Bitcoin gewinnt bei institutionellen Investoren an Bedeutung. Doch auch die Kryptowährung Ethereum rückt stärker in den Fokus. Branchenexperten erklären die wichtigsten Unterschiede der Coins – und welche Faktoren den ETH-Kurs künftig prägen könnten. Bei Prognosen für 2026 bleiben sie jedoch vage.
Bitcoin und Ethereum: Professor erklärt grundlegende Unterschiede
Wer sich mit Kryptowährungen beschäftigt, stößt meist zuerst auf Bitcoin. Doch lässt sich die bekannteste digitale Währung mit Ethereum vergleichen? David Florysiak, Professor für Fintech an der IU Internationale Hochschule in München, bringt den fundamentalen Unterschied der beiden Kryptowährungen auf den Punkt: „Bitcoin ist vor allem ein knappes Asset, Ethereum eine Infrastruktur, auf der ein ganzes Finanz-Ökosystem aufsetzt.“
Bitcoin sei aus Sicht eines Wissenschaftlers vor allem ein digitaler Vermögenswert, eine Art „Krypto-Gold“. Das Netzwerk könne im Wesentlichen Überweisungen dokumentieren – „technisch solide, aber bewusst schlicht gehalten“.

Ethereum ist dagegen eher ein Betriebssystem für Anwendungen: „Auf der gleichen Blockchain laufen Programme, sogenannte Smart Contracts. Darüber entstehen etwa dezentrale Börsen, Kreditplattformen oder NFT-Marktplätze.“ Die Kryptowährung Ether ist dort also nicht nur Spekulationsobjekt, sondern auch Treibstoff – man brauche sie, um diese Anwendungen überhaupt nutzen zu können.
>> Welcher Broker bietet 2026 die besten Konditionen? Wir haben uns die bekanntesten Anbieter im Broker-Vergleich angeschaut <<
Ethereum-Kurs: Forschung nennt zwei Hauptfaktoren für die Preisentwicklung
Doch was beeinflusst nun den Wert von Ethereum am stärksten? Aus Forschungssicht hebt Florysiak vor allem zwei Faktoren hervor:
- Nutzung des Netzwerks: „Je mehr Handel, Kredite, NFTs und andere Anwendungen auf Ethereum laufen, desto stärker wird Ether nachgefragt – als Zahlungsmittel für Transaktionen und als Sicherheit in DeFi-Protokollen.“
- Rahmenbedingungen: „Regulierung und institutionelle Infrastruktur spielen eine große Rolle. Wenn etwa große Vermögensverwalter über regulierte Produkte leichter in Ether gehen können, verändert das die Nachfrage – umgekehrt können strenge Regeln sie auch ausbremsen.“
Mini-Glossar – was sind?
NFTs (Non-Fungible Tokens)
Digitale, einzigartige Sammlerstücke auf einer Blockchain. Beispiele sind Kunstwerke, Musikdateien oder virtuelle Gegenstände in Computerspielen.
DeFi-Protokolle (Decentralized Finance)
Finanzanwendungen auf der Blockchain, die ohne Banken funktionieren. Sie ermöglichen Kredite, Zinsen oder den Handel mit Kryptowährungen – gesteuert durch sogenannte Smart Contracts, also automatisch ausgeführte Programme.
Web3-Dienste
Anwendungen, die auf Blockchain-Technologie basieren und den Nutzern mehr Kontrolle über ihre Daten und digitale Identität geben. Beispiele sind dezentrale soziale Netzwerke, digitale Geldbörsen (Wallets) oder Spiele, in denen man eigene digitale Güter besitzt.
Proof-of-Stake-System (PoS)
Ein Verfahren, mit dem eine Blockchain Transaktionen absichert. Anstatt Rechenleistung zu verbrauchen (wie beim Mining), setzen Nutzer ihre Coins ein („Staking“). Wer Coins staked, hilft beim Bestätigen neuer Blöcke und erhält dafür eine Belohnung.
Blockchain
Eine digitale Datenbank, in der Informationen in Blöcken gespeichert und miteinander verkettet werden. Sie ist dezentral organisiert, also nicht im Besitz einer einzelnen Person oder Firma, und dadurch schwer zu manipulieren. Die Blockchain bildet die technische Grundlage fast aller Kryptowährungen.
Doch welche Rolle spielen technische Entwicklungen bei Ethereum? „Bei Ethereum ist Technik direkt mit dem Wert verknüpft“, sagt Florysiak. Auch hier identifiziert der Wissenschaftler drei entscheidende Punkte, die für die technische Weiterentwicklung maßgeblich sind.
