Feldhockey ist ein olympischer Mannschaftssport für Männer und Frauen. Deutschland hat mit dem Herrenteam 2012 in London die Goldmedaille gewonnen, das zweite Mal in Folge und die vierte Goldmedaille insgesamt. 2002 und 2006 wurden die deutschen Herren Weltmeister, 2013 Europameister und 2015 Vize-Europameister. Hockey ist damit eine der erfolgreichsten Mannschaftssportarten in Deutschland!

Zu einem der besten Nachwuchssportler in Berlin gehört Paul Dösch. Der 17-Jährige besucht derzeit die zwölfte Klasse der sogenannten Eliteschule des Sports Berlin, der Poelchau-Oberschule im Olympiapark. Beim TC Blau-Weiss spielt er in der Männlichen Jugend A, mit den Herren in der 1. Bundesliga – und er gehört zum Kader der U18-Nationalmannschaft.

Paul hat bis zu seiner Berufung in die Nationalmannschaft auch jüngere Mannschaften trainiert und sie als Coach zu ihren Spielen begleitet. Beim Hockey müssen Taktik und spielerische Intelligenz kombiniert werden. Gleichzeitig ist ein hohes Maß an Athletik und Körperbeherrschung gefragt, Taktik und Kondition sind notwendig, um in diesem Sport erfolgreich zu sein. Paul ist ein Athlet, er scheint nur aus Muskeln zu bestehen, ist schnell und wendig – katzengleich.

Hockey bedeutet aber auch Wettkampf, man lernt, mit Siegen, aber auch mit Niederlagen umzugehen. Paul sagt: „Wie oft ich eine Niederlage kassieren muss, ist mir egal. Das hält mich nicht davon ab, es noch mal und noch mal zu probieren, bis ich irgendwann erfolgreich bin.“ Im Interview spricht er darüber, was seinen Sport ausmacht.

Maximilian Dettke: Wie alt warst du, als du mit dem Hockeyspielen angefangen hast?

Paul Dösch: Als ich drei Jahre alt war, war ich völlig begeistert von meinem großen Bruder. Ich fuhr bei jedem Spiel mit und versuchte, meine Hockeykünste am Spielfeldrand zu verbessern. Als ich richtig im Verein angefangen habe, war ich dann sechs Jahre alt.

Wie hast du es geschafft, mit gerade einmal 15 Jahren in der U18-Nationalmannschaft mitzutrainieren?

Als es zur Sichtung durch den Nationaltrainer kam, hat es leider nicht gereicht. Kurze Zeit danach spielte ich bei einer Landesmeisterschaft mit, bei der ich in Topform war. Der Bundestrainer war positiv überrascht von mir und lud mich daraufhin zu einem Freundschaftsspiel gegen England ein. Als kleines Experiment steckte er mich als 15-Jährigen in die U18. Ein geglücktes Experiment!

Was waren bisher deine größten Erfolge in deiner Hockeykarriere?

Puh, das ist schwer. Ich würde sagen, die Europameisterschaft. (Paul wurde 2015 mit der U18 Europameister im spanischen Santander, Anmerkung der Redaktion.)

Welche sportlichen Ziele hast du? Wo siehst du dich in fünf Jahren?

Na, hoffentlich bei Olympia! Oh Gott, dann bin ich ja schon 22 Jahre alt! Aber Spaß beiseite, ich hoffe, dass ich später auf jeden Fall die deutsche Nationalmannschaft verstärken kann.

Du spielst ja schon erstaunlich früh auch mit den Erwachsenen in der 1. Bundesliga. Wie schwer ist es für dich, auf diesem hohen Niveau zu spielen? Und das neben der Schule?

Also am Anfang war es echt krass! Es war ein so gravierender Unterschied, dass man fast meinen könnte, es sei eine komplett andere Sportart. Man muss wirklich gucken, wo man bleibt. Das war anfangs echt ungewohnt für mich, denn seit ich ungefähr zehn Jahre alt war, war ich immer einer der besten in der Mannschaft. In der 1. Bundesliga ist das komplett anders. Da sehe ich mich als einen der schlechtesten. Ich musste mein gesamtes Spiel ändern, vor allem durfte ich nicht so ballfokussiert sein und nicht erwarten, dass jeder das Anspiel zu mir sucht. Vor allem physisch dabeizubleiben, ist äußerst schwierig.

Das klingt nach einem anstrengenden Programm. Hast du noch viel Freizeit?

Na ja, es geht. Momentan habe ich elf Trainingseinheiten pro Woche, morgens Athletik und Stocktraining, dann noch mal nachmittags eine Einheit. Meistens habe ich den Freitag frei, da gehe ich dann abends auch mal weg. Oder am Wochenende, wenn ich mal kein Spiel habe. Ansonsten verbinde ich Freizeit mit dem Sport.

Wie oft trainierst du denn zusammen mit den Jungen aus der Nationalmannschaft? Habt ihr auch Trainingslager?

Wenn es eine Europameisterschaft gibt, kann es schon mal vorkommen, dass wir bis zu sechs Mal im Jahr zusammen trainieren und einige Trainingslager miteinander haben. Manchmal treffen wir uns aber auch nur zur Teambildung, wir waren sogar einmal zusammen Lasertag spielen.

Leiden deine schulischen Leistungen und deine privaten Freundschaften nicht doch etwas unter dem vielen Hockeytraining?

Anfangs schon. Meine schulischen Leistungen waren nicht gerade super, also beschloss ich mit meinen Eltern, dass ich auf die Poelchau-Schule wechsele, wo der Leistungssport gefördert wird. Meine schulischen Leistungen steigerten sich schnell, denn an der Poelchau ist tägliches Training etwas vollkommen Normales. Ich habe nicht so viele Hausaufgaben auf, wenn, dann nur Facharbeiten und Seminare. Aber dann habe ich Wochen Zeit, um die fertig zu machen. Freunde von mir sind nicht auf der Sportschule und müssen dann auch schon mal bei Auswärtsspielen ihre Hausaufgaben im Zug machen.

Wie unterstützen das deine Eltern, dass du so ein Supertalent im Hockey bist?

Ich will gar keine Vorzüge haben oder aber anders behandelt werden. Immerhin habe ich vier Geschwister. Die haben auch alle Hockey gespielt. Und nur weil ich das ein bisschen besser kann, will ich nicht wie ein Held behandelt werden. Jedoch genieße ich es, dass meine Familie versucht, zu allen Spielen von mir zu kommen. Vor allem meine Eltern und mein großer Bruder halten extrem zu mir. Dafür bin ich ihnen echt dankbar!

Das Interview führte Maximilian Dettke, Klasse 8c, Berlin International School, Steglitz-Zehlendorf