Als Alba Berlin und Bayern München das letzte Mal aufeinandertrafen, gab es Misstöne vor dem Spitzenspiel der Basketball-Bundesliga.
Alba-Aufsichtsratschef Axel Schweitzer hatte Bayern-Präsident Uli Hoeneß attackiert („anmaßend“, „diffamierend“), weil der sich etwas uncharmant über Dirk Nowitzki geäußert hatte („Wir sind kein Altersheim für Basketballer“). Schweitzer stellte auch die Nachhaltigkeit des Münchner Basketball-Projektes in Frage, Bayern gewann das Spiel.
An diesem Sonnabend kommt es im Halbfinale um den BBL-Pokal zur Revanche. Und der 43-jährige Schweitzer erneuerte im Interview mit der Berliner Morgenpost seine Kritik am Rivalen.
Berliner Morgenpost: Herr Schweitzer, freuen Sie sich darauf, Herrn Hoeneß am Wochenende in der O2 World zu treffen?
Axel Schweitzer: Ich weiß gar nicht, ob er kommt. Wir haben uns persönlich noch nicht kennengelernt. Wenn es sich ergibt, dann ergibt es sich.
Sie wirken nicht restlos begeistert, dass die Bayern in der Basketball-Bundesliga dabei sind.
Ich finde es nur wichtig, die Rolle der Bayern im Basketball richtig einzuordnen. Auf den Fußball bezogen, gibt es wenige Erfolgsgeschichten im Sport, die mit der des FC Bayern vergleichbar wären. Davor habe ich großen Respekt. Wir freuen uns auch darüber, dass Bayern sich entschlossen hat, sich neben dem Fußball in der internationalsten Sportart, dem Basketball, zu engagieren. Auch wie es gemacht wurde, indem man seine Mitglieder vorher gefragt hat, fand ich sehr gut. Die Auswahl der Trainer, die Verpflichtung deutscher Spieler – alles gut. Es wird aber manchmal vergessen, wo dieser FC Bayern sportlich steht. Wir sind gespannt, mit welcher Nachhaltigkeit das Projekt betrieben wird. Meine Frage lautet: Sehen wir es auch noch in fünf Jahren?
Tun die Bayern der Bundesliga nicht gut?
Doch, mit Sicherheit. Wenn man sich allein die mediale Aufmerksamkeit anschaut. Was die Attraktivität der Liga bei Sponsoren angeht, liegt Basketball jetzt in Deutschland auf Platz zwei hinter Fußball. Dazu trägt auch der FC Bayern als Brand Name bei. Er tut der Liga gut. Aber bei all dem Positiven: Die Bayern haben in der Neuzeit noch nichts gewonnen. Und noch nicht gezeigt, dass sie nachhaltig an der Spitze bleiben können. Hoeneß wurde ja selbst so zitiert: Mal sehen, wie sich das entwickelt und dementsprechend mal sehen, wie lange wir das betreiben.
Gibt es denn auch etwas, was Sie an den Bayern richtig ärgert?
Was man sich anschauen muss, ist die Frage des Geldes, des Financial Fairplays. Ich bitte, das nicht falsch zu verstehen: Ein Budget, das am Markt erarbeitet wurde, und zwar aus der Sportart heraus, finde ich gut. Aber wenn das Geld jetzt einfach aus dem Fußball herübergeholt wird, dann ist, etwas überspitzt formuliert, aus meiner Sicht der Weg zu einem russischen Oligarchen nicht mehr allzu weit. Das sehe ich kritisch.
Aber wenn ein Uli Hoeneß sich vor der Saison zur Pressekonferenz niederlässt und sagt: Alle anderen Klubs in der Liga dürfen jetzt jeden Morgen eine Kerze ins Fenster stellen, weil der FC Bayern bei ihnen mitspielt – ärgert Sie das nicht? Vermissen Sie da nicht ein bisschen Bescheidenheit?
(überlegt lange) Offen gesagt nicht. Da soll jeder seinen eigenen Weg gehen. Gegen Selbstbewusstsein habe ich nichts. Nur: Das Selbstbewusstsein der Bayern wird ja eher aus der anderen Sportart generiert. Ich würde mir wünschen, dass erst einmal im Basketball sportliche Nachhaltigkeit mit mehreren Meistertiteln belegt wird und dann die Ansprüche kommen. Nicht andersherum.
Die Bayern haben in Philipp Schwethelm und Bastian Doreth zwei Nationalspieler unter Vertrag, die nicht in München spielen, sondern an Ulm und Trier ausgeliehen sind. Alba hätte Schwethelm gern verpflichtet, die Bayern haben es untersagt. Wird da jetzt mit härteren Bandagen gekämpft, seit die Münchner mitmischen?
Zumindest haben wir es in der Form bisher nicht erlebt, nicht im Basketball. Es ist ungewöhnlich.
Machen Sie sich Sorgen, dass jetzt nicht mehr Alba finanziell die Vorherrschaft in der Liga hat, sondern diese jetzt von den Bayern übernommen wird?
Ach, wissen Sie: Das hat sich doch schon seit einigen Jahren geändert. Bamberg hatte zuletzt regelmäßig einen signifikant höheren Spieleretat als wir. Und die Bayern stehen den Bambergern da mit Sicherheit nicht nach. Darüber würde ich mich nie beschweren, das ist gut, wenn es sich am Markt generiert. Und die Weiterentwicklung ist für alle gut, auch für Alba Berlin.
Es klingt bei Ihnen immer wieder durch, dass Sie nicht glauben, dass die Bayern noch lange Spaß am Basketball haben.
Es gibt ja dieses Zitat von Hoeneß, er wolle sich das jetzt mal die nächsten zwei Jahre anschauen...
...und wenn Schluss wäre? Wäre das ein schwerer Rückschlag für die Liga?
Natürlich, das wäre nicht förderlich für den deutschen Basketball. Aber würde es ihn umbringen? Ich glaube nicht. Die BBL wird es auch morgen noch geben. Ihre Entwicklung ist gut, die deutschen Klubs spielen in Europa eine immer bessere Rolle.
Würden Sie sich mehr Bundesligavereine in großen Städten wünschen? Hamburg ist derzeit mal wieder im Gespräch.
Zunächst würde ich mir wünschen, dass die Liga auf ein Maß verkleinert wird, das den aktuellen Markt widerspiegelt. 18 Teams sind zu viel, wir haben zu viel Masse statt Klasse. Wenn dann ambitionierte und solide wirtschaftende Klubs dazukommen wollen, würde ich das sehr begrüßen.
Herr Schweitzer, Sie sind als Aufsichtsrat jetzt sieben Jahre oberster Chef des Vereins. Wie sehr schmerzt es Sie persönlich, wie wenig Titel Alba in dieser Zeit gewonnen hat (einmal Meister, einmal Pokalsieger, d.Red.)? Dass immer andere Ihnen den Meistertitel wegschnappen?
Wir wissen ja noch gar nicht, ob wir nicht dieses Jahr Meister werden (lacht). Warten wir mal ab. Keiner von uns verliert gern. Natürlich bin ich Sportler, möchte am liebsten immer oben stehen und jedes Spiel gewinnen. Aber es wird uns nicht immer gelingen. Unser Ziel ist, eine Tradition zu sein. Wir sind dann erfolgreich, wenn es auch in hundert Jahren noch Alba Berlin als deutsches Spitzenteam gibt.





