Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hat eine Pause bei den Zinssenkungen eingelegt. Am Mittwoch stimmte der Offenmarktausschuss FOMC dafür, den Leitzins in der Spanne von 3,5 bis 3,75 Prozent zu belassen. Damit endet die Serie der Leitzinssenkungen vorerst. Der Schritt kommt für die Märkte nicht überraschend, Experten hatten ihn bereits erwartet. Doch hat der neue Fed-Zinsentscheid Auswirkungen auf Gold, Bitcoin und Aktien? Ein Profi prognostiziert eine grundsätzliche Trendwende.

US-Notenbank Fed läutet Zinspause ein: Wie geht es 2026 weiter?

„Nach drei Zinssenkungen war aus ökonomischen Gründen nicht mit einem weiteren Zinssenkungsschritt der Fed zu rechnen“, sagt Michael Heise von der Investmentgesellschaft HQ Trust. Die US-Wirtschaft sei im vierten Quartal 2025 stärker gewachsen als erwartet, die Inflation über dem Zielwert der Notenbank geblieben und die Arbeitslosigkeit trotz schwacher Beschäftigungsentwicklung weitgehend stabil gewesen. „Alles in allem kein Umfeld für Zinssenkungen“, resümiert Heise.

Fed-Chef Jerome Powell spricht auf einer Pressekonferenz
Fed-Chef Jerome Powell sieht die Unabhängigkeit der US-Notenbank angegriffen. © Getty Images via AFP | Kevin Dietsch

Angesichts dieser ökonomischen Daten dürfte das politische Motiv, die Unabhängigkeit der Notenbank zu demonstrieren, allenfalls eine „untergeordnete Rolle gespielt haben“, erklärt der Experte weiter. Das US-Justizministerium hatte kürzlich Ermittlungen gegen den Fed-Chef Jerome Powell eingeleitet und damit für Unsicherheit gesorgt. Powell wird vorgeworfen, vor dem Senat falsche Aussagen über die Sanierung von Gebäuden der Zentralbank in Washington getätigt zu haben.

Marktakteure sehen den Schritt allerdings als Gefahr für die Unabhängigkeit der US-Notenbank. Auch Powell selbst bezeichnet das Vorgehen als „Vorwand“ und als Versuch, Druck auf die unabhängige Notenbank auszuüben. US-Präsident Donald Trump fordert seit langem deutliche Zinssenkungen – und das, obwohl die Fed den Leitzins bereits gesenkt hatte. Powells Amtszeit endet im Mai, die Nachfolge ist noch unklar.

Zinssenkungen: Gold und Bitcoin profitieren häufig – auch diesmal?

Da die meisten Experten die Zinspause nach diesen Entwicklungen und der derzeitigen wirtschaftlichen Lage bereits erwartet hatten, fallen die Reaktionen an den Märkten verhalten aus: „Die politischen Angriffe auf die Notenbank haben das Anlegervertrauen in den US-Dollar gemindert und die Währung geschwächt“, erklärt Heise.

Bob Michele vom Vermögensmanagement J. P. Morgan sieht derzeit eine Chance beim Gold. Historisch steige der Goldpreis nach Beginn von Zinssenkungszyklen, erklärt er: In den letzten zehn Zyklen habe Gold in 80 Prozent der Fälle innerhalb von sechs Monaten zugelegt – im Schnitt um 11 Prozent. Das Edelmetall gilt als krisensichere Anlage. Das zeigt auch der aktuelle Goldpreis: Im Januar überschritt er erstmals die Marke von 5000 US-Dollar pro Unze.

US-Notenbank Fed
Die Finanz-Profis erwarten 2026 weitere Zinssenkungen der Fed. © Getty Images | Douglas Rissing

Auch Bitcoin und andere Kryptowährungen profitieren in der Regel von sinkenden Zinsen. Wenn niedrige Leitzinsen Staatsanleihen weniger interessant machen, suchen Investoren oft nach renditestärkeren, aber risikoreicheren Alternativen. Beim aktuellen Bitcoin-Kurs scheint das diesmal aber nicht zuzutreffen: Makroökonomische Ängste und eine knappere Liquidität führen dazu, dass Anleger ihre Positionen in spekulativen Vermögenswerten wie digitalen Währungen reduzieren. Haben die Bewegungen in den USA eine grundlegende Änderung angestoßen?

