Die Europäische Zentralbank (EZB) gibt am Donnerstag ihre erste Zinsentscheidung des Jahres 2026 bekannt. Seit der letzten Senkung im Juni 2025 liegt der für Anleger relevante Einlagenzins unverändert bei 2,00 Prozent. Was erwarten Finanzexperten von der anstehenden Zinsentscheidung, und welche Auswirkungen könnte das auf Tagesgeld, Festgeld und Bauzinsen haben? Besonders bei den Sparprodukten könnten Verbraucher direkte Folgen erwarten.
EZB-Zinsentscheid am Donnerstag: Expertin nennt Unsicherheitsfaktor
Die Prognosen am Markt klingen eindeutig: Die EZB wird das Zinsniveau erneut unverändert lassen, so die Annahme vieler Experten und Expertinnen. „Eine Zinssenkung ist aktuell nahezu ausgeschlossen“, sagt Jasmin Ehlert von der Zinsplattform Raisin. Die Inflation im Euroraum habe im Dezember bei 1,9 Prozent und damit leicht unter dem EZB-Ziel von zwei Prozent gelegen. Gleichzeitig zeige sich die Wirtschaft stabil: „Für die EZB besteht derzeit kein Anlass, aktiv zu werden“, so die Expertin.
Ein Unsicherheitsfaktor sei jedoch die Aufwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar. Der Euro erreichte zuletzt mit rund 1,20 US-Dollar den höchsten Stand seit 2021. Zwar verfolge die EZB kein konkretes Wechselkursziel, doch ein weiter steigender Euro könne Importpreise dämpfen und die Inflation stärker unter das Ziel drücken. „Dementsprechend wird die EZB die Wechselkursentwicklung weiter beobachten müssen“, so Ehlert.
Insgesamt bleiben Leitzinsänderungen ihrer Meinung nach weiterhin unwahrscheinlich, auch wenn mittelfristig Zinssenkungen nicht mehr ausgeschlossen seien. Mit dieser Einschätzung ist Ehlert nicht allein: Auch andere Experten rechnen vor dem starken Euro mit Zinssenkungen im Laufe des Jahres.
>> Alle weiteren EZB-Termine finden Sie in einer separaten Übersicht. Auch die US-Notenbank Fed hat jüngst über den Leitzins entschieden, hier erfahren Sie welche Auswirkungen das hatte. <<

EZB-Entscheid im Februar: Drei geldpolitische Szenarien für 2026
Martin Wolburg vom Vermögensverwalter Generali Investments erklärt dazu: „Die jüngsten Äußerungen vom französischen Gouverneur Villeroy de Galhau, dass ein starker Euro die Politik leiten werde, deuten darauf hin, dass der Wechselkurs zu einem klaren Faktor geworden ist.“ Wie könnte es 2026 also geldpolitisch weitergehen? Während Konstantin Veit von Pimco davon ausgeht, dass die Leitzinsen „auf absehbare Zeit unverändert bleiben“, skizziert Bastian Freitag vom Vermögensmanagement Rothschild & Co. drei „plausible geldpolitische Szenarien“:
- Basisszenario: Die EZB verharrt über einen längeren Zeitraum auf dem aktuellen Zinsniveau. Eine Zinspause bis mindestens zur Jahresmitte gelte als wahrscheinlich, bevor sich der Rat, abhängig von den Projektionen im Frühjahr und Sommer, vorsichtig in Richtung einer Lockerung öffnen könnte, so Freitag: „Dieses Szenario ist derzeit das wahrscheinlichste“, sagt er.
- Dovishe Variante mit Zinssenkung im Sommer: Sollte sich die Disinflation verfestigen – etwa durch mehrere Monate mit einer Inflationsrate klar unter zwei Prozent – oder der Euro weiter in Richtung 1,25 US-Dollar aufwerten, steige die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung im Sommer oder Herbst 2026, sagt der Experte. Freitag: „In diesem Fall würde der geldpolitische Handlungsdruck deutlich zunehmen.“
- Hawkishe Variante ohne Zinssenkung 2026: Eine Zinspause ohne Lockerung bis weit ins Jahr 2026 hinein wäre nur bei deutlich steigender Inflation denkbar, etwa infolge eines anhaltenden Energiepreisschocks. „Dieses Szenario halten wir derzeit für unwahrscheinlich“, betont Freitag.
