Viele Kaufinteressierte hoffen derzeit auf sinkende Bauzinsen. Doch ob sich die Konditionen verbessern, ist aktuell schwerer einzuschätzen denn je. Die Situation kann sich innerhalb weniger Wochen komplett drehen. Mit dieser unklaren Lage haben alle zu kämpfen, die aktuell eine Baufinanzierung planen. Die entscheidende Frage lautet daher: Lohnt es sich, auf fallende Zinsen zu warten – oder ist das Risiko zu groß?

Florian Pfaffinger, Zinsexperte und Mitglied des Dr.-Klein-Expertenrats, ordnet die Lage gegenüber unserer Redaktion klar ein: „Prognosen zur Zinsentwicklung sind derzeit generell mit Unsicherheit behaftet.“

Baufinanzierung: Ursprüngliches Zinsszenario ist überholt

Diese Grafik zeigt den Verlauf der Bauzinsen in den vergangenen etwa 16 Jahren.
Diese Grafik zeigt den Verlauf der Bauzinsen in den vergangenen etwa 16 Jahren. © news aktuell GmbH

Noch zu Jahresbeginn bewegten sich die Bauzinsen in einem vergleichsweise stabilen Rahmen. „Die Bauzinsen lagen in einem erwarteten Korridor von etwa 3,3 bis 3,7 Prozent für 10-jährige Zinsbindungen, zuletzt gab es jedoch – ausgelöst durch den Krieg im Iran – spürbare Ausschläge nach oben.“ Damit hätte sich das ursprüngliche Zinsszenario zunächst überholt.

Florian Pfaffinger, Zinsexperte bei Dr. Klein, teilt seine Einschätzung zu den Bauzinsen in unserem wöchentlichen Zins-Check.
Florian Pfaffinger, Zinsexperte bei Dr. Klein, teilt seine Einschätzung zu den Bauzinsen in unserem wöchentlichen Zins-Check.© Dr. Klein Privatkunden AG | Dr. Klein Privatkunden AG

Für die kommenden Monate bedeutet das vor allem: Die Planung wird schwieriger. „Eine klare Prognose in Richtung sinkender Zinsen ist derzeit kaum belastbar“, sagt der Profi.

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Bauzinsen: Die Gründe für eine „ungewöhnlich hohe Nervosität“

Besonders an der aktuellen Situation ist vor allem die Geschwindigkeit, mit der sich Zinsen verändern können. Während früher wirtschaftliche Daten im Vordergrund standen, reagieren die Märkte heute oft auf einzelne Nachrichten. Pfaffinger erklärt: „Der wichtigste Treiber für kurzfristige Zinsbewegungen ist aktuell die geopolitische Lage – insbesondere der Iran-Konflikt.“ Hier könnten bereits einzelne Ereignisse oder Ankündigungen innerhalb eines Tages zu Zinsbewegungen führen.

Über Florian Pfaffinger, Zinsexperte bei Dr. Klein

Florian Pfaffinger ist Mitglied im Expertenrat der Dr. Klein Privatkunden AG. Er ist Bank- und Diplom-Kaufmann und verfügt über eine mehr als 20-jährige Expertise im deutschen Baufinanzierungsmarkt.

Das sorge für eine „ungewöhnlich hohe Nervosität und Schwankungsbreite bei den Bauzinsen“. Klassische Faktoren wie Entscheidungen der Europäischen Zentralbank (EZB) oder Entwicklungen an den Kapitalmärkten spielten weiterhin eine Rolle – träten aber teilweise in den Hintergrund. Für Käufer bedeute das: Statt eines klaren Trends müssten sie sich auf ein Auf und Ab einstellen.

Häufige Fehler beim Immobilienkredit: Wo Baufinanzierungen in der Praxis scheitern

In einem solchen Umfeld zeige sich schnell, wie stabil eine Finanzierung wirklich sei. Und genau hier passieren laut Pfaffinger die häufigsten Fehler. „Dazu zählen unter anderem eine zu knapp kalkulierte Finanzierung oder ein zu überstürztes Handeln von Seiten der Darlehensnehmenden ohne ausreichend Vergleichsangebote eingeholt zu haben.“

Viele Haushalte würden sich stark auf den Immobilienpreis konzentrieren – und dabei die laufenden Belastungen unterschätzen. Gerade weil die Zinsen so unberechenbar seien, verschiebe sich der Fokus. Es gehe weniger darum, den besten Moment abzupassen – sondern darum, die eigene Finanzierung stabil aufzustellen.

Pfaffinger bringt es auf den Punkt: „Wichtig ist daher eine solide Haushaltsrechnung mit ausreichendem Puffer und eine Finanzierung, die auch bei veränderten Lebensumständen tragfähig bleibt.“ Das bedeutet konkret: ausreichend Eigenkapital, realistische Monatsraten und finanzielle Reserven für unerwartete Ausgaben.

Mit dem Rechner können Sie einen ersten Vergleich angehen:

Quellen:

Im Gespräch mit Florian Pfaffinger, Zinsexperte und Mitglied des Dr. Klein Expertenrats