Wenn im dänischen Herning die Handballparty steigt, wird das vermutlich auch noch in der knapp 300 Kilometer entfernten Hauptstadt Kopenhagen registriert. Denn alle, die sich am Montagabend nach sieben Minuten noch auf ihren hölzernen Sitzen befanden, als Mathias Gidsel letztmalig in dieser Partie einen Rückstand der Weltauswahl egalisierte, spürten nun auch, wie die Jyske Bank Boxen zu beben begann. Ständige Besucher der größten Halle im mittleren Jütland kann das nicht beunruhigen, es herrscht ja immer weiß-roter Ausnahmezustand, wenn die Dänen in ihrer Boxen spielen. Immerhin: Die Hölle von Herning wie beim 30:40 der Vorjahres-WM erlebten die deutschen Gegenüber am Montagabend erst in den letzten 20 Minuten.

Handball-EM: Gislason überrascht mit Späth statt Wolff zwischen den Pfosten

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Das Vibrieren großer Tribünenteile hat den Fans der deutschen Mannschaft auf einschüchternde Weise vermittelt, wie sich die Nationalspieler über weite Strecken der 60 Minuten gefühlt haben müssen. Die paar DHB-Anhänger, die eine Karte für eines der besten Spiele dieser Europameisterschaft ergattern konnten, wurden vom dänischen Freudentaumel verschluckt. Auch wenn es das Ergebnis nach 30 Minuten nicht direkt erahnen ließ: Genauso erging es den Mannen von Bundestrainer Alfred Gislason, der auf seine etatmäßigen Außen Lukas Mertens sowie Lukas Zerbe verzichten musste und mit David Späth zwischen den Pfosten überraschte. Mit dem 26:31 (12:13) gegen das Über-Team des Welthandballs verspielte Deutschland die erste Chance aufs EM-Halbfinale. Das Gute: Am Mittwoch (18 Uhr/ZDF) gegen Frankreich haben Kapitän Johannes Golla und Kollegen noch eine. Und dann genügt sogar ein Unentschieden zum Einzug in die Medaillenrunde.

Deutschland - Dänemark
Auch auf ihn ist Verlass im Tor: Wolff-Vertreter David Späth.© dpa | Schuldt

Alle hatten mit dem Duell der besten Torhüter des Turniers gerechnet – Andreas Wolff auf der deutschen und Knuddel-Keeper Emil Nielsen auf dänischer Seite. Auf den 22-Paraden-Wolff aus dem Norwegen-Spiel zu verzichten, erhöhte nicht gleich die deutschen Chancen. Doch Späth führte sich gut ein, hielt gleich mal gegen Gidsel und Simon Pytlick und kam bis zur 50. Minute insgesamt auf neun Paraden. Doch gegen die „vielleicht beste Mannschaft der Geschichte“ (Gislason) wäre mehr nötig gewesen. „Man kann den Dänen nur auf eine Art Paroli bieten: Wenn du hinten richtig hart bist und vorne konsequent und eiskalt“, so Wolff. Die Anweisung hatten die Kollegen durchaus mit aus der Kabine genommen, und doch spielte das deutsche Team eine Halbzeit lang (diesmal die zweite) wie schon gegen Portugal und Norwegen zu fahrig und überhastet bei der Wurfauswahl.

Handball-EM: Deutschland findet gegen Gidsel keine Mittel

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Daran änderten auch die sechs Treffer von Renars Uscins nichts, Deutschlands treffsicherstem Torschützen vor Marko Grgic (4) und Julian Köster (4). „Wir können uns in jedem Spiel irgendwie immer darauf verlassen, dass einer kommt und den Karren aus dem Dreck zieht“, sagte der erneut indisponiert wirkende Dänemark-Legionär Juri Knorr. Die DHB-Defensive fand zwar kaum legale Mittel gegen Gidsel (acht Tore), lange Zeit aber gegen die anderen Dänen-Stars. Deshalb hätte Nils Lichtlein zur Pause noch viel gelöster Gislasons Anweisung („Wir werden ausgepfiffen werden und müssen das genießen“) umsetzen können: Doch der dritte Siebenmeter des Mittelmanns klatschte an den Pfosten – 12:13.

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Den Ausgleich holte Marko Grgic, der Matchwinner gegen Norwegen, zwar noch nach. Doch die achtminütige Durststrecke der Hausherren sollte danach auch schnell beendet sein. Das Gislason-Team versuchte daraufhin, den portugiesischen Vorrunden-Coup gegen Dänemark zu kopieren, und packte die Axt aus. Eine Serie von Zeitstrafen gegen Rune Dahmke, Jannik Kohlbacher und Grgic sowie Nielsens 13 Paraden und Pytlicks acht Tore brachten den viermaligen Weltmeister in die richtige Spur und sicher ins Halbfinale.

Handball-EM: Gegen Frankreich reicht ein Unentschieden fürs Halbfinale

Mit ein bisschen Raffinesse hätten sich die Dänen angesichts ihrer Spielkontrolle einen großen Konkurrenten auf dem Weg zum ersten EM-Titel seit 2012 vom Hals schaffen können: Ein Unentschieden gegen Deutschland nämlich, und Frankreich hätte das Halbfinale nur noch als Zuschauer erleben können. So bleibt das 32:36 gegen Spanien ein folgenloser Ausrutscher, der nur für das Gislason-Team am Mittwoch Auswirkungen hat: Die französischen Kanoniere, die schon mehrere Torrekorde bei dieser EM gebrochen haben, müssen unbedingt gewinnen, Deutschland genügt ein Punkt für das Halbfinale. Gut möglich, dass die dänischen Zuschauer dann sogar zu Ehren des Nachbarn die Jyske Bank Boxen beben lassen würden.

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