Bauzinsen: So wirkt sich der EZB-Zinsentscheid im Februar aus
Die Erwartungen sind klar: Verbraucher sollten diesen Monat eher nicht mit einer Zinssenkung rechnen. Allerdings bleibt die Wahrscheinlichkeit für Zinssenkungen im Jahresverlauf bestehen. Welche Auswirkungen hätten mögliche Zinsschritte auf Kreditnehmer, die beispielsweise eine Baufinanzierung planen?
Wichtig: Der EZB-Leitzins beeinflusst die Konditionen für Immobilienfinanzierungen nur indirekt. Da Immobilienkredite langfristig angelegt sind, orientieren sich ihre Zinsen vor allem an Bundesanleihen und Pfandbriefen. Banken passen ihre Konditionen oft schon vorab an die Erwartungen des Kapitalmarkts über künftige EZB-Schritte an. In unserer Kredit-Zinsen-Übersicht informieren wir über Konditionen. Auch unser Zins-Radar verfolgt neueste Entwicklungen.

Jüngst gingen die Konditionen für Baufinanzierungen leicht nach unten. Allerdings rechnen Profis in ihren Bauzinsen-Prognosen 2026 eher mit steigenden Zinsen. Denn neben EZB-Zinsschritten beeinflussen auch andere Faktoren deren Entwicklung: „Die ersten Tage des jungen Jahres haben gezeigt, dass die geopolitischen Unsicherheiten weiterhin sehr anwesend sind und die Finanzmärkte auch 2026 beschäftigen werden“, erklärt Carsten Brzeski von der Direktbank ING in einer Branchenumfrage des Kreditvermittlers Interhyp.
Bitte beachten:
Aktien, Immobilien und andere Investments sind grundsätzlich mit einem Risiko verbunden. Auch ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals kann nicht ausgeschlossen werden. Ebenso können Kredite eine erhebliche finanzielle Belastung darstellen. Verbraucher sollten ihre finanzielle Situation sorgfältig prüfen und alle Kosten gründlich durchrechnen. Die veröffentlichten Artikel, Daten und Prognosen sind keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Rechten und ersetzen keine fachliche Beratung.
Diese Unsicherheit werde eher zu einer Flucht in sichere Häfen führen, womit die langfristigen Kapitalmarktzinsen bis auf Weiteres stabil bleiben sollten, vermutet Brzeski. Im Laufe des Jahres dürfte aber die steigende deutsche Staatsverschuldung zum wichtigsten Treiber für einen weiteren leichten Anstieg der Kapitalmarktzinsen und damit auch der Bauzinsen werden.
>> Sie suchen eine Immobilienfinanzierung? Unser Baufinanzierungs-Vergleich zeigt aktuelle Konditionen im Überblick. Auch unser Rechner kann helfen, erste Angebote zu vergleichen. <<
Tagesgeld und Festgeld nach EZB-Zinsentscheid: Dazu rät die Expertin
Während Bauzinsen nur indirekt auf Entscheidungen der EZB reagieren, bekommen Sparer Veränderungen bei Tages- und Festgeld direkt zu spüren: Fallende Leitzinsen senken die Zinsen für Sparprodukte. Experten rechnen jedoch damit, dass der deutliche Rückgang der Sparzinsen nun weitgehend zum Stillstand gekommen ist. Das spiegelt sich in der aktuellen Entwicklung am Markt wider.
Wie unser Spar-Ticker und Rechner zeigen, haben mehrere Banken ihre Konditionen zuletzt angehoben. Tagesgeld-Zinsen von über 3,00 Prozent sind jetzt wieder möglich – allerdings nur für einen begrenzten Zeitraum.
Jasmin Ehlerts Rat: „Wer sich dauerhaft attraktive Zinsen sichern will, kann ein Festgeld nutzen.“ Flexibel seien Verbraucher dabei mit einer sogenannten Treppenstrategie. Hierbei verteilen sie ihre Geldbeträge auf unterschiedliche Laufzeiten und legen diese bei Fälligkeit erneut an. Die besten Konditionen für Tages- und Festgeld zeigt unser Tagesgeld-Vergleich und Festgeld-Vergleich.
Quellen:
Marktkommentar von Jasmin Ehlert, Chefanalystin bei Raisin, Februar 2026
Marktkommentar von Bastian Freitag, Head of Fixed Income bei Rothschild & Co Wealth Management Deutschland, Februar 2026
Marktkommentar von Konstantin Veit, Portfoliomanager bei PIMCO, Februar 2026
Marktkommentar von Dr. Martin Wolburg, Senior Economist bei Generali Investments, Februar 2026
Bauzinsen, in: interhyp.de. Zuletzt abgerufen am 03.02.2026



