Die Hoffnung auf sinkende Bauzinsen hält bei Kreditnehmern an. Doch wer aktuell eine Baufinanzierung plant, merkt schnell: Die Lage ist deutlich komplexer. Zwischen geopolitischen Risiken, Inflation und Kapitalmarktbewegungen bleibt die zentrale Frage offen: Könnten die Zinsen bald fallen – oder droht eher das Gegenteil?
Rolf Hübner von der Bausparkasse Schwäbisch Hall zeichnet hier ein differenziertes Bild: „Leicht sinkende Bauzinsen in den nächsten zwölf Monaten sind grundsätzlich möglich, deutlich fallende Zinsen halten wir jedoch für unrealistisch.“ Damit erteilt der Kapitalmarktexperte allzu optimistischen Erwartungen eine klare Absage. Zwar habe sich die Inflation zuletzt etwas entspannt, gleichzeitig wachsen aber neue Unsicherheiten: „Dazu gehört vor allem die geopolitische Lage im Nahen Osten.“

Besonders im Fokus steht dabei die Entwicklung rund um den Iran. „Sollte sich der Konflikt mit dem Iran weiter zuspitzen und die Einschränkungen in der Straße von Hormus weiter bestehen, hätte das direkte nachhaltige Auswirkungen auf Rohstoffpreise weltweit, was die Inflation wieder anheizen würde“, so Hübner. Daher blieben Bauzinsen-Prognosen vorsichtig „und mit Unsicherheiten behaftet“.
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Warum sich Bauzinsen plötzlich bewegen können
Gerade diese Unsicherheit zeigt sich auch in der Geschwindigkeit, mit der sich Zinsen verändern können. Was heute stabil wirkt, kann morgen bereits überholt sein. Hübner erklärt: „Kurzfristige Zinsänderungen können vor allem durch unerwartete Ereignisse ausgelöst werden.“ Dazu zählen geopolitische Eskalationen, steigende Energiepreise oder überraschend hohe Inflationsdaten.
„In solchen Situationen verlangen Investoren höhere Risikoaufschläge, was die Refinanzierung der Banken verteuert.“ Und genau diese Kosten geben Banken unmittelbar weiter. „Banken reagieren darauf meist sehr schnell, sodass sich Bauzinsen für Verbraucher innerhalb kurzer Zeit verändern können.“ Für Käufer bedeutet das: Die Zinsentwicklung ist aktuell weniger berechenbar als noch vor einigen Jahren – und deutlich sensibler für äußere Einflüsse. Können dann Bausparverträge in der aktuellen Situation sinnvoll sein?

Zur Erklärung: Beim Bausparen zahlt man über Jahre regelmäßig bis zu einem festgelegten Sparziel in einen Vertrag ein. Ist der Vertrag zuteilungsreif, erhält man das angesparte Guthaben plus ein zinsgünstiges Darlehen – zusammen die vereinbarte Bausparsumme. Der entscheidende Vorteil: Der Zinssatz wird bereits bei Vertragsabschluss festgeschrieben, was Schutz vor möglichen Zinssteigerungen bietet. Im Gegenzug sind die Guthabenzinsen in der Ansparphase meist gering. Mehr dazu, ob Bausparverträge sinnvoll sind, lesen Sie in einem separaten Text.
Immobilienfinanzierung: Welche Rolle Bausparen jetzt spielen kann
Bausparexperte Matthias Zott erklärt: „Gerade in unsicheren Zeiten profitieren Kunden von der Sicherheit und Planbarkeit beim Bausparen: Zinsabsicherung unabhängig von der Zinsentwicklung, strukturierten Eigenkapitalaufbau mit staatlicher Förderung und Perspektiven für später anstehende Modernisierung beziehungsweise Instandhaltung.“
Gerade für Haushalte, die in der Niedrigzinsphase finanziert haben und deren Zinsbindung in den nächsten Jahren ausläuft, könne es sinnvoll sein, sich bereits jetzt mit Bausparen einen günstigeren Zins für die Anschlussfinanzierung zu sichern. Allerdings ist Bausparen nicht für jeden die passende Strategie.
Über die Experten:
Matthias Zott arbeitet als Bausparexperte bei der Bausparkasse Schwäbisch Hall. Rolf Hübner ist Kapitalmarktexperte bei der Bausparkasse Schwäbisch Hall und seit 2023 bei dem Unternehmen tätig. Zuvor arbeitete er über 25 Jahre bei verschiedenen Investmentbanken.
„Wer auf hohe Renditen setzt oder an der Entwicklung am Kapitalmarkt teilnehmen möchte, findet in anderen Anlageformen bessere Alternativen“, gibt Zott zu bedenken. Die Stärke des Bausparvertrags liege vielmehr in der Kombination: Planungssicherheit auf der einen Seite, Flexibilität durch ergänzende Anlageformen auf der anderen.
Für Kreditnehmer bleibt die Lage also unübersichtlich: Leicht sinkende Zinsen sind möglich – ein deutlicher Rückgang aber eher nicht. Gleichzeitig können äußere Einflüsse jederzeit für Bewegung sorgen. Für Kaufinteressierte heißt das vor allem: Entscheidungen sollten nicht allein auf Erwartungen basieren. Wichtiger ist eine Immobilienfinanzierung, die auch dann funktioniert, wenn sich die Rahmenbedingungen verändern.
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Quellen:
Im Gespräch mit den Experten der Bausparkasse Schwäbisch Hall Matthias Zott und Rolf Hübner im April 2026.



