Es war ja nicht so, als hätten sie damit rechnen müssen. Aber es kam in der Vorstellung der deutschen Handballer nach der ersten Halbzeit eigentlich nicht mehr in den Bereich des Möglichen. 17:13 hatte die Mannschaft von Bundestrainer Alfred Gislason zur Pause des zweiten EM-Vorrundenspiels gegen Serbien geführt, den Gegner vollständig im Griff, sie war richtig ins Rollen zu kommen. Doch was die Spieler nach weiteren 30 Minuten bedröppelt durch die Mixed-Zone der Jyske Bank Boxen von Herning schleichen ließ, war nicht weniger als ein Offensivkollaps. Mickrige zehn Tore, dazu unzählige Abspielfehler und Unsicherheiten bei eigenem Ballbesitz, letztlich eine 27:30-Pleite (Der Live-Ticker zum Nachlesen) – und ein Missgeschick, das Alfred Gislason wohl so auch noch nicht widerfahren ist in seiner langen Trainerlaufbahn.

Handball-EM: Gislasons nimmt Patzer voll auf seine Kappe

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Die irre Szene spielte sich in der 58. Minute ab. Deutschland war schon lange im Ballbesitz trotz auslaufender Unterzahl wegen einer Zweiminutenstrafe gegen Julian Köster. Juri Knorr bekam am Kreis ein Anspiel, hob und setzte zum Wurf an. In Dänemark gibt’s keinen Kölner Keller, sehr wohl aber einen Videobeweis am Spielfeldrand, der die bittere Ahnung bestätigte: Knorr brachte den Ball zwar im Tor der Serben unter, doch 0,1 Sekunden vorher hatte Gislason den Timeout-Buzzer gedrückt. Der 66 Jahre alte Isländer war zur Spielfeldmitte gelaufen und löste die Sirene aus. Statt des 26:26 also doch nur 25:26 – und danach lief gar nichts mehr aus deutscher Sicht.

Handball-EM - Serbien - Deutschland
Der war doch drin: Juri Knorr (weißes Trikot) reklamiert den Treffer für sich. Die Schiedsrichter nehmen das 26:26 aber wieder zurück, die Timeout-Sirene war zuvor ertönt.© Sina Schuldt/dpa | Sina Schuldt

Was war passiert? „Wir waren gerade vollzählig, ich habe das falsch eingeschätzt“, sagte Alfred Gislason nachher zur Erklärung. „Ich habe nicht gesehen, dass Juri durch ist. Ich hatte eher Angst, den Ball zu verlieren, wo wir gerade vollzählig sind.“ Die Entscheidung ging nach hinten los: „Ich habe gezockt und gedacht, es wäre schlauer, das Timeout zu nehmen, als den Ball durchgehen zu lassen. Das geht komplett auf meine Kappe.“

Knapp zur Situation bei Handball-EM: Deutschland „mit Rücken zur Wand“

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Aus dem Spielerkreis keine Anschuldigungen an den Bundestrainer. „Das ist super unglücklich, passt ein bisschen zur zweiten Halbzeit. Kein Vorwurf an den Trainer, das kann immer passieren“, meinte Miro Schluroff, der wie Renars Uscins sechmal traf. „Sehr, sehr bitter“, sagte der nur bei zwei von fünf Versuchen erfolgreiche Rückraumgestalter Köster. „Aber wir müssen das akzeptieren.“ Akzeptieren, dass „wir mit dem Rücken zur Wand stehen“, sagte Juri Knorr, der fünf Tore erzielt hatte. Am Montag (20.30 Uhr/ZDF) trifft Deutschland auf das bisher zweimal erfolgreiche Spanien, muss dringend gewinnen. „Respekt an die Serben, wie sie gespielt haben“, sagte DHB-Kapitän Johannes Golla. „Aber es ist nicht so, dass wir jetzt aus allen Wolken fallen. Wir müssen gewinnen und werden alles dafür tun.“

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