Als die deutsche Nationalmannschaft vor einigen Wochen das EM-Endspiel gegen die Holländer mit 1:6 verlor, war das für die meisten Hockey-Fans hierzulande ein Schock. Für Jonas Gomoll hingegen, ebenfalls Nationalspieler, aber bei der Europameisterschaft selbst nicht im Einsatz, war es die Bestätigung, dass er vor einem Jahr die richtige Entscheidung getroffen hatte. Im Herbst 2014 war der Stürmer vom Berliner Hockey-Club in die Niederlande gewechselt, um sich weiterzuentwickeln. „Holland war die beste Möglichkeit, um mein Hockeyspiel zu verbessern“, so der 22-Jährige, der mittlerweile wieder zum Berliner HC zurückgekehrt ist. Dass Holland kein schlechter Lehrmeister ist, hat das jüngste Ergebnis gegen Deutschland eindrucksvoll bewiesen.
„Ich wollte einfach mal woanders spielen und etwas Neues erleben“, sagt Gomoll über seine Motivation, ins Nachbarland zu wechseln. Anfangs liebäugelte er noch mit einem Trip nach Neuseeland, doch das dortige Engagement zerschlug sich, weil er sonst in Deutschland nicht mehr spielberechtigt gewesen wäre. Stattdessen verschlug es ihn in die Niederlanden.
Die dortige Hoofdklasse, die höchste Spielklasse des Landes, ist im Hockey so etwas wie das gelobte Land. Während in der Bundesliga viele Spieler nebenbei arbeiten müssen, wird in Holland genug gezahlt, um vom Sport leben zu können. „Hockey“, erzählt Gomoll, „hat dort einen viel höheren Stellenwert.“ In ‘s-Hertogenbosch, wo er gespielt hat, waren die Spieler des Vereins so bekannt wie in Deutschland nur Fußballer. Zu Spitzenspielen pilgerten bis zu 3000 Zuschauer ins Stadion – so viele kommen in der Bundesliga höchstens zum Finale.
Der Berliner HC ist nicht gut in die Saison gestartet
Auch spielerisch ist Oranje für Jonas Gomoll ein Vorbild. Die Niederländer sind technisch versiert, sie spielen schneller und offensiver als die Deutschen, und sie lieben den schnellen Doppelpass. „Es ist eine andere Art von Hockey“, meint Gomoll. Er achte jetzt viel stärker als früher auf den freien Raum, immer auf der Suche nach der nächsten Anspielstation. „Man antizipiert viel mehr“, erklärt der zwölffache Nationalspieler, der sich noch Hoffnungen auf einen Platz im deutschen Olympiateam für die Spiele 2016 in Rio de Janeiro (Brasilien) machen darf.
Längst hat er die fremde Spielweise zu seiner eigenen gemacht und versucht sie nun auch seinen Mitspielern beim Berliner Hockey-Club zu vermitteln. „Das dauert aber wahrscheinlich noch ein paar Wochen, bis es die anderen auch verinnerlicht haben“, sagt er.
Die junge Mannschaft von Trainer Matthew Hetherington hat einen eher mäßigen Saisonstart hingelegt, auch weil die beiden Nationalspieler Martin Häner und Martin Zwicker wegen des EM-Turniers im Sommer erst kurz vor dem Saisonstart zum Kader gestoßen sind. „Die Punkteausbeute ist noch nicht das, was wir uns vorgenommen hatten“, sagt Jonas Gomoll. „Wir spielen zwar nicht schlecht, aber wir leisten uns in fast jedem Spiel ein, zwei Aussetzer.“
Als aktuell Sechster hält der BHC bislang trotzdem Anschluss an die vier Play-off-Plätze. Am kommenden Wochenende reist die Mannschaft zu zwei Auswärtsspielen in den Westen und trifft auf Krefeld und Tabellenführer Rot-Weiß Köln.




