Dieses Bild war selten. Nach dem Spiel kamen die Profis des EHC Eisbären in Trainingsanzügen geschlossen aus der Kabine und machten sich auf den Weg. Auslaufen. Für einen Moment mochte man denken, dass dies eine Reaktion auf das Resultat zuvor sein könnte. In Spiel sechs des Viertelfinales der Deutschen Eishockey Liga (DEL) hatten die Berliner die Chance, in das Halbfinale einzuziehen. Zeitweise sah es auch so aus, als seien sie dabei nicht aufzuhalten.

Doch die Zahlen lasen sich am Ende ganz anders. Mit 1:5 (0:1, 1:1, 0:3) verloren die Eisbären bei den Kölner Haien, die „Best of seven“-Serie steht damit 3:3 und geht am Ostermontag in Berlin in das Endspiel (14.30 Uhr, ServusTV). „Auslaufen ist wichtig für die Regeneration, und wir wollen gut regeneriert in Spiel sieben gehen“, sagte EHC-Trainer Uwe Krupp. Die kleine Runde war lange geplant, keine kurzfristige Strafaktion.

Berliner vergeben im zweiten Drittel zu viele Chancen

Manchmal entwickeln sich scheinbar kleine Dinge zu Gesetzmäßigkeiten. Wer das erste Tor schießt, der gewinnt offenbar die Duelle zwischen den Eisbären und den Haien. Auch zum sechsten Mal hatte diese Regel Bestand. Obwohl die Berliner im zweiten Abschnitt so spielten, als würden nur sie die Sieger sein können. „Druck ist keine Garantie für Erfolg“, so Krupp nüchtern. Er musste einiges an Frust runterschlucken, zumindest nach außen. Im Kabinengang standen Peter John Lee, der Manager der Eisbären, und Sportdirektor Stefan Ustorf mit leerem Blick. Als könnten sie nicht fassen, was da gerade passiert war.

Es durfte niemanden überraschen, dass die Haie mit einigem Elan aus der Kabine kamen. Zwar wirkten die Rheinländer zwei Tage zuvor in Berlin beim 4:1 der Eisbären ein wenig ausgelaugt, diesen Eindruck widerlegten die Kölner im Angesicht der letzten Chance jedoch. Ihr Tempo beeindruckte in den ersten 20 Minuten. Schon nach 61 Sekunden war ein Schuss von Fredrik Eriksson im Tor von EHC-Goalie Petri Vehanen gelandet.

Der Finne zwischen den Pfosten der Eisbären erlebte einen aktionsreichen Spielbeginn, denn die Kölner suchten viele Abschlüsse. Dagegen setzten die Berliner auf eine kontrolliertere Angriffsvariante, sie warteten auf die beste Gelegenheit. Die allerdings ergab sich kaum, im ersten Drittel kamen die Eisbären daher nicht zu nennenswerten Chancen.

Doch die Partie verlagerte sich. Es schien, als hätten die Haie alles in den ersten Durchgang gelegt und mit ihrem dezimierten Kader dabei zu wenig herausgeholt. Während die Eisbären weiter mit hoher Geschwindigkeit spielten, kamen die Gastgeber nur noch per unerlaubtem Weitschuss zu Entlastung. Petr Pohl glich für den EHC aus (23.), reihenweise tauchten die Berliner anschließend vor dem Kölner Tor auf. Wie in Überzahl bewegte sich der Puck trotz gleicher Spieleranzahl nur noch im Angriffsdrittel des EHC.

Doch auch die Berliner nutzten ihre extreme Überlegenheit nicht, scheiterten immer wieder an Torhüter Gustaf Wesslau. Der hatte im zweiten Drittel 16 Schüsse abgewehrt, als die Haie gerade erst drei abgegeben hatten. Doch der vierte, ein Konter, platzte mit lautem Knall in die Eisbären-Dominanz. Denn Torsten Ankert traf zum 2:1 für die Haie (38.). Verlauf und Resultat des zweiten Abschnitts hätten nicht gegensätzlicher sein können. „Die Serie hat gezeigt, dass die Kölner immer gefährlich sind“, so Krupp.

Die Berliner mussten ihre Verschwendung noch teurer bezahlen. In der Wut des Augenblicks spielten sie noch gewagter, riskierten auch in den Zweikämpfen zu viel. Strafzeiten des EHC gaben den Kölnern in der Folge schnell noch mehr Auftrieb. Eine Mannschaft, die stehend k.o. war, konnte somit die Partie wieder an sich reißen. Alexander Sulzer traf in Überzahl zum 3:1 für die Haie (43.). Da zwei Tore im Eishockey schnell aufzuholen sind, drängten die Berliner weiter bedingungslos nach vorn. Zwei Konter später stand es 1:5, Johannes Salmonsson (53.) und Philip Gogulla (55.) sorgten für ein Endergebnis, das den Spielverlauf nur unzureichend wiedergibt.

Damit ist die Serie zwischen den Eisbären, die am Montag wieder Verteidiger Milan Jurcina nach seiner Sperre einsetzen können, und den Kölner Haien die letzte, die im Viertelfinale der DEL noch läuft und die einzige, die in eine siebte Partie geht. „Das sitzt nicht im Kopf, es ist egal, wie ein Spiel ausgeht“, sagte Verteidiger Constantin Braun zur vorerst vergebenen Chance.