Erst war Darin Olver dran – und es sah fast so aus, als wollte er bis zum Himmel springen nach seinem Treffer. Wenig später zielte Marcel Noebels ins Netz, sein Jubel mit viel rotierender Faust verriet ebenso Erleichterung. In wichtigen Spielen gehören große Gesten natürlich dazu. Die beiden trugen mit ihren Toren dazu bei, dass der EHC Eisbären zum dritten Mal im Viertelfinalduell mit den Kölner Haien als Sieger vom Eis ging. Nach dem 4:1 (1:1, 1:0, 2:0) am Gründonnerstag liegen die Berliner in der „Best of seven“-Serie mit 3:2 vorn und können am Sonnabend in Köln in das Halbfinale der Deutschen Eishockey Liga (DEL) einziehen (17.30 Uhr, ServusTV).

Olver und Noebels gehören nicht zu denen, die sich nur selten über eigene Eintragungen in der Scorerliste freuen dürfen. Sie sind routinierte Spielentscheider. Doch in Partie fünf in Berlin war es nicht nur das Entzücken über den Anteil an einem wichtigen Erfolg, das beide etwas mehr aus sich herausgehen ließ als sonst. Noebels und Olver bilden zusammen mit Barry Tallackson mit toller Chemie und viel Verständnis für das Spiel des Nebenmannes die Topreihe der Eisbären – und von der war bislang im Play-off nicht das zu sehen, was man von ihr gewohnt ist.

„Dass wir bis jetzt nicht getroffen hatten, war nicht so schön“, sagte Noebels. Das musste raus auf dem Eis. An erster, zweiter und dritter Stelle der EHC-Rangliste lagen Olver (40 Scorer-Punkte), Tallackson (38) und Noebels (33) nach der Hauptrunde. Es fällt in ihren Verantwortungsbereich, die Eisbären anzuführen. „Die Mannschaft braucht alle vier Sturmreihen, aber besonders uns“, so Noebels. Doch im Viertelfinale traten die drei bislang kaum in Erscheinung, blieben vier Spiele ohne Tor und Vorlage. Jetzt steht nur Tallackson noch mit zwei Nullen in der Statistik. Aber die Treffer von Olver und Noebels helfen allen dreien.

Rankel: "Das war wichtig für uns alle“

Gerade Olver ist jemand, der wegen seines Ehrgeizes leidet, wenn es bei ihm nicht läuft. „Das freut mich für Darin, dass er endlich sein Tor hat. Das war wichtig für uns alle“, sagt Kapitän An­dré Rankel, der früh zum 1:0 getroffen hatte. Wichtig war vor allem, dass das Tor in Überzahl fiel. Die hatte bisher nicht funktioniert gegen die Haie. Doch nun, in einem engen Spiel, das lange 1:1 stand, lenkte Olver einen Schuss von Micki DuPont kurz vor Ende des zweiten Drittels zum 2:1 ins Netz. „Dadurch, dass wir jetzt spielentscheidend waren, haben wir natürlich Selbstvertrauen getankt“, so Noebels, der nach Florian Buschs 3:1 den Endstand herstellte.

Zwar fehlte den Eisbären die Ausbeute der Topreihe zuvor, als gravierender Nachteil erwies sich das jedoch nicht. „Ich bin froh, dass wir genug Spieler haben, die es auch können“, sagt Noebels. Kollegen wie Mark Olver, Busch und Rankel übernehmen den Part. Die Ausgeglichenheit der Eisbären hilft über Flauten der Topscorer hinweg. „Wir haben die Tiefe im Kader, um mit vier Reihen durchzuspielen und Köln zu schlagen“, sagt Noebels. Die Haie agieren verletzungsbedingt oft mit drei Reihen, das machte sich nun bemerkbar. „Wir haben keine Antwort gefunden für den Druck der Eisbären. Uns fehlte die Energie, um nachzusetzen“, sagte Haie-Trainer Cory Clouston. Sein Team ließ die Eisbären oft gewähren, stand viel in der eigenen Zone und schaffte es selten mal vor das Tor der Berliner.

Für die Partie am Sonnabend bedeutet das zunächst nichts. Die Haie werden sich gegen das Saisonende wehren. „Man darf nicht blind reinrennen und muss alles mit System machen. Das wird ein sehr, sehr enges Spiel“, ahnt Kapitän Rankel. Mit der Unterstützung der Topreihe wäre es leichter, diese Prüfung zu bestehen. „Wir haben endlich einfach gespielt, nicht so viel nachgedacht. Das hat ganz gut geholfen. In Köln können wir gern noch mal so einen Abend haben“, so Noebels. Wollen die Eisbären weit kommen im Play-off, muss die Topreihe ihr Niveau fraglos konstanter abrufen.