Bundesliga

Union-Trainer Düwel erhöht den Druck auf die Spieler

Der Coach des Berliner Zweitligisten sieht den Kader gut aufgewertet. Nun beginnt die Suche nach seiner Stammelf.

Norbert Düwel sendete das Signal aus, die Schlagzahl zu erhöhen. Das dürfte bei seinen Spielern angekommen sein

Norbert Düwel sendete das Signal aus, die Schlagzahl zu erhöhen. Das dürfte bei seinen Spielern angekommen sein

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Norbert Düwel ist gut gelaunt. Daran ändert auch der erste Regen nichts, der im Trainingslager des 1. FC Union in Bad Kleinkirchheim auf das Tribünendach am Rande des Trainingsplatzes prasselt. Bis auf Raffael Korte, der zur weiteren Untersuchung einer Oberschenkelblessur nach Berlin zurückreiste, Damir Kreilach und Eroll Zejnullahu (beide Sprunggelenk) gab es keine größeren Ausfälle. Entsprechend positiv fällt das Fazit des Trainers zur Halbzeit der Saisonvorbereitung aus, als er spricht…

…über die Stammelf. Angesichts des großen Kaders von aktuell 29 Spielern (inklusive der beiden Testspieler Pascal Itter und Mark-Patrick Redl) darf sich niemand mehr seines Platzes in der Anfangsformation sicher sein. „Jeder Spieler ist aufgefordert, tunlichst immer alles zu geben. Denn es wartet immer schon ein anderer, der diese Position auch besetzen kann.“ Gesteigerter Konkurrenzdruck als ein Schlüssel zum Erfolg – genau das hat Union in der Vorsaison noch gefehlt. „Deshalb war mir ein Transfer wie Adrian Nikci schon wichtig, weil er auf mehreren Positionen spielen kann. Damit uns ein Ausfall nicht vollkommen konkurrenzlos dastehen lässt“, so Düwel.

Mit dem zweiten Test in Österreich am Donnerstag gegen Austria Wien beginnt auch die Phase, in der Düwel mehr und mehr das Leistungsprinzip anwenden wird. Einen Komplettwechsel zur Pause wie gegen Austria Klagenfurt (1:2) wird es nicht mehr geben. Stattdessen sollen die Spieler ihrem Trainer die Entscheidung, wer spielt und wer nicht, so schwer wie möglich machen. Das war in Kärnten aber nicht immer der Fall. „Es ist schon so, dass der eine oder andere – auch von den Etablierten – nicht das gebracht hat, was ich mir erwarte, um eine ganz schwere Entscheidung zu haben. Das ist aber auch ganz normal, wir sind in der Mitte der Vorbereitung.“ Das Signal, die Schlagzahl zu erhöhen, dürfte jedoch angekommen zu sein.

…über seinen Wunschspieler. Dass Bobby Wood noch nicht jede Übung mit der Mannschaft mitmachen kann, hatte Düwel erwartet. „Er ist natürlich schon deutlich hinter dem her, was der Großteil der Mannschaft absolvieren kann. Durch seine Länderspiele und dem Wechselhickhack hat er einfach nicht das machen können, um entsprechend vorbereitet zu sein wie die anderen Spieler, die ihren Plan schon vor dem Trainingseinstieg bekommen haben“, erklärte der Union-Coach. Düwel muss nun eine Mischung finden aus individuellen und Team-Einheiten, um den 22-jährigen US-Stürmer fit zu machen und ihn zugleich zu integrieren.

…über die Zugänge. Gleich neun neue Spieler gilt es zu integrieren. Neben der Vergrößerung des Kaders soll natürlich auch das spielerische Niveau angehoben werden. Auch Führungsqualitäten sind gefragt, nachdem Sebastian Polter Union bekanntlich in Richtung Queens Park Rangers verlassen hat. „Deswegen haben wir ja auch Spieler wir Stephan Fürstner oder Benjamin Kessel geholt. Das sind die Jungs, die das nach außen tragen“, sieht Düwel die Lücke bereits geschlossen. „Aber es geht ja nicht nur darum, auf dem Platz der Chef zu sein, sondern durch Leistung zu überzeugen, auch durch professionelles Verhalten als Vorbild auf dem Platz zu gelten.“ Der Kader, da ist sich der Trainer sicher, ist durch die Neuen „gut aufgewertet“ worden.

…über die Kapitänsfrage. Auch vor seinem zweiten Spieljahr als Union-Trainer wird Düwel seinen Spielführer bestimmen. Im Vorjahr war es Kreilach, Christopher Trimmel sein Stellvertreter. Nun will der Coach drei Spieler auswählen, „von denen ich absolut überzeugt bin.“ Dieses Trio soll durch die Wahl zweier weiterer Spieler den Mannschaftsrat bilden. Namen wollte Düwel noch nicht nennen, eine Lanze für Kreilach brach er dennoch. „Damir, der in der vergangenen Saison zwischendurch auf der Bank saß, hat dies nicht einmal intern oder im Umfeld negativ kommentiert. Er hat es als genau das hingenommen, was es ist: ein sportlicher Wettbewerb, in dem jeder auch mal ein Tief haben kann. “ Der Kroate sei ein absolutes Vorbild. Scheint so, als habe Düwel seinen Kapitän längst gefunden.

…über das Saisonziel. „Platz eins bis sechs ist unser Ziel. Ich habe aber nie gesagt, wir werden zwischen Platz eins und sechs landen. Das wäre vermessen“, will Düwel den kleinen, aber feinen Unterschied bemerkt wissen: „Da gibt es Mannschaften, die auch im infrastrukturellen Bereich mehr Aufwand betreiben.“ Düwel verrät, wie der Nachteil wettzumachen ist. „Wenn wir es schaffen, möglichst schnell als Team zu funktionieren, dann wird es richtig unangenehm für viele Mannschaften in der Liga.“
Um die Ziele zu erreichen ist vor allem Teamspirit nötig. Und dafür nimmt er seine Spieler schon jetzt kompromisslos in die Pflicht. „Wenn jeder versteht, dass persönliche Belange immer hinter denen der Mannschaft stehen und diese immer hinter denen des Vereins, dann sind wir auf einem guten Weg“, so Düwel. Ein Weg, der vor einem Jahr noch zu viele Stolpersteine hatte.