft

Wahrscheinlich werden sie alle froh sein, den Klub mal für eine Weile hinter sich lassen zu können. Denn mit einem Blick auf den bisherigen Saisonverlauf fällt die Bilanz am Jahresende nicht berauschend aus. „Wir sind enttäuscht, das muss man klar sagen“, gibt Sigurdsson zu. „Uns hat die Konstanz gefehlt und oft jede Art von Führung“, ergänzt Bob Hanning, der Geschäftsführer.

Natürlich waren die Berliner von Verletzungen gebeutelt. Dass von Beginn an in Bartlomiej Jaszka der Spielmacher und in Denis Spoljaric der Abwehrchef ausfiel, war schlimm genug. Doch es kamen noch Colja Löffler und Pavel Horak hinzu, zuletzt Fredrik Petersen und Konstantin Igropulo. Die kurzfristig neu verpflichteten Kasper Nielsen und Petar Nenadic konnten zwar helfen, gleichwertiger Ersatz waren sie aber nie. Vor allem die Art und Weise einiger Niederlagen überraschte. Gegen Kiel (27:38), Flensburg (27:36), die Rhein-Neckar Löwen (20:30) oder den HSV (25:33) fielen die Berliner regelrecht auseinander. „Zu oft wurden zu wenig Leidenschaft und Herzblut gezeigt“, kritisiert Hanning eine gewisse Selbstzufriedenheit.

Doppelbelastung hat Trainer und Manager zugesetzt

Er übt aber auch Selbstkritik. Die Krux habe schon im Sommer begonnen. Hin- und hergerissen „zwischen Geldverdienen und Trainieren“ sei man gewesen. Um das Budget aufzubessern, wurden viele Freundschaftsspiele abgeschlossen. Es kamen Verletzungsprobleme dazu, man spielte auch noch im Supercup gegen Kiel. „Insgesamt zu viel Spielerei, zu wenig Training“, stellt er im Rückblick fest. Sigurdsson spricht von einer „schweren und kurzen Vorbereitung“.

Und dann die Doppelbelastungen. Sigurdsson und Hanning machen sich um den deutschen Handball verdient, der eine als Bundestrainer, der andere als für den Leistungssport zuständiger Vizepräsident des Deutschen Handballbundes (DHB). Das alles werde schon zu schaffen sein, dachten sie vorher. Heute gibt Hanning zu: „Wir haben die Wirkung unterschätzt.“ Wenn die „beiden leitenden Angestellten“ eines Klubs noch andere Aufgaben zu erledigen haben, entstünde eben doch ein „Substanzverlust“. Da können beide ihren Job bei den Füchsen so engagiert machen, wie sie wollen. „Die Erwartungshaltung in Berlin ist sehr hoch“, hat Sigurdsson erkannt, der nach der Saison nur noch für den DHB arbeiten wird und dann von Erlingur Richardsson als Klubcoach abgelöst wird. Stetig ging es bergauf mit den Füchsen nach ihrem Aufstieg in die Eliteliga 2007.

In DHB und EHF-Pokal gibt es noch Erfolgschancen

Das weckt Erwartungen in einer Stadt, in der die Konkurrenz im Kampf um Zuschauer (Eisbären, BR Volleys, Alba) Titel holt und in der höchsten europäischen Klasse spielt. Hanning: „Im Grunde werden wir dafür bestraft, dass wir mit bescheidenen Mitteln mehr geschafft haben, als eigentlich möglich war.“ Was ist in dieser Saison noch möglich? Hanning hat das Saisonziel, Erreichen eines europäischen Wettbewerbs (Platz fünf wäre dafür notwendig, eventuell reicht Rang sechs), abgeschrieben, Sigurdsson hofft noch. Hanning schaut dennoch mit einem gewissen Optimismus nach vorn. „Wir sollten nicht vergessen, dass wir im Pokal im Viertelfinale stehen und im EHF-Cup die Gruppenphase der besten 16 Teams erreicht haben.“ Die Hoffnung stirbt zuletzt.