Der Bitcoin zeigt sich volatil, erreichte 2025 jedoch neue Rekordwerte. Wie geht es 2026 weiter? Wir haben Expertinnen und Experten nach ihren Bitcoin-Prognosen gefragt. Die Mehrheit der Befragten blickt optimistisch in die Zukunft – doch Risiken bleiben bestehen.
Die Expertenschätzungen zum Bitcoin-Kurs Ende 2026 fallen weitgehend optimistisch aus. „Grundsätzlich sehe ich die Assetklasse im langfristigen Wachstum“, sagt David Florysiak. Der Professor für Fintech an der IU Internationale Hochschule in München betont jedoch, dass beide Szenarien – ein Kurs über oder unter dem aktuellen Allzeithoch von 126.000 US-Dollar – bis Ende 2026 plausibel seien. Lesen Sie hier, wie der Wert vom Bitcoin 2030 und 2050 aussehen könnte.
Prognose für 2026 für Bitcoin liegt über Allzeithoch
Aus heutiger Sicht erscheint seiner Meinung nach ein Niveau nahe oder über dem bisherigen Allzeithoch etwas wahrscheinlicher. Allerdings nur, wenn die globale Geldpolitik nicht deutlich restriktiver wird, keine regulatorischen Schocks auftreten und die fortschreitende Institutionalisierung anhält.
Florysiak warnt: „Der Prognose-Fehler bleibt auf diesem Zeithorizont sehr hoch: Selbst Modelle mit umfangreicher makrofinanzieller Information erzeugen über mittlere Fristen nur sehr breite Prognose-Korridore.“ In Stressszenarien – etwa bei Rezession oder geopolitischen Schocks – sei daher auch ein unterhalb des Allzeithochs liegendes Niveau realistisch.

Konkreter wird hingegen Dovile Silenskyte vom Vermögensverwalter Wisdomtree. Sie prognostiziert, dass Bitcoin Ende 2026 über dem aktuellen Allzeithoch von etwas mehr als 126.000 US-Dollar liegen könnte, welches Anfang Oktober 2025 erreicht wurde. Der wichtigste Treiber sind dabei die Investitionen von institutionellen Investoren. Experten geben trotz der möglichen Rekordentwicklung unterschiedliche Angaben, wie viel Bitcoin Anleger im Krypto-Depot besitzen sollten.
Joshua Krüger von der Kryptoorganisation Deuro Association ist noch optimistischer: „Ein Bitcoin-Preis von 150.000 bis 175.000 US-Dollar ist bis Ende 2026 realistisch“, denkt er. Krüger verweist auf veränderte Marktdynamiken, die durch den massiven Einstieg institutioneller Investoren, regulatorische Rahmenbedingungen und die zunehmende Dominanz großer Marktakteure geprägt sind.
Bitcoin: Trotz möglichem Aufwärtstrend bleiben die Risiken erheblich
Trotz zunehmender Professionalisierung rechnen alle befragten Experten mit anhaltend hoher Volatilität. Florysiak erklärt, dass diese strukturell im Bitcoin-Markt angelegt sei: begrenztes Angebot, hohe Spekulationsanteile, 24/7-Handel und ein Markt, in dem Hebelprodukte und nicht-professionelle Investoren eine wichtige Rolle spielen. Empirische Studien zeigen, dass Bitcoin im Vergleich zu traditionellen Anlageklassen deutlich höhere Volatilität und „ausgeprägte Extrembewegungen“ (Tail-Risiken) aufweist.
Er unterscheidet dabei zwei Ebenen von Faktoren:
- Idiosynkratische, krypto-spezifische Faktoren wie Sicherheitsvorfälle bei Börsen, Probleme bei großen Stablecoins oder Marktschocks durch gehebelte Derivate.
- Und systematische, makroökonomische und politische Faktoren: Bitcoin reagiere zunehmend wie eine Hochrisiko-Anlage auf globale Liquidität, Zinserwartungen, Aktienmarktentwicklung und Risikoappetit.
„Strukturell sehe ich bis 2026 keine ‚neuen‘ Volatilitätsquellen, die fundamental anders wären als heute – vielmehr eine Fortsetzung des Zusammenspiels aus kryptospezifischen Schocks und klassischen systematischen Risikofaktoren“, sagt er.