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Aktienmarkt nach Fed-Pause: USA verliert wichtigen Vorteil

Dazu passt die Einschätzung von Ron Temple vom Vermögensverwalter Lazard über die Kapitalmärkte: „2025 könnte das Jahr gewesen sein, in dem die langjährige Outperformance der US-Märkte zu Ende gegangen ist“, sagt der Experte. Der Wachstumsvorteil der USA sei weitgehend aufgebraucht: „Ein schwächerer US-Dollar, angespannte Aktienbewertungen und Gewinne, die sich auf einen engen Kreis KI-verbundener Technologieunternehmen konzentrieren, erhöhen das Risiko einer Underperformance von US-Aktien im Jahr 2026“, warnt Temple. US-Aktien könnten schlechter laufen als erwartet.

Außerhalb der USA seien die Bewertungen niedriger und die Gewinnquellen breiter gestreut: Besonders Schwellenländer bieten laut Temple Chancen im KI-Bereich, auch japanische Aktien seien spannend. „Die Titelauswahl unter den KI-Marktführern wird in den kommenden Monaten entscheidend sein“, sagt der Experte. Dennoch rät er nicht dazu, US-Anlagen grundsätzlich zu meiden: „Vielmehr geht es um Risikomanagement nach Jahren außergewöhnlicher US-Outperformance.“ So sollten sich Anleger nicht allein auf die anhaltend starke Entwicklung von US-Aktien verlassen.

Prognosen zum Fed-Zinsentscheid 2026: Experten erwarten Bewegung

Wie könnte sich die Fed den Rest des Jahres über verhalten? Trotz der aktuellen Zinspause rechnen einige Experten mit weiteren Zinssenkungen im Jahr 2026, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß: Laut John Velis vom Vermögensverwalter BNY erwarten die Märkte bis Ende 2026 maximal zwei Zinssenkungen. Tiffany Wilding von Pimco sieht weitere Zinssenkungen erst in der zweiten Jahreshälfte. Der Vermögensverwalter Natixis geht in seinen Prognosen davon aus, dass die Fed ihren Leitzins dieses Jahr um 50 Basispunkte senken wird. Die Experten von State Street prognostizieren drei Senkungen, die den Leitzins auf etwa drei Prozent bringen würden.

Edgar Walk vom Vermögensverwalter Metzler Asset Management hat eine klare Erwartung: „Die Notenbank wirkt derzeit nicht wie ein Gremium, das eine Zinssenkung sucht, sondern wie eines, das sie erst dann liefert, wenn die Daten sie erzwingen“, sagt der Experte. Solange die Konjunktur solide bleibe und der Arbeitsmarkt nicht sichtbar nachgebe, dürfte die nächste Senkung eher auf sich warten lassen. Das Zinsumfeld würde sich nach dieser Prognose erstmal nicht weiter verändern. Anleger sollten allerdings darauf achten, ihre Portfolios weiterhin breit aufzustellen.

Bitte beachten:

Aktien, Immobilien und andere Investments sind grundsätzlich mit einem Risiko verbunden. Auch ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals kann nicht ausgeschlossen werden. Ebenso können Kredite eine erhebliche finanzielle Belastung darstellen. Verbraucher sollten ihre finanzielle Situation sorgfältig prüfen und alle Kosten gründlich durchrechnen. Die veröffentlichten Artikel, Daten und Prognosen sind keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Rechten und ersetzen keine fachliche Beratung.

Quellen:

Federal Reserve – offizieller YouTube-Kanal des Board of Governors of the Federal Reserve System, in: youtube.com. Zuletzt abgerufen am 26.01.2026

Trump vs. Powell: Zoff mit Notenbank‑Chef auf neuer Eskalationsstufe, in: morgenpost.de. Zuletzt abgerufen am 26.01.2026

Marktkommentar von Edgar Walk, Chefvolkswirt bei Metzler Asset Management, im Januar 2026

Marktkommentar von Louise Street, Senior Markets Analyst, World Gold Council, im Januar 2026

Marktkommentar von Michael Heise, Chefökonom von HQ Trust, im Januar 2026

Marktkommentar von RJ Gallo, Deputy CIO für Fixed Income bei Federated Hermes, im Januar 2026

Marktkommentar von John Velis, Americas Macro Strategist bei BNY, im Januar 2026

Marktkommentar von Konrad Kleinfeld, Leiter für Fixed Income Distribution EMEA bei State Street Investment Management, im Januar 2026

Marktkommentar von Tiffany Wilding, Ökonomin bei PIMCO, im Januar 2026

Marktkommentar von Ron Temple, Chief Market Strategist bei Lazard, im Januar 2026

Marktkommentar von Bob Michele, Chief Investment Officer für Anleihen und Leiter der Global Fixed Income, Currency & Commodities Gruppe bei J.P. Morgan Asset Management, im Januar 2026