Svetislav Pesic (63) hat nicht nur einmal gesagt, dass Berlin zu einer Heimat geworden ist. Auch Alba Berlin, der Klub, mit dem er große Erfolge feierte, sei ihm eine Herzensangelegenheit. Ab und an aber steht für den Meistertrainer das Private im Hintergrund und sein größtes Bestreben ist es, Alba verlieren zu sehen. So war es, als er mit Köln, dem FC Barcelona und Dynamo Moskau die Hauptstadt besuchte.

An diesem Wochenende kommt er mit dem FC Bayern München nach Berlin und trifft am Sonnabend in der O2 World (20 Uhr) im Pokal-Halbfinale auf den Klub, den er im Jahr 2000 verließ. Dann wird er gegen Alba alle Register ziehen, um am Sonntag gegen den Sieger der Partie Ulm gegen Quakenbrück (17.15 Uhr, beide Sport1) im Finale zu spielen. Die Berliner Morgenpost sprach mit Pesic vor dem Top-Four.

Berliner Morgenpost: Herr Pesic, gibt es bei diesem Turnier einen Favoriten?

Svetislav Pesic: Ich glaube, dass alle vier Mannschaften eine Chance haben, das Turnier zu gewinnen, aber ich bin mir auch sicher, dass in diesem Moment keiner an das Finale denkt. Nicht nur, weil das nächste Spiel immer das schwerste ist, sondern weil alle vier Mannschaften vor wirklich schwierigen Aufgaben stehen.

Viele sehen Ihr Team in der Favoritenrolle. Wie groß ist Albas Vorteil, zu Hause zu spielen?

Also, falls irgendjemand der Meinung ist, dass es kein Vorteil ist, zu Hause zu spielen, dann nehme ich sehr gern diesen Heimvorteil. Scheinbar bin ich sowieso immer Favorit, wenn ich in Berlin bin. Aber dann erlaube ich mir die Frage: Seit wann ist Alba in eigener Halle nicht der Favorit?

Zumal es noch gelungen ist, das Europaliga-Spiel der Berliner in Bamberg vorzuverlegen, damit sie sich einen Tag länger regenerieren konnten. War das für Sie eine schlechte Nachricht?

Eigentlich interessiert mich das nicht. Aber natürlich hätte ich auch alles in Bewegung gesetzt, um am Mittwoch zu spielen, wenn ich in der Situation gewesen wäre. Also, ich denke, das war fair und der Sieg in Bamberg wird das Selbstvertrauen des Teams sicherlich gestärkt haben.

Sie trennen an diesem Wochenende nur zwei Siege vom ersten Titel. Wie wichtig wäre der für die Bayern?

Titel sind immer wichtig, nicht nur für Bayern München.

Mit Coach Pesic ist ja auch Papa Svetislav in die Bundesliga zurückgekehrt. Mit Michael Koch, Ingo Freier, Sebastian Machowski, Henrik Rödl und Sasa Obradovic sind fünf Ihrer ehemaligen Spieler heute Trainer. Macht Sie das stolz?

Ich fühle mich nicht als Papa, aber natürlich macht mich das stolz, dass viele meiner ehemaligen Spieler, ob bei Alba oder in der Nationalmannschaft, Trainer geworden oder ins Management gegangen sind. Das ist gut für den deutschen Basketball, weil alle Erfahrung haben, und meiner Meinung nach haben sich das auch alle in ihrer aktiven Zeit verdient.

Sie haben Ihr erstes Spiel als Bayern-Coach gegen Alba und Sasa Obradovic verloren und zuletzt auch bei Henrik Rödl in Trier. Konnten Sie sich ein wenig für Ihren ehemaligen Kapitän freuen?

Nach dem Spiel nicht, jetzt ja. Wir sind in diesem Spiel gleich zweimal geschockt worden. In der dritten Minute bekam Roberts einen Schlag ins Gesicht, musste ins Krankenhaus und später operiert werden. Homan spielte mit einem lädierten Sprunggelenk und ist dann noch mit dem anderen umgeknickt. Wir haben viel improvisiert und die Mannschaft hat gut gespielt und gekämpft, aber Trier hat sehr gut getroffen. Wir haben bis auf Jagla und Benzing in den vergangenen zwei Wochen fast alle großen Leute verloren. Der Pokal kommt für uns nicht im aller glücklichsten Moment.

Wenn Sie die beiden, die am längsten unter Ihnen gespielt haben, Henrik Rödl und Sasa Obradovic, an der Seitenlinie sehen, erkennen Sie sich da wieder?

Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass ich nicht nur meine Mannschaft, sondern auch mein Gegenüber beobachtet habe, wenn ich gegen meine ehemaligen Trainer gespielt habe. Es ist auch ganz normal, dass man sich prägt, wenn man so lange zusammen arbeitet wie Sasa, Henrik und ich. Man übernimmt Details, aber man sieht auch deutlich, dass sie ihren eigenen Weg gehen, eine eigene Identität als Trainer haben. Das ist auch gut und wichtig für die weitere Zukunft der beiden.

Können die beiden Sie mit taktischen Kniffen während des Spiels überraschen?

Ich bin so lange dabei, es ist wirklich sehr schwer, mich zu überraschen. Einmal im Spiel kann das schon passieren, aber wenn wir jetzt gegen Alba Berlin spielen, sehe ich keine Möglichkeiten für Überraschungen, die der anderen Mannschaft Vorteile bringen.

Alba hat sich zuletzt noch mit dem französischen Center Ali Traoré verstärkt. Wie finden Sie ihn?

Er ist nicht der beste Center in Europa, aber ein gut ausgebildeter Spieler, der Erfahrung hat und natürlich in der Lage ist, der Mannschaft zu helfen. Wie weit, wird man sehen. Aber mit der Belastung in der Europaliga und der Bundesliga ist es für Alba sicherlich gut, eine weitere Option zu haben.

Es gab etwas Aufregung, weil Sie ein Angebot hatten, Nationaltrainer in der Türkei zu werden…

… Das war kein Angebot, sondern eine Anfrage und die habe ich beantwortet. Ich habe die Verantwortlichen bei den Bayern informiert, das war übrigens schon im Januar. Letztendlich muss ich das entscheiden, aber der Verein wäre nicht damit einverstanden, dass ich beides mache, wenn ich hier bliebe, denn die Europameisterschaft endet eine Woche oder zehn Tage vor der Saison und ich wäre zwei wichtige Monate lang nicht da. Das kann man, denke ich, sehr gut nachvollziehen, und ich habe den türkischen Verband über den Stand der Dinge informiert.

Diese Gespräche haben Sie auch mit Ihrem Sohn Marko, dem Geschäftsführer der Bayern und auch ein ehemaligen Spieler von Ihnen, geführt. Wie ist es, mit seinem Sohn als Chef zu arbeiten?

Also, ich bedanke mich recht herzlich für das Interesse an meiner Familie. Marko ist in einer ganz anderen Position und macht einen sehr guten Job. Ich bin in der Halle und mache die Spieler besser. Abends schaut er öfter beim Training vorbei, ist dann aber schon wieder weg, wenn wir fertig sind.

Haben Sie mit ihm schon eine Prämie für den Pokalsieg ausgehandelt?

Prämien gibt es bei uns nicht, das ist die Philosophie des Vereins und daran will ich auch nicht rütteln. Ich würde mich natürlich sehr freuen, wenn der Klub die Gelegenheit bekäme, uns für Erfolge zu belohnen.