Die makroökonomische Entwicklung sehen auch die anderen Experten als zentrale Stellschraube. Krüger betont, dass hierbei vor allem das weitere Vorgehen der US-Notenbank Federal Reserve bezüglich der US-Leitzinsen entscheidend sein könnte. Auch geopolitische Krisen wie der weitere Verlauf des Ukraine-Kriegs könnten kurzfristig starke Ausschläge verursachen.
Positive Impulse könnten hingegen von einer möglichen Bitcoin-Staatsreserve der USA ausgehen, so Krüger. Der Bundesstaat habe bereits den strukturierten Aufbau einer strategischen Reserve begonnen. Sollte diese Entwicklung auch in anderen Bundesstaaten zu beobachten sein, würde es weitere starke Signale senden.
Wird Bitcoin zum digitalen Gold? Die Rolle als Wertspeicher
Bei der Frage nach der künftigen Rolle von Bitcoin herrscht unter den Experten weitgehende Einigkeit: Als Wertspeicher wird die Kryptowährung deutlich stärker wachsen als als Zahlungsmittel.
Florysiak erwartet bis 2026 nur begrenzte zusätzliche Akzeptanz als Zahlungsmittel. Die Forschung zeige klar, dass die hohe Volatilität von Bitcoin seine Funktion als stabiles Tauschmittel einschränke. Neben klassischen Kryptowährungen entstehen zudem digitale Zahlungsmittel, die sehr nah an Fiatwährungen wie Euro oder Dollar herankommen.

Silenskyte teilt diese Einschätzung: „Im Jahr 2026 dürfte Bitcoin als alltägliches Zahlungsmittel kaum eine deutlich breitere Verwendung finden.“ Andere Blockchains mit höherem Durchsatz und geringeren Transaktionskosten seien für diese Rolle besser optimiert.
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Die Akzeptanz von Bitcoin als Wertspeicher dürfte hingegen weiter zunehmen. „In einem Umfeld, in dem sich Anleger weiterhin über die langfristigen Folgen einer expansiven Geldpolitik sorgen, bieten die feste Angebotsmenge und das dezentrale Design von Bitcoin eine Alternative zu traditionellen Fiat-Systemen“, erklärt sie.
Bitte beachten:
Aktien, Immobilien und andere Investments sind grundsätzlich mit einem Risiko verbunden. Auch ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals kann nicht ausgeschlossen werden. Ebenso können Kredite eine erhebliche finanzielle Belastung darstellen. Verbraucher sollten ihre finanzielle Situation sorgfältig prüfen und alle Kosten gründlich durchrechnen. Die veröffentlichten Artikel, Daten und Prognosen sind keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Rechten und ersetzen keine fachliche Beratung.
Krüger sieht es hingegen differenzierter: „Für den täglichen Einkauf ist Bitcoin schlicht zu volatil – hier setzen sich Stablecoins wie Tether, USDC oder dEURO durch, da sie preisstabil und sofort abrechenbar sind.“ Anders sehe es im staatlichen und institutionellen Bereich aus. Wenn Staaten wie die Vereinigten Arabischen Emirate bereits Steuerzahlungen in Bitcoin akzeptierten, zeige das, wohin die Reise geht. Als Alltagswährung bleibe Bitcoin eine Nische, als digitaler Wertspeicher dagegen könnte er 2026 breiter akzeptiert sein als heute.
Dirk Heß vom Finanzdienstleister Nxtassets sieht ebenfalls eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass Bitcoin seine Position als digitaler Wertspeicher weiter festigt – unterstützt durch ETFs und ETPs.
Warum gibt es keine Bitcoin-ETFs in Deutschland?
Laut der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) ist in Deutschland die Emission von börsengehandelten Fonds (ETFs), die nur einzelne Kryptowerte wie den Bitcoin abbilden, nicht zulässig.