- Smart-Contract- und DeFi-Weiterentwicklung: „Werden dezentrale Börsen, Kreditprotokolle usw. sicherer und nutzerfreundlicher, steigen Nutzung und damit typischerweise auch die Nachfrage nach Ether. Größere Sicherheitslücken oder Protokollfehler können dagegen Vertrauen und Preis deutlich beschädigen.“
- Konsensmechanismus und Sicherheit: „Ethereum setzt auf ein abgesichertes Proof-of-Stake-System. Aus wissenschaftlicher Sicht ist spannend, dass hier versucht wird, ökonomische Anreize (Belohnung und „Strafe“ für Validatoren) so zu gestalten, dass Angriffe sehr teuer werden. Gelingt das gut, stärkt es das Vertrauen in hochwertige Anwendungen auf der Blockchain.“
- Skalierung: „Wenn Ethereum durch technische Weiterentwicklungen mehr Transaktionen zu geringeren Kosten verarbeiten kann, sinken die Hürden für neue Anwendungen – etwa für Spiele, andere Web3-Dienste oder perspektivisch auch den Handel mit tokenisierten Vermögenswerten, also digitalen Anteilen an realen Gütern oder Finanzprodukten. Das kann die Rolle von Ethereum als grundlegende Infrastruktur im Finanzbereich weiter stärken.“
Zinsen und Märkte beeinflussen Ethereum-Kurs deutlich
Doch auch abseits technischer Entwicklungen gibt es Faktoren, die den Preis beeinflussen könnten. „Makroökonomische Faktoren wie Zinsen und institutionelle Investoren haben einen erheblichen Einfluss auf den Ethereum-Preis und seine Adoption“, sagt Axel Daffner, Geschäftsführer von Transformer Capital. Niedrige Zinsen erhöhen die Risikobereitschaft und führen zu einer stärkeren Nachfrage nach alternativen Vermögenswerten wie Ethereum, was den Preis stützen kann. „Höhere Zinsen können dagegen das Interesse an risikoreichen Anlagen dämpfen und den ETH-Preis unter Druck setzen“, so der Profi weiter.
Florysiak ergänzt: „Empirische Studien zeigen: In ruhigen Zeiten bewegen sich Kryptowährungen teilweise relativ unabhängig von klassischen Anlagen. In Stressphasen – wenn die Aktienmärkte stark fallen – laufen sie aber oft mit den Risk-Assets mit. Dann verhält sich Ether eher wie eine sehr volatile Wachstumsaktie.“

Steigende Zinsen und knappe Liquidität können also Druck ausüben, lockere Finanzierungsbedingungen und hohe Risikobereitschaft eher Rückenwind geben. „Regulatorisch sehen wir, dass Behörden weltweit versuchen, Krypto, Stablecoins und DeFi-Protokolle in bestehende Regeln einzupassen – aus Sicht der Finanzstabilität völlig nachvollziehbar“, so Florysiak.
Ethereum-Prognose 2026 & 2027: Experte sieht Chancen – bleibt aber vorsichtig
Für Ethereum kann das laut dem Wissenschaftler zwei Seiten haben: Klare, praktikable Regeln erleichtern institutionellen Investoren den Einstieg und können Adoption fördern. Übermäßig strenge Vorgaben – etwa für Stablecoins oder Kapitalanforderungen von Banken mit Krypto-Engagement – können bestimmte Anwendungen und damit die Nachfrage nach Ether bremsen.
Bitte beachten:
Aktien, Immobilien und andere Investments sind grundsätzlich mit einem Risiko verbunden. Auch ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals kann nicht ausgeschlossen werden. Ebenso können Kredite eine erhebliche finanzielle Belastung darstellen. Verbraucher sollten ihre finanzielle Situation sorgfältig prüfen und alle Kosten gründlich durchrechnen. Die veröffentlichten Artikel, Daten und Prognosen sind keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Rechten und ersetzen keine fachliche Beratung.
Als Wissenschaftler ist Florysiak mit Preisprognosen sehr zurückhaltend. Er ergänzt jedoch: „Bleibt Ethereum die führende Plattform für DeFi und andere Smart-Contract-Anwendungen, setzt sich ein tragfähiger regulatorischer Rahmen durch und bleibt das globale Umfeld für Risk-Assets halbwegs freundlich, dann sind die Aussichten positiv.“
Ob Ethereum den nächsten großen Impuls bekommt, hängt damit weniger von kurzfristigen Kursschwankungen ab als von Nutzung, Regulierung und dem allgemeinen Marktumfeld.
Quellen:
Der Artikel erschien erstmals im Dezember 2025 und wurde von unserer Redaktion erneut geprüft sowie auf den aktuellen Stand gebracht.
Im Gespräch mit David Florysiak ist Professor für FinTech an der IU Internationale Hochschule in München. Er forscht und lehrt zu finanzwirtschaftlichen und regulatorischen Fragestellungen rund um Kryptowerte. Zudem ist er in diesem Bereich als Sachverständiger und Berater tätig. Geführt: November 2025
Im Gespräch mit Axel Daffner Geschäftsführer von Transformer Capital GmbH. Geführt: November 2025
Im Gespräch mit Bernhard Wenger Head of Northern Europe von 21shares. Geführt: November 2025



