Handball

Sensation geschafft - Füchse holen erstmals den Pokal

Ein Traum ist wahr geworden. Final-Four-Neuling Füchse hat zum ersten Mal den DHB-Pokal gewonnen. Die Berliner besiegten im Finale die SG Flensburg-Handewitt. Heinevetter und Igropulo überragten.

Foto: Martin Rose / Bongarts/Getty Images

Silvio Heinevetter hüpfte wie ein Flummi auf dem Parkett auf und ab, er reckte beide Arme hoch und brüllte seine Freude hinaus. Dann kam auch schon Frank Steffel mit wehendem Sakko angestürmt, der Klub-Präsident wurde sofort eins mit der Traube aus laut schreienden und überglücklichen Handball-Spielern. „So sehen Sieger aus!“ schallte es aus den 500 Kehlen der mitgereisten Fans. Die Füchse haben die Sensation geschafft, durch ein 22:21 (11:11)-Sieg im Pokalfinale über die SG Flensburg-Handewitt haben sie beim Final Four in der Hamburger O2 World vor 12.850 Zuschauern ihren ersten Titel der Vereinsgeschichte gewonnen.

Während die Mannschaft ausgelassen mit ihren Fans den Coup feierte, saß Bob Hanning ganz ruhig auf der Bank. Mit einem Lächeln beobachtete der Geschäftsführer das bunte Treiben seiner Spieler, nahm immer wieder Glückwünsche entgegen. „Das ist der Wahnsinn und die Krönung unserer Arbeit“, sagte Hanning und platzte beinahe vor Stolz. „Wir haben eine maximale Bereitschaft gezeigt und das Wort Leidenschaft neu definiert. Ich bin überglücklich.“

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Glückwünsche kamen kurz nach dem Abpfiff auch aus der Heimat. „Die gesamte Sportmetropole Berlin freut sich mit der Mannschaft und dem Klub. Die Füchse haben nun endgültig gezeigt, dass sie zu einer Spitzenmannschaft herangewachsen sind, die auf weitere große Erfolge hoffen kann“, so der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit.

Feier-Marathon nach dem Glitzerregen

Als hätten sie nicht gerade 60 kräftezehrende Minuten Hochleistungssport hinter sich gebracht, sprangen die Berliner Champions wenig später leichtfüßig auf das Siegerpodest. Und dann kam er, der große Moment, als Kapitän Iker Romero die silberne Trophäe in die Höhe stemmte. Im Glitzerregen griff jeder Berliner nach dem Pokal und küsste ihn liebevoll. Rasch wurden noch Silvio Heinevetter als bester Torhüter des Turniers und Konstantin Igropulo als bester Torschütze (insgesamt 16 Tore) gekürt, dann startete der lange Feier-Marathon der Berliner. Er begann im Hamburger Restaurant „Vito“, wo es Antipasti a la Bob gab. Die Vorspeise hatte der Manager einst selbst in seiner Hamburger Zeit kreiert. Später ging es mit dem Zug zurück nach Berlin.

Während sich die Füchse-Spieler nun endlich auch das Siegerbier schmecken lassen durften, fiel immer wieder ein Wort. „Sensation“, sagte Torwart Heinevetter, „jeder, der das Spiel gesehen hat, weiß, dass das eine Sensation war.“ Einfach geil sei es, jetzt mit den Füchsen den ersten Titel gewonnen zu haben, sagte der im Finale (mal wieder) überragende Torhüter. Ein Extralob verteilte „Heine“ an seinen Kapitän Iker Romero: „Unser weiser Kapitän hat vor dem Spiel gesagt: Heute gibt es nicht 16 Spieler, sondern nur einen Spieler – und der heißt Füchse Berlin.“

Triumph einer ein eingeschworenen Mannschaft

In der Tat war der Sieg über Flensburg ein Triumph einer eingeschworenen Mannschaft. „Das war eine gigantische Leistung von unserer Mannschaft“, sagte denn auch Trainer Dagur Sigurdsson, „wir haben Typen dabei, die für diese Sportart unglaublich sind. Wir wurden immer stärker.“ Der Isländer dankte „gewissen Leuten, allen voran Bob Hanning, dazu kommt der ganze Trainerstab, die Geschäftsstelle, einfach die ganze Füchse-Familie hat Anteil an dem Erfolg. Wir haben mehrere Jahre hart gearbeitet, dafür will ich mich bedanken.“

Zunächst hatte es im Finale gar nicht nach einem Erfolg der Berliner ausgesehen. Rasch lagen sie 2:7 (12. Minute) hinten. Zwar kam Heinevetter mit starken Paraden (insgesamt 20) immer besser in Fahrt, aber Favorit Flensburg dominierte das Geschehen. Doch die Füchse steckten nicht auf, sie warfen sich in jeden Ball, kämpften um jeden Millimeter. Ihr Engagement wurde belohnt, Mattias Zachrisson gelang der Ausgleich zum 8:8 (21.). Einen Super-Sahnetag hatte Konstantin Igropulo erwischt. Der Russe traf, wie er wollte, er hatte schier unendliche Kraft in seinem linken Wurfarm. Insgesamt versenkte er neun Mal den Ball im Flensburger Tor und ebnete damit den Pokalsieg der Berliner.

Nur anfangs dominiert Flensburg

Die jungen Füchse wie Fabian Wiede und Paul Drux kamen im Endspiel nicht ganz so groß raus wie noch tags zuvor im Halbfinale. „Aber dafür haben sie uns am Sonnabend gerettet“, sagte Heinevetter und lobte Igropulo. „Unglaublich, was er alles getroffen hat.“

„Dieser Titel tut uns so gut“, sagte Hanning und lachte: „Auch wenn wir jetzt Geld für neues Briefpapier ausgeben müssen. Für unsere Außendarstellung in einer Stadt wie Berlin ist der Pokalsieg enorm viel wert. Wir haben gezeigt, dass wir es können.“ Und Iker Romero? Der Spanier hatte sich so sehnlichst in seiner letzten Saison für die Füchse einen Titel gewünscht. Und dann ergreift er seine Chance: Mit einem unwiderstehlichen Hüftwurf bringt er die Füchse zwei Minuten vor Schluss mit 22:21 in Führung. Dann die letzte Parade von Heinevetter. Wieder hat Romero den Ball. Er prellt die Kugel, guckt sich um – und die Sekunden laufen herunter. 3, 2, 1 – die Füchse sind Pokalsieger.lücklichen Ende für Berlin.