Der Kryptomarkt hatte einen schwierigen Start ins Jahr: Bitcoin verlor seit Jahresbeginn über 20 Prozent an Wert. Doch nach Wochen starker Schwankungen kehrt vorsichtig Zuversicht zurück – manche Kryptowährungen verzeichnen die kräftigste Erholung seit Langem. Steht der Kryptomarkt vor einem Wendepunkt? Experten sind skeptisch, erkennen aber gleichzeitig klare Signale am Markt.

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Bitcoin vor Wendepunkt? Profi erkennt klares Muster

Joshua Krüger vom Wallet-Anbieter DFX vermutet aktuell eher eine „kurzfristige Erholung“. Einen echten Wendepunkt sieht er noch nicht – vielmehr ein kurzes Aufbäumen. Hier müsse sich erstmal unter Beweis stellen, ob es sich tatsächlich um eine Trendwende handelt und nicht um eine typische Bitcoin-Marktbewegung.

Auch Christoph Schulz vom Vermögensverwalter B&K Vermögen sieht die Lage kritisch. Das Narrativ für Bitcoin habe sich zuletzt deutlich gedreht. „Die Klassifizierung als digitales Gold ist angesichts der hohen Korrelation zum Technologieaktienmarkt vorerst vom Tisch“, so Schulz. Die starke Volatilität der vergangenen Monate habe zudem sicherheitsorientierte institutionelle Anleger verprellt. Schulz glaubt daher nicht an eine kurzfristige Erholung – eher an eine mittelfristige ab dem Spätsommer.

Bitcoin-Münzen liegen auf einem Tisch
Bitcoin ist für seine starken Schwankungen bekannt. © Hannes P Albert/dpa/dpa-tmn | Hannes P Albert

Erschwerend komme hinzu, dass die Miningkosten für einen Bitcoin aktuell deutlich über 80.000 US-Dollar lägen, was das Geschäft für die meisten Miner unrentabel mache. Das klassische „Miner-Sterben“ typischer Korrekturphasen sei im Gange. Dieses Szenario passe gut zum bekannten Bitcoin-Zyklus: Das Zyklushoch sei am 6. Oktober 2025 erreicht worden, das Zyklustief dürfte saisonal um den Oktober liegen – erst danach sei eine nachhaltige Erholung zu erwarten.

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Altcoins: Wie wirkt sich Bitcoin auf andere Kryptowährungen aus?

Aber: Nicht nur Bitcoin hat zuletzt eine Aufwärtsbewegung verzeichnet – auch Altcoins wie Ethereum konnten in den vergangenen Tagen zulegen. Doch von einer Altcoin-Rallye sei man noch weit entfernt, stellt Krüger klar: „Zuerst muss Bitcoin eine stabilere Lage und eine bestätigte Trendwende vorweisen.“ Sobald das der Fall sei, würden zunächst die großen Coins wie Ethereum und Solana reagieren. Eine breitere Altcoin-Rallye entstehe typischerweise erst danach, wenn sich die Bitcoin-Dominanz stabilisiere oder leicht zurückgehe. „Historisch rotiert Kapital erst nach einer Bitcoin-Konsolidierung in Altcoins“, so Krüger.

Bitcoin, Ethereum, Ripple
Die Kurse von Altcoins steigen meist nach einer Bitcoin-Rallye an. © Getty Images | josefkubes

Michael Wild vom Wallet-Anbieter Deblock bestätigt dieses Muster: „Historisch beginnt jede stärkere Marktbewegung bei Bitcoin und Ethereum.“ Beide Coins fungierten gleichzeitig als Liquiditätsanker und Risikobarometer. Altcoins profitierten erst, wenn Vertrauen und Marktbreite zunähmen. Anders als in früheren Zyklen selektiere der Markt heute jedoch stärker: „Projekte mit realer Nutzung, aktiver Entwicklerbasis und klarer Struktur haben bessere Chancen als reine Narrative.“

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Krypto-Einstieg: Auf diese Signale kommt es an

Doch wann könnte der richtige Einstiegszeitpunkt sein? Wild nennt drei zentrale Indikatoren, die er bei Altcoins für essentiell hält, bevor Investoren ihr Geld investieren sollten:

  1. Stabilisierung des makroökonomischen Umfelds
  2. Nachhaltige regulatorische Klarheit
  3. Onchain-Daten, die reale Nutzung widerspiegeln

„Gerade bei Altcoins sollte Risikomanagement im Vordergrund stehen“, betont er. Der Markt bleibe spekulativ, auch wenn er strukturell gereift sei.

Bitcoin-Preis: Bei welchem Kurs würden die Profis einsteigen?

Konkrete Kursziele ließen sich kaum seriös definieren, erklärt Wild. Aus langfristiger Perspektive sei weniger der exakte Einstiegspunkt entscheidend als die Risikostruktur: Positionsgröße, Diversifikation und Anlagehorizont. Was sich jedoch verändert habe: Die Integration von Krypto in regulierte Finanzstrukturen schreite voran. „Das reduziert strukturelle Unsicherheiten, ersetzt aber nicht das Markt- und Preisrisiko.“

Bitte beachten:

Aktien, Immobilien und andere Investments sind grundsätzlich mit einem Risiko verbunden. Auch ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals kann nicht ausgeschlossen werden. Ebenso können Kredite eine erhebliche finanzielle Belastung darstellen. Verbraucher sollten ihre finanzielle Situation sorgfältig prüfen und alle Kosten gründlich durchrechnen. Die veröffentlichten Artikel, Daten und Prognosen sind keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Rechten und ersetzen keine fachliche Beratung.

Schulz wird konkreter: Bitcoin-Kurse zwischen 50.000 und 60.000 US-Dollar – was einem Korrekturniveau von 50 bis 60 Prozent vom Allzeithoch entspricht – böten seiner Einschätzung nach ein attraktives mittelfristiges Einstiegsniveau. In diesem Bereich würde er persönlich schrittweise zukaufen. Allerdings handelt es sich hierbei um keine Empfehlung.

Investitionen am Kapitalmarkt hängen stets vom individuellen Risikoprofil ab. Kryptowährungen gelten als sehr risikoreich. Anleger sollten sich dessen bewusst sein und keine unüberlegten Entscheidungen treffen – denn niemand kann den Markt vorhersagen.

Quellen:

Im Gespräch mit Joshua Krüger, Head of Growth bei DFX, im Februar 2026

Im Gespräch mit Michael Wild, General Manager DACH bei Deblock, im Februar 2026

Im Gespräch mit Christoph Schulz, B&K Vermögen, im Februar 2026