Der Grund: Ein solcher börsengehandelter offener Publikumsfonds, der die Entwicklung eines einzigen Werts abbildet – in diesem Fall den Kryptowert Bitcoin – widerspräche sowohl nach deutschen nationalen Produktregeln als auch den Vorgaben der Europäischen Union (EU) für harmonisierte Wertpapierfonds (OGAWs) dem für diesen Fondstyp grundlegenden, dem Anlegerschutz dienenden Prinzip der Risikomischung. Mehr dazu finden Sie auch auf der Seite Bafin.de
Bitcoin-Prognose: Experten sehen starke Kursentwicklung bis 2030
Für einen längeren Zeithorizont bis 2030 fallen die Profi-Prognosen für Bitcoin noch optimistischer aus. Silenskyte verweist auf eine Bitcoin-Studie aus ihrem Haus, welche den langfristigen Wert von Bitcoin an die globale Geldmenge koppelt. Das Basisszenario deute auf einen Preis von rund 250.000 US-Dollar bis 2030 hin. Dieses Szenario spiegelt eine Fortsetzung des heutigen makroökonomischen Umfelds wider: moderates Wirtschaftswachstum, eine weiterhin hohe, aber beherrschbare Inflation sowie eine stetige Ausweitung der globalen Liquidität.
Laut Heß wird sich Bitcoin zunehmend als Baustein in breit aufgestellten Portfolios etablieren. „Unter normalen makroökonomischen Rahmenbedingungen ist ein Kursniveau im Bereich von 200.000 bis 300.000 US-Dollar denkbar – abhängig von der Entwicklung des Marktumfelds.“
Krüger ergänzt: „Auf Sicht von fünf Jahren spricht vieles dafür, dass Bitcoin seinen langfristigen Aufwärtstrend fortsetzt.“ Die globalen Staatsschulden steigen kontinuierlich – und in solchen Phasen gewinnen knappe, nicht beliebig vermehrbare Anlagen traditionell an Wert. „Das lässt sich seit Jahrzehnten am Goldpreis beobachten und Bitcoin folgt zunehmend derselben Logik“, denkt er.
Wissenschaftler mahnt zur Vorsicht bei Bitcoin-Prognosen
Florysiak mahnt als Wissenschaftler zur Vorsicht bei konkreten Preisprognosen. Die empirische Literatur zeige, dass sich Renditen von Kryptowerten selbst mit komplexen Modellen nur sehr eingeschränkt vorhersagen lassen und die Prognose-Intervalle bereits auf mittlere Sicht extrem breit sind. Das gelte besonders für Bitcoin, dessen Preisentwicklung im Zusammenspiel aus krypto-spezifischen Schocks und allgemeinen makroökonomischen Faktoren entsteht.
Was er mit Sicherheit sagen könne, betreffe eher die Struktur der Anlageklasse als ein exaktes Kursniveau:
- Bitcoin weist historisch hohe durchschnittliche Renditen bei gleichzeitig sehr hoher Volatilität und ausgeprägten Extremrisiken auf.
- Er verhält sich zunehmend wie eine Hochrisiko-Anlage, die mit globalen Aktienmärkten und dem allgemeinen Risikoappetit der Investoren korreliert.
- Die fortschreitende Institutionalisierung – etwa durch regulierte Produkte, professionelle Verwahrung und entwickelte Derivatemärkte – stabilisiert seine Rolle als investierbare, wenn auch spekulative Anlageklasse.
Vor diesem Hintergrund sieht er für Bitcoin einen langfristig positiven, aber weiterhin sehr volatilen Wachstumspfad. „Sinnvoll erscheint daher eher ein Investmenthorizont von mindestens zehn Jahren, analog zu risikoreichen traditionellen Anlageklassen, als eine Fünf-Jahres-Wette auf ein bestimmtes Kursniveau“, resümiert Florysiak.
Quellen:
Im Gespräch mit David Florysiak ist Professor für FinTech an der IU Internationale Hochschule in München. Er forscht und lehrt zu finanzwirtschaftlichen und regulatorischen Fragestellungen rund um Kryptowerte. Zudem ist er in diesem Bereich als Sachverständiger und Berater tätig. (Dezember 2025)
Im Gespräch mit Dovile Silenskyte, Director Digital Assets Research bei WisdomTree (Dezember 2025)
Im Gespräch mit Dirk Heß, Geschäftsführer von nxtAssets (Dezember 2025)
Im Gespräch mit Joshua Krüger Head of Growth bei der dEURO Association (Dezember 2025)



