„Ich sehe keinen Grund, warum Hallenhockey in ein paar Jahren nicht auch olympisch sein sollte.“ Knapp zwei Jahre ist es her, dass Michael Stiebitz diese Vision aussprach. Der Präsident des Berliner Hockey Clubs schätzt das Vermarktungspotenzial der Winter-Variante weit größer ein als das des Feldhockeys. „Nicht ohne Grund finden mit Ausnahme des Fußballs alle anderen großen Mannschaftssportarten in Deutschland unter dem Hallendach statt“, sagt er, „dort ist atmosphärisch viel mehr möglich.“ In der Halle liegt für ihn die Zukunft des Hockeys, die allerdings noch mindestens ein weiteres Jahr auf sich warten lässt: Weil die Spielstätte des BHC für Flüchtlinge beschlagnahmt wurde, muss der Verein für die an diesem Sonnabend beginnende Saison in die kleine Turnhalle des Schadow-Gymnasiums ausweichen. „Da ist wenig zu inszenieren“, meint Stiebitz

Ost-Staffel ist zu schwach

Unabhängig von der angespannten Hallensituation stellt sich die Frage, welchen Sinn eine Hallensaison hat. Die meisten Nationalspieler verzichten darauf, sind beim Finale der World League unterwegs. Die Ost-Staffel, in der die Berliner Vereine antreten, ist davon zwar kaum betroffen, weil die besten Spieler anderswo unter Vertrag stehen, doch darin zeigt sich schon das zweite Problem: Das Niveau im Osten ist schwach. Hinzu kommt, dass die Saison nur acht Wochen dauert. „Wir brauchen einen Spielplan von Oktober bis März“, sagt Stieglitz. Er fordert eine eingleisige Bundesliga statt „dezentralisiertem Rumgewurschtel“.

„Trotz allem bleibt sie die beste Hallenhockeyliga der Welt und bietet durch die Schnelligkeit und den Torreichtum genug Attraktivität“, kontert Jürgen Häner, Präsident des Berliner Hockey-Verbands. Auch viele Vereine – insbesondere jene, die im Freien nicht erstklassig spielen – wollen sie nicht missen. „Die Wintersaison ist enorm wichtig“, sagt Dennis Gebhard, Trainer der Männer beim TuS Lichterfelde. „Der Budenzauber lockt mehr Zuschauer an als Spiele auf dem Feld.“ Gleiches berichtet Norman Menzel vom Aufsteiger TSV Tempelhof-Mariendorf: „Uns gelingt es besonders in der Hallensaison, Kinder für Deutschlands erfolgreichste Ballsportart zu begeistern.“

Wichtig für die Ausbildung

Die Indoor-Variante ist wichtig für die Ausbildung junger Spieler. Olympiasieger Martin Häner vom BHC erklärt: „Im Hallenhockey müssen deutlich schneller Entscheidungen getroffen werden, so dass die Spieler schon vor dem Ballbesitz wissen müssen, was auf dem Platz passiert. Die Vororientierung wird geschult, außerdem Technik auf engem Raum. In der Defensive werden ständig Situationen geschult, die im Feldhockey erst im letzten Viertel des Feldes zu tragen kommen.“ Er vergleicht die Situation mit dem Fußball, wo Spieler, die auf der Straße gelernt haben, oft ebenfalls eine bessere Technik haben und davon auch auf dem Großfeld profitieren.

Im vergangenen Jahr scheiterte der BHC im Viertelfinale erst im Siebenmeter-Schießen an Rot-Weiß Köln. „In dieser Saison wollen wir mindestens ein Spiel weiter kommen“, sagt Sportdirektor Matthew Hetherington, das heißt: zum Final Four Anfang Februar in Lübeck. Die anderen Berliner tun sich schwer mit einer Prognose, auch wegen der Hallenproblematik, die vergangene Woche als letzten Klub den TC Blau-Weiß erreicht hat. „Mal schauen, was mit unserem jungen Team herausspringt“, sagt der sportliche Leiter Hendrik Gay.

BHC-Präsident Stiebitz wünscht sich ein „Projekt Halle“

Auch für die Frauen des TuS Lichterfelde sind die Ergebnisse zweitrangig: „Wir wollen im Winter vor allem unsere Athletik verbessern mit Blick auf die Feld-Rückrunde“, die für den Verein deutlich wichtiger sei, so Co-Trainer Lucas Künhold. Für Stiebitz die falsche Herangehensweise. „Wir vergeben damit die Chance auf eine Weiterentwicklung unseres Sports, das tut dem Hockey nicht gut“, sagt er. Derzeit ist nicht nur in Deutschland alles auf den Sommer ausgerichtet, zählt der Olympiasieg mehr als alles andere. Es brauche eine Grundsatzentscheidung, ein „Projekt Halle“, so Stiebitz, am besten von Seiten des Weltverbands. „Aber das ist leider derzeit völlig illusorisch.“