Hockey

Alarm: Die besten Spieler gehen immer aus Berlin weg

Vor der neuen Saison plagen die Berliner Hockey-Clubs die alten Probleme: Die Stammkräfte ziehen weg. Doch es gibt Hoffnung.

Der Spielerkreis beim Berliner HC ändert sich jedes Jahr

Der Spielerkreis beim Berliner HC ändert sich jedes Jahr

Foto: nph / Engler / picture alliance / nordphoto

So ganz haben sie bei Blau-Weiß die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Mit Philipp Stahr hat der erfolgreichste Torschütze der vergangenen Jahre den Verein im Sommer nach Mannheim verlassen, um dort in Zukunft die Erstligafrauen zu trainieren.

Sein Spielerpass aber liegt immer noch in Berlin. Falls es eng werde mit dem Klassenerhalt, hofft Blau-Weiß‘ sportlicher Leiter Hendrik Gay, „überlegt es sich vielleicht Philipp noch einmal und schlüpft für einige Partien doch noch mal ins blau-weiße Trikot.“

Bereits in der vergangenen Saison mussten die Berliner lange um den Verbleib im Oberhaus zittern, erst am letzten Spieltag gelang ihnen der Sprung auf den rettenden zehnten Platz.

Verletzungen hatten den ohnehin kleinen Kader weiter dezimiert, zudem mussten Leistungsträger wie Philipp Marx oder Johannes Häner berufsbedingt kürzer treten. Beide haben mittlerweile ganz mit dem Hockey aufgehört.

„Hockey ist Amateursport“

„Im Hockey ist selbst die Bundesliga weitestgehend Amateursport, mit dem man kein Geld verdienen kann. Da geht der Job einfach vor“, meint Hendrik Gay, der auch als Cotrainer der ersten Mannschaft tätig ist.

Ersetzt werden die Routiniers hauptsächlich durch 16- und 17-Jährige aus der A-Jugend, ergänzt durch einige wenige Erfahrene wie Schottlands Nationalspieler Michael Bremner.

Viel Zeit, um sich an das höhere Niveau in der Bundesliga anzupassen, haben die Junioren nicht: An den ersten beiden Wochenenden der neuen Saison trifft Blau-Weiß gleich auf drei direkte Konkurrenten um den Klassenerhalt.

Erste Spiele auswärts

Zum Auftakt reist das Team am Sonnabend zunächst zum TSV Mannheim, das erste Heimspiel ist am 26. September gegen Aufsteiger Neuss. Der zweite Hauptstadtklub bei den Männern, der Berliner HC, startet am Wochenende ebenfalls auswärts. Auch die Frauenteams vom BHC und von TuS Lichterfelde beginnen die Spielzeit jeweils in der Fremde.

„Ich hätte mir gewünscht, dass wir noch ein, zwei Jahre länger Zeit gehabt hätten, um die Jüngeren sanfter zu integrieren“, sagt Hendrik Gay.

Jetzt würden sie gezwungenermaßen ins kalte Wasser geworfen. Mit den 97ern und 98ern habe man zum Glück zwei sehr starke Jahrgänge, die nachrücken, sagt er, unter anderem mit den beiden U18-Europameistern Thies Prinz und Paul Anton Dösch.

Aber was ist danach? „Auf Dauer wird das nicht reichen, um in der Bundesliga zu bleiben“, befürchtet Hendrik Gay.

Er sieht ein generelles Problem: Die Berliner Vereine hätten nicht die finanziellen Mittel, um Spieler in einer Weise zu unterstützen, dass sie sich ganz auf Hockey konzentrieren können, anders als die Konkurrenz aus Hamburg oder Mannheim. „Es gibt deshalb seit einigen Jahren die Tendenz, dass die besten Spieler die Stadt verlassen“, berichtet Gay.

BHC will Einzug in das Play-off

Dieses Schicksal ereilte im Sommer auch den Berliner Hockey-Klub, der Nationalspieler Pilt Arnold an Vizemeister UHC Hamburg verloren hat. Trainer Matthew Hetherington will mit seiner Mannschaft trotzdem wieder um den Einzug in das Play-off mitspielen, den man zuletzt nur um einen Sieg verpasst hatte. „Ich bin mir sicher, dass unsere Talente diese Chance nutzen werden“, sagt der Trainer.

Die Frauen des Klubs, die im Vorjahr in der Bundesliga auf den sechsten Rang kamen, sind in dieser Saison dagegen nur Außenseiter.

Kapitänin Lisa Hapke ist auf Weltreise, auch Anke Grüneberg greift vorerst nicht zum Schläger. „Wir haben einige junge Spielerinnen, die ins Team drängen, aber wir müssen abwarten, wie viele von ihnen tatsächlich den Sprung in die Bundesliga schaffen“, so Hetherington.