Eishockey

Die Eisbären haben schon Sommerferien

Die Berliner scheiden nach der 2:3-Pleite im siebten Viertelfinalspiel gegen Köln im Titelkampf aus und haben jetzt eine lange Pause.

Berlin.  Er wirkte gefasst. Mit ruhigen Worten erzählte Uwe Krupp, wie er die Erlebnisse der vergangenen Tage einordnet. Aus der Kabine der Kölner Haie waren derweil Jubelschreie zu hören. In der Umkleide von Krupps Team herrschte Stille. „Im Moment überwiegt bei allen die Enttäuschung“, sagte der Eisbären-Trainer am Montag. Einige Tage wird dieser Zustand noch anhalten.

Gleichzeitig beginnt die Zeit der Analyse. Ausgeschieden im Viertelfinale der Deutschen Eishockey Liga (DEL) sind die Berliner. Mit 3:2 hatten sie in der „Best of seven“-Serie gegen die Rheinländer geführt, statt den entscheidenden Sieg zu holen, folgten zwei Niederlagen.

Die letzte davon zu Hause vor 12.443 Zuschauern in der Mercedes-Benz Arena beim 2:3 (0:1, 2:1, 0:0). Mit 0:3 lagen die Eisbären bereits zurück. „Man hat viel Charakter in der Mannschaft gesehen“, fand Kapitän André Rankel. Für den Einzug in das Halbfinale genügte das aber nicht.

„Köln macht die Tore, wir brauchen zu viele Chancen“

Am Ende war es wie so oft in der Serie. Verteidiger Jens Baxmann fasste es gut zusammen: „Köln macht die Tore, wir brauchen zu viele Chancen.“ Das Spiel zeigte symptomatisch, was für die Eisbären funktionierte gegen die Haie und was nicht.

Zwar durften sich die Berliner einmal mehr für die bessere Optik ihrer Darbietung gratulieren lassen, nur blieben die Eisbären eben zu oft im Viertelfinale eine Mannschaft, die hübsch spielt, aber nicht effektiv genug ist.

„In manchen Momenten sind wir zu sehr angerannt, wollten mit Kopf durch die Wand. Köln war sehr schlau“, resümierte Rankel. Besonders Spiel sechs in Köln tat weh, weil der EHC absolute Dominanz zelebrierte im zweiten Drittel, aber die Haie eine Chance nutzten und das Spiel änderten (1:5). „Wir hätten es da entscheiden können“, so Rankel.

Die Gäste lagen 3:0 in Führung

Als geduldige und selbstbewusste Truppe sahen sich die Berliner, die erstmals in einem siebten Spiel einer Serie standen, danach weiterhin. Aber sie hatten eben auch ein Problem mit der Kölner Spielweise. „Sie haben sehr gut verteidigt“, sagte Rankel.

Wie in allen Partien zuvor gab auch diesmal der erste Treffer die Richtung vor. Patrick Hager setzte sich allein gegen Mark Olver und Petr Pohl durch (6.), die zuvor einen Konter schlecht abgeschlossen hatten (3.). Die Führung passte den Kölnern bestens ins Konzept, sie konnten die Berliner nun kommen lassen.

Deren Einfallsreichtum hielt sich in Grenzen, selbst eine doppelte Überzahl für 80 Sekunden verstrich ohne große Aufregung. Das Powerplay erwies sich damit einmal mehr als Schwachpunkt der Eisbären, während die Haie diesen Vorteil nutzten, als es darauf ankam. Philip Gogulla traf mit einem Mann mehr zum 2:0 für die Kölner (32.).

Eine Reihe guter Chancen im letzten Drittel

Als es kurz darauf nach einem Konter, bei dem Eisbären-Verteidiger Frank Hördler den Puck ins eigene Tor drückte, 0:3 hieß (34.), hatte sich die Saison der Berliner im Prinzip erledigt. Doch da Micki DuPont mit einem Schlagschuss in Überzahl die Barriere durchbrach (37.) und Mark Olver einen Schuss von Hördler ins Netz lenkte (39.), war überraschend schnell der 2:3-Anschluss hergestellt.

In das letzte Drittel starteten die Eisbären, deren bester Punktesammler Florian Busch kurzfristig mit Grippe ausfiel, mit einer Reihe guter Chancen. Sie ließen sich jedoch erneut dazu verleiten, zu viel um das Tor herumzuspielen, statt den direkten Weg zu nehmen.

Es war einer der entscheidenden Faktoren in der Serie, den Berlinern mangelte es an Zielstrebigkeit und Durchsetzungsvermögen vor dem streng bewachten Kölner Tor. „Man muss die Mannschaft loben, sie hat mit viel Einsatz und Engagement gespielt“, sagte Krupp dennoch.

Schwächen in der Topreihe

Er mochte da auch seine Topreihe mit Darin OIver, Marcel Noebels und Barry Tallackson nicht ausnehmen. Nur einmal in sieben Partien demonstrierte diese ihre Gefährlichkeit. „Sie hatten nicht so einen Lauf wie zu anderen Saisonphasen“, so der Trainer. Abstriche bei der Disziplin sorgten in einigen Partien ebenso dafür, dass die Eisbären nicht erfolgreicher aus dem Duell mit den Kölner Haien hervorgingen.

Von einem allgemeinen Standpunkt aus betrachtet sah Krupp eine „gute Serie, die eine enge Angelegenheit war“. Mit der guten Hauptrunde, die auf Platz zwei endete, fließt auch etwas Positives in die spezifische Auswertung der Eisbären ein.

Für den Moment aber war das noch weit entfernt. „Wenn du das letzte Spiel nicht gewinnst, hat alles einen faden Beigeschmack. Mit dieser Mannschaft war mehr drin, als im Viertelfinale auszuscheiden. Diesen Schuh müssen wir uns anziehen.“ Die richtigen Schlüsse müssen im Sommer auch gezogen werden.