Berlin

Berlin-Marathon – Die beiden schnellsten Läufer liefern sich ein Duell

Weltrekordler Patrick Makau und sein Herausforderer Wilson Kipsang sind die großen Stars beim 40. Berlin-Marathon im September. Auf der 42,195 Kilometer langen Strecke peilen sie neue Bestzeiten an.

Foto: Wolfgang Kumm / picture alliance / dpa

Die Augen von Wilson Kipsang blitzen, wenn er nur daran denkt. „Das wird ein harter Kampf“, sagt der kenianische Läufer mit Blick auf den 29. September. „Aufregend“ werde es an diesem Sonntag werden. Was den 31-Jährigen umtreibt, ist der Marathonlauf in Berlin. Denn dort kommt es zum Aufeinandertreffen von Kipsang und seinem Landsmann Patrick Makau, dem Weltrekordinhaber über die 42,195 Kilometer lange Strecke.

„Das ist ein echtes Highlight“, sagt Renndirektor Mark Milde nicht ohne Stolz. Denn es kommt sehr selten vor, dass sich die zwei Schnellsten über die Königsstrecke direkt gegenüberstehen. Gern gehen sich die großen Stars aus dem Weg. Nicht so beim Berlin-Marathon 2013. Patrick Makau (28), der seit dem 25. September 2011 den Weltrekord mit 2:03:38 Stunden hält (aufgestellt in Berlin), gegen Wilson Kipsang, der beim Frankfurt-Marathon fünf Wochen später nur vier Sekunden langsamer war.

Makau hat bisher sechs Rennen in Berlin gewonnen

„Ich will seine Siegesserie in Berlin brechen“, sagt Kipsang. Die Straßen der Hauptstadt sind bisher Makaus Revier. Sechsmal ist er in Berlin gestartet – je zweimal über 25 Kilometer, beim Halbmarathon und Marathon – und hat sechsmal gewonnen.

Generalstabsmäßig wird das Unternehmen von Kipsang und seinem Management vorbereitet. Gestern war der Kenianer in der Stadt und ließ sich die Strecke genau zeigen. Mitgebracht hatte er seinen Landsmann und Freund Geoffrey Mutai, der im vergangenen Jahr in Berlin gewonnen hatte. „Andere Pläne“ habe er dieses Jahr, erzählt Mutai. Zwar will er nichts verraten, aber wahrscheinlich wird er in diesem Herbst in New York laufen. Da er aber bei derselben holländischen Agentur (Volare Sports) unter Vertrag steht und eben die Strecke aus eigenem Erleben kennt, war er zur Besichtigungstour gleich mitgekommen. „Das hilft mir sehr“, freut sich sein Kumpel Kipsang über die wertvollen Hinweise seines Landsmannes.

Auch Mikitenko und Fitschen dabei

Wenn die beiden Schnellsten der Welt gegeneinander laufen, fällt natürlich gleich das Wort Weltrekord. Um so mehr, weil in Berlin gelaufen wird, wo die ebene Strecke prädestiniert ist für schnelle Zeiten. Bei dieser Frage lacht Kipsang. „Klar, dass das kommen musste…“ Er will sich aber nicht auf eine Prognose einlassen, „weil so viel passieren kann und zu einem Zeitpunkt alles zusammenpassen muss“. Sein Ziel lautet: „Ich will meine Bestzeit unterbieten.“ Was ja dann wohl auf einen Rekord hinauslaufen würde…

Nicht rekordverdächtig, aber dennoch sehr beachtenswert sind drei weitere Personalien. In Florence Kiplagat (Kenia) wird die Siegerin des Berlin-Marathons von 2011 am Start sein. Aber der Marathon 2013 wird nicht nur international, sondern auch national sehr stark besetzt sein. Die Veranstalter haben Jan Fitschen (36), den ehemaligen Europameister über 10.000 Meter, ebenso verpflichtet wie Irina Mikitenko. Die 40-Jährige gewann unter anderen 2008 in Berlin und sicherte sich 2008 und 2009 jeweils den Jackpot der World Marathon Majors (dotiert mit 500.000 Dollar).

Startplätze waren in dreieinhalb Stunden vergeben

Die Deutschen erzielten ihre Bestzeiten auf der Berliner Strecke: Mikitenko 2008, als sie deutschen Rekord lief (2:19:19), Fitschen 2012, als er eine persönliche Bestzeit aufstellte (2:13:10). Irina Mikitenko will nun im September den Masters-Weltrekord (Altersklasse über 40 Jahre) angreifen, der bei 2:25:43 steht, während Jan Fitschen versuchen wird, seine Bestzeit zu unterbieten.

Das besondere Flair des Berlin-Marathons macht auch die Kombination aus Spitzen- und Breitensport aus. Bei den Profis sind immer Weltklasse-Athleten am Start, die breite Masse erfreut sich an der Sightseeing-Tour vorbei an den Sehenswürdigkeiten der Stadt. Und der Boom ist ungebrochen: Innerhalb von dreieinhalb Stunden waren alle 40.000 Startplätze für Läufer vergeben.

Läufer und Trainer in einem

Doch im Mittelpunkt des Interesses wird natürlich das Duell zwischen Makau und Kipsang stehen – der Marathon-Gipfel von Berlin.

Bis eine Woche vor dem Rennen wird sich Kipsang in Eldoret im kenianischen Hochland vorbereiten. Dann will er nach Berlin kommen. In der momentanen Trainingsphase, so berichtet Kipsang, kommt er auf ein Wochenpensum von „nur“ 150 bis 160 Kilometer. „Aber von jetzt an wird das gesteigert.“ Da können dann bis zu 200 Kilometer wöchentlich zusammenkommen.

Einen extra für ihn abgestellten Trainer hat er nicht. Er übt gemeinsam mit seinem Freund Mutai. „Self-coaching“, sagen die beiden und grinsen um die Wette. Sie würden sich austauschen und hätten ja auch schon genügend Erfahrung, was für sie gut ist und was nicht. Viele würden das allein nicht schaffen, „aber für uns ist das kein Problem“, erklären sie unisono. Am 29. September wird man sehen, ob Wilson Kipsang wirklich richtig trainiert